De Maizière warnt Mittelstand vor gefährlichen Cyber-Attacken

Bundesinnenminister Thomas de Maizière kritisiert den mangelnden Schutz der deutschen Mittelständler gegen Cyber-Attacken. Die Attacken hätten dramatisch zugenommen. Nun plant die Bundesregierung staatliche Sicherheitsauflagen.

Als Reaktion auf die Zunahme der Internet-Kriminalität will Bundesinnenminister Thomas de Maiziere rasch strengere Sicherheitsauflagen für Unternehmen auf den Weg bringen.

Einen ersten Entwurf für ein solches Gesetz werde er im Sommer vorlegen, sagte der CDU-Politiker am Dienstag in Berlin. Darin sollten klare Vorgaben für Firmen aus kritischen Branchen wie der Energie- und Wasserversorgung enthalten sein, Cyber-Angriffe zu melden.

Er schloss nicht aus, dass Meldungen auch öffentlich gemacht werden könnten. Widerstand aus der Wirtschaft ist programmiert: Viele Unternehmen befürchten erhebliche Nachteile, wenn Attacken gegen sie in der Öffentlichkeit bekannt werden.

Offen ist noch, für welche Firmen genau die Auflagen gelten sollen. Die Wirtschaft sieht eine solche Melde-Verpflichtung generell skeptisch, sie will allenfalls freiwillige Meldungen akzeptieren. De Maiziere kündigte bei der Tagung des Vereins „Deutschland sicher im Netz“ (DsiN) zugleich Mindeststandards für die Zulassung von IT-Sicherheitstechnologie an.

Laut der offiziellen Kriminalstatistik für 2013, die Reuters in Teilen vorliegt, ist die Zahl der Cyber-Attacken mit gut 64.400 im vergangenen Jahr auf ein neues Rekordniveau geklettert. Das sind 0,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Aufgeklärt werden konnte demnach aber nur jeder vierte Fall. Zur Kriminalität im Netz zählen Sabotage und Spionage ebenso wie andere Delikte, die mit Hilfe des Internets begangen werden.

De Maiziere zufolge wird Datenschutz werde immer mehr zu einem wirtschaftlichen Standortfaktor. Er mahnte daher eine Einigung in der EU auf ein einheitliches Datenschutzrecht für die erste Jahreshälfte 2015 an. Firmen in den USA seien bereit, die europäischen Standards zu akzeptieren.

Zugleich forderte der Minister von Firmen und Verbrauchern mehr Vorsicht beim Schutz gegen Cyber-Attacken. Bei einem erheblichen Teil der Bevölkerung mangele es an Wissen darüber, wie sie sich sicher im Netz bewegen könne. Gerade bei mittelständischen Unternehmen sei das Vertrauen zu groß. Der Geschäftsführer von Microsoft Deutschland, Christian Illek, betonte, dass nur ein Viertel der Unternehmen die Mitarbeiter in IT-Sicherheit schule.

De Maiziere ging nicht auf das umstrittene Ausspähen des Datenverkehrs in Online-Netzwerken wie Facebook und Twitter durch deutsche Nachrichtendienste ein, die der Bundesnachrichtendienst (BND) erheblich ausweiten will (mehr hier).

In der ARD verteidigte er das Vorgehen: „Wenn die gesetzlichen Voraussetzungen vorliegen, warum soll dann nicht ein Dienst auch auf diese Dienste zugreifen dürfen?“

Kommentare

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  1. Harbbauer sagt:

    Der Mittelstand ist doch nicht so doof, wie uns der Märchenonkel erzählen will. Er will nur seinen BND als Volksspion salonfähig machen. Dieser hat weiter nichts vor als zu beobachten, wann es nötig ist als Politiker vor den aufgebrachten Massen der Bevölkerung ins Ausland zu flüchten.

  2. Peter G. sagt:

    Ein Regierungsmitglied in verantwortlicher Position hat nicht vor „Zuständen“ zu warnen sondern diese zu beseitigen. Der Staat ist grundgesetzlich verpflichtet, Eigentum und Sicherheit der Bürger zu gewährleisten. Auch eine Verbraucherschutzministerin Aigner plusterte sich mächtig auf, als ihre persönliche Website gehackt wurde. Passiert ist hinterher – wie zu erwarten – gar nichts.