Schweizer Kantone lehnen längere Ladenöffnungszeiten ab

Die vom Schweizer Bundesrat geplanten längeren Öffnungszeiten für den Einzelhandel stoßen bei den Kantonen auf Ablehnung. Es geht ihnen um den Grundsatz des Föderalismus. Denn bisher sind die Ladenöffnungszeiten durch kantonales Recht geregelt.

Die Kantone haben die Liberalisierungspläne des Bundesrat in Sachen Ladenöffnungszeiten fast geschlossen zurückgewiesen. Einzelhändler und Wirtschaftsverbände dringen auf einheitliche Öffnungszeiten. Das letzte Wort in dieser Frage könnte das Volk haben.

Geht es nach dem Bundesrat, sollen Einzelhändler künftig werktags von 6 bis 20 Uhr und samstags von 6 bis 19 Uhr öffnen können, berichtet die Handelszeitung. Die Kantone sollen diese Öffnungszeiten nicht einschränken dürfen. Eine weiter gehende Liberalisierung soll ihnen jedoch erlaubt werden.

Fast alle Kantone sind derzeit gegen das neue Bundesgesetz über die Ladenöffnungszeiten. Ausnahme ist das Tessin, dessen Nachbar Italien weit liberalere Gesetze hat. Den Kantonen geht es um den Grundsatz des Föderalismus. Denn bisher sind die Ladenöffnungszeiten durch kantonales Recht geregelt.

Bei der Umsetzung des neuen Bundesgesetzes müssten 11 Kantone unter der Woche und 14 Kantone an Samstagen längere Öffnungszeiten gewähren.

Auch Gewerkschaften, Sozialdemokraten und Grüne sind gegen längere Öffnungszeiten. Sie halten sich die Möglichkeit eines Referendums offen, falls an an der Vorlage nichts geändert wird

Doch Einzelhändler, Touristikunternehmen, der Gewerbeverband (sgv), der Arbeitgeberverband (SAV) sowie FDP, CVP und SVP begrüßen die Vorlage. Sie argumentieren, mit der Maßnahme solle der Einkaufstourismus verringert werden, der seit der Stärke des Franken zugenommen hat. Zudem sollen die Nachteile der traditionellen Einzelhändler gegenüber Geschäften an Bahnhöfen und Tankstellen abgebaut werden.

„Längere Ladenöffnungszeiten bedeuten mehr Umsatz, mehr Arbeitsplätze und mehr Steuereinnahmen“, schreibt die Interessengemeinschaft Detailhandel (IG DHS). Für den Branchenverband Swiss Retail ist die Teilharmonisierung „ein Beitrag zum Erhalt von Arbeits- und Ausbildungsplätzen im Detailhandel“.

Kommentare

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  1. hugin sagt:

    BRAUCHT MAN OFFENE GESCHÄFTE BIS IN DIE NACHT?
    Durch längere Offnungszeiten bleibt die Kaufkraft gleich, es tritt nur eine Verschiebung des Geldes auf mehr Stunden. Den Schaden haben die Handelsangestellten und die Firmen durch mehr Strom, Heizkosten und Überstundenzahlungen, oder Kurzarbeit des Personals.

    • Harry sagt:

      Wenn es sich für ein Unternehmen nicht lohnt, länger zu öffnen, wird es das nicht tun. Das wird ein Unternehmen nur dann tun, wenn es nachweislich zu einem höheren Gewinn führt. Das ist das Schöne an der Marktwirtschaft.

      • Hans von Atzigen sagt:

        Im Prinzip richtig.
        Nur eben gerade im Einzelhandel ist der ,,Futterneid,, oft grösser als die Vernunft. Gebot und 1. Ziel = Umsatz. Das Thema Ertrag und Wirtschaftlichkeit wird dann erst im nachhinein ein Thema.
        Einzelhändler sind meist von Natur Händler oder ,,Chrämerseelen,, mit Produktivität und Effizienz haben es die nicht so sehr am Hut.

  2. Hans von Atzigen sagt:

    Die Kernzielsetzung sollte lauten, Steigerung der Effizienz in der Warenverteilung.
    Syssiphus, sieht das richtig, längere Öffnungszeiten schaffen NICHT mehr Kaufkraft.
    Gewiss es werden im Gesamtvolumen mehr Arbeitsplätze geschaffen. Der Haken, es entstehen zusätzliche Arbeitsplätze mit sinkender Produktivität, heisst Arbeitsplätze die sinkende Einkommen erzeugen, die wiederum die Brutto- Realkaufkraft schwächen.
    Zielgerecht können nur Bedarfsgerechte Öffnungszeiten sein. Das heisst Öffnungszeiten innerhalb des entsprechenden überwiegenden Bedarfs, denn Zeiten mit toter Hose sind lediglich mit entsprechendem Aufwand und wenig Ertrag verbunden= Inneffizient. Tja das vor 25 Jahren verkündete ,,Heilsrezept,, Dienstleistungsgesellschaft war ein Megaschuss in den Ofen. Der weit überproportional steigende Anteil des Dienstleistungsanteils am Brutto- Wirtschaftsgeschehen ist der direkte Weg in die Massenverarmung. Denn auch Dienstleistungen müssen letztlich Real erwirtschaftet werden, daran führt KEIN Weg vorbei. Dienstleistungen sind nur Bedingt bis zu einem entsprechenden Brutto Volumen Wertschöpfend= Realproduktiv.
    Wer das nicht glaubt dem sei ein nüchterner Blick ins Mutterland der Diensleistungs- Wirtschaft USA empfohlen. Verheerend Verschuldet, sinkende Realproduktion, immer breitere Massenverarmung, auf dem besten Weg in ein verheerendes Wirtschaftsdesaster. Ganz zu schweigen von anderen Volkswirtschaften die faktisch nur eine Dienstleistungsgesellschaft kennen Zb. in den Islamischen Nationen in denen Realwertschüpfung einen nur marginalen Anteil zur Real- Brutto- Wirtschaftsleistung beisteuern. Bei gewissen sog. Ökonomen und Unternehmern fragt man sich schon wo den der Rationale National und Global- Ökonomische Sachverstand geblieben ist. Nur noch grosse Fragezeichen.

  3. Alfons sagt:

    Was gehen den Staat die Öffnungszeiten an?

    Jeder Ladenbesitzer sollte doch wohl selbst entscheiden, wann er Geld verdienen will.

  4. Harry sagt:

    Wenn die Bundesstaaten (schweizerdeutsch: Kantone) dies selbst entscheiden können, ist dies natürlich allemal besser, als wenn es der Bund zentral tut. Das wäre also schon einmal ein Fortschritt.

    Allerdings bleibt die Frage: Was geht es einen Politiker an, wann ein Unternehmer sein Geschäft öffnet? Warum schriebt ein Politiker mir als Bürger vor, wann ich einkaufen zu gehen habe?

  5. Syssiphus sagt:

    Längere Ladenöffnungszeiten ersetzen eine größere Kaufkraft nicht,die wird nur durch mehr Einkommen erreicht.