Frankreichs Politik verwehrt der Jugend die Zukunft

Frankreich ist im Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit gescheitert. Die Regierung hatte Steuergelder im Umfang von 2,3 Milliarden Euro eingesetzt, um neue Stellen für Jugendliche zu schaffen. Doch die Jugendarbeitslosenquote verharrt bei 24 Prozent. Dies ist eine Gefahr für die politische Stabilität sowohl Frankreichs als auch der EU.

Laut den aktuellen offiziellen Arbeitslosenzahlen waren Ende April rund 534.000 Jugendliche in Frankreich arbeitslos. Das sind 0,2 Prozent mehr als im März. Damit bleibt die Arbeitslosenquote bei jungen Männern und Frauen unter 25 Jahren auf einem hohen Niveau von knapp 24%.

Diese Quote ist damit zwar einerseits erheblich kleiner als in den Euro-Krisenländern Griechenland oder Spanien, wo sie bei über 50% liegt. Sie ist aber andererseits erheblich größer als in Deutschland, hier sind 7,8% der Jugendlichen und jungen Erwachsenen arbeitslos.

Ob der leichte Anstieg der französischen Jugendarbeitslosigkeit tatsächlich eine Trendwende zum Schlechten bedeutet, müssen die nächsten Monate zeigen. Im Vergleich mit der Situation ein Jahr zuvor, also mit April 2013, kann man immerhin noch eine leichte Verbesserung feststellen. Damals waren 555.000 Jugendliche arbeitslos, also 21.000 mehr als heute. Im Vergleich mit dem Jahr 2011 wiederum, also dem letzten Jahr vor Hollande, sind die heutigen Zahlen dagegen höher.

Bereits seit Oktober können die französischen Statistiker kaum noch Fortschritte in Sachen Jugendarbeitslosigkeit vermelden. Das ist umso erstaunlicher, als doch François Hollande nach seiner Wahl zum Präsidenten zahlreiche Maßnahmen gegen die grassierende Jugendarbeitslosigkeit im Lande einleitete.

So beschloss die französische Regierung eine „Garantie jeunes“ nach dem Prinzip Fördern und Fordern für bis zu 100.000 Jugendliche. Die Jugendlichen schließen eine Eingliederungsvereinbarung und werden dafür von Sozialdiensten und Arbeitsverwaltungen besser bei der Arbeitssuche unterstützt.

So investierte die französische Regierung 2,3 Milliarden Euro in eine staatliche Anschubfinanzierung. Arbeitgeber, die eine neue Stelle für einen jungen Arbeitnehmer schaffen, können dadurch in den ersten drei Beschäftigungsjahren Dreiviertel des Bruttogehalts ihres neuen Mitarbeiters als Zuschuss erhalten. Durch das Programm sollten 2013 bis zu 100.000 neue Stellen für Jugendliche geschaffen werden und 2014 weitere 50.000.

Aber nach kurzlebigen Anfangserfolgen ebbten die staatlichen Maßnahmen schnell wieder ab. Einen wichtiger Faktor spielt dabei die allgemeine Verschlechterung auf dem französischen Arbeitsmarkt, die sich 2014 fortsetzt. Die Misere mindert natürlich insbesondere die Jobaussichten arbeitsloser Jugendlicher. Nachdem also die Gelder aus den Maßnahmen weitgehend verteilt sind, steigt wieder die Jugendarbeitslosigkeit.

Bemerkenswert ist übrigens, dass in Frankreich genauso wie in Deutschland männliche Jugendliche und junge Männer von Arbeitslosigkeit etwas stärker betroffen sind als Mädchen und junge Frauen. Ein Grund dafür mag die höhere Neigung von Mädchen sein, ein Studium zu beginnen. So stehen in Frankreich 286.000 männlichen jungen Arbeitslosen nur 248.000 weibliche gegenüber.

Die staatlichen Fördermaßnahmen scheinen diese Unterschiede eher verstärkt als ausgeglichen zu haben. Der Rückgang der Jugendarbeitslosigkeit gegenüber April 2013 fällt bei Frauen auf jeden Fall deutlicher aus als bei Männern: -5,3% bei Frauen gegenüber -2,5% bei Männern.

Ein weiteres Problem Frankreichs sind seine Übersee-Departements wie etwa die Karibikinsel Martinique. Die dortigen Arbeitslosen werden erst am Ende der offiziellen Berichte ausgewiesen und müssen darum eigentlich zu den bisher genannten 534.000 Jugendlichen hinzugezählt werden. Aber vielleicht lässt man das auch lieber bleiben, denn Martinique z.B. (wo auch mit Euro bezahlt wird) gehört zu den zehn Regionen der EU mit der höchsten Jugendarbeitslosigkeit. Sie beträgt dort über 60%.

Kommentare

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  1. Rudolf Steinmetz sagt:

    Das Denken der Politiker krankt u.a. an dem Wahn, alles mit Geld lösen zu können. Die alten wussten es besser, zum Beispiel der iro-schottische Mönch Magnus von St. Gallen, der die Alemannen im Allgäu missionierte, nachzulesen in der Dissertation des Baptisten-Pfarrers Stefan Vatter (Download als PDF hier: http://gbfe.org/download/akademische-arbeiten/) lassen sich zahlreiche Anregungen für ein lebendiges Klosterleben entnehmen: „Wo die iroschottischen Mönche sich niederließen, fingen sie an, eine kleine Missionszelle zu gründen, um die herum sie eine christliche Kultur von biblischer Unterweisung, Ausbildung, Ackerbau und Viehzucht etc. aufbauten Wo die Alemannen vor der römischen oder fränkischen Missionsmethodik einer Predigtverordnung von oben flohen, wurde hier mitten im Kontext des Lebens ganzheitliche Alltagshilfe geboten und praktiziert.Die Missionszellen der Iren waren so Keimzellen ganzheitlichen Lebens für ihr näheres Umfeld. In diesen Zellen lebte urchristliche Glut. Die Leitung einer Zelle lag in der Hand des ernannten Abtes, der ohne päpstlichen Einfluss oder externe Ordensbestimmungen das Leben und die Ausrichtung der jeweiligen Zelle formte und prägte“, Seite 38.

  2. Alfons sagt:

    Interessant wäre eine Aufschlüsselung der Zahlen nach Religionszugehörigkeit, dann würde schnell klar, dass eine bestimmte Ideologie eine Integration in den Arbeitsmarkt unmöglich macht, da weder der Wille dazu besteht, das Bildungsniveau nicht ausreicht und die Werte der Anhänger dieser Ideologie unvereinbar mit westlichen Vorstellungen sind.

    Durch Reintegration in ihre Heimatländer wäre diesen Menschen wesentlich besser gedient, als hier enorme Summen für ein nutzloses Unterfangen auszugeben.

  3. Hans von Atzigen sagt:

    Menschlich und Gesellschaftlich ein Drama, ein gewaltiges Desaster.
    Das wird absehbar die Gesellschaft tiefgreifend verändern.
    Da wird immer noch im Bereich Finanzen und dergleichen Debattiert.
    Das wirkliche und Fundamentale ist jedoch kaum umfassend erkannt.
    Wir leben längst mit einer gigantischen REALWIRTSCHAFTSKRIESE.
    Die Irre Liquiditätszufuhr ins Finanzsystem vermag das nur noch, und immer
    offensichtlicher nur noch mühsam zu verschleiern.
    Wenn die Finanzblase Platzt geht es sehr tiefgreifend ans Eingemachte.
    Die Irren Dimensionen kann man nur abschätzen.
    Gewiss ist nur eines, die Dimensionen werden alles bis dahin gewesene
    weit in den Schatten stellen. Wir stehen am Vorabend einer umfassenden
    Zeitenwende.
    Tja wer zu spät erkennt und handelt den bestraft die elende Realität.
    Freundliche Grüsse

  4. tobi sagt:

    Verwehrt

  5. Wissender sagt:

    Sieht wirklich grausam aus. Ihr meint sicherlich „verwehrt“