Regierung beschließt Kürzung der Lebensversicherungen

Die Lage bei den großen Versicherern ist offenbar kritisch: Die Bundesregierung hat am frühen Mittwochmorgen im Schnellverfahren Maßnahmen beschlossen, die einen Crash bei den Lebensversicherungen verhindern sollen. Die Kunden müssen sich auf gravierende Verluste einstellen.

Die nächste Enteignung der Sparer kommt im Schnellverfahren: Nach den Inhabern von Sparbüchern (mehr hier) werden nun die Besitzer von Lebensversicherungen geschröpft. Die Bundesregierung hat ein Maßnahmenpaket zur Sicherung der Ansprüche von Lebensversicherungskunden auf den Gesetzesweg gebracht.

Das Kabinett verabschiedete am Mittwoch nach Angaben von Teilnehmern den Entwurf eines Lebensversicherungs-Reformgesetzes. Es soll verhindern, dass Unternehmen wegen der historisch niedrigen Zinsen für Staatsanleihen in die Pleite rutschen. Denn wegen der zur Entschuldung der Staaten herbeigeführten niedrigen Zinsen können die großen Versicherer ihre Renditezusagen an die Versicherten nicht mehr erfüllen.

Unter anderem ist vorgehen, dass die Aufsichtsbehörde BaFin eine Ausschüttung von Dividenden verbieten kann, bevor alle Kundenzusagen erfüllt sind. Aus diesem Grund soll die BaFin auch die Ausschüttung von Buchgewinnen an ausscheidende Versicherte einschränken können.

Die Versicherer legen ihre milliardenschweren Beitragseinnahmen am Kapitalmarkt an, zum großen Teil in Staatsanleihen. Da diese aber seit der Schuldenkrise in Europa von der EZB für risikolos erklärt wurden und daher keine echten Wertpapiere mehr sind, sondern praktisch wie Monopoly-Geld funktionieren, fällt es den Versicherern immer schwerer, genug Geld einzuspielen, um den Kunden die zugesagten Renditen auf Lebensversicherungspolicen auch zukommen zu lassen.

Für Kunden, deren Verträge enden, können Beschränkungen bei der Ausschüttung von Bewertungsreserven empfindliche finanzielle Folgen haben. Die Reserven entstehen, weil alte Wertpapiere, die höher verzinst sind, in der Niedrigzinsphase vorübergehend an Wert gewinnen.

Diese Buchgewinne müssen die Unternehmen zur Hälfte an ausscheidende Kunden ausschütten. Dies sind etwa 6,6 Millionen im Jahr. Für die Inhaber der übrigen fast 90 Millionen Policen bleibt damit allerdings weniger Geld zur Verfügung. Die Ausschüttungs-Beschränkung soll verhindern, dass es in der Finanz-Industrie zum Crash kommt.

Das trifft jene Kunden, deren Verträge jetzt enden und die von derzeit hohen Bewertungsreserven profitieren würden. Für manche geht es dabei um Tausende Euro.

Es soll den Versicherungsunternehmen praktisch erlaubt werden, ihre Garantieversprechen eben nicht einzuhalten, weil dies aufgrund des Niedrigzinses auch mathematisch nicht möglich wäre. Zudem wird die EZB am Donnerstag ihre lockere Geldpolitik voraussichtlich noch weiter verschärfen und das Problem noch verschlimmern (mehr hier).

Versicherer wie die Allianz oder die Münchener Rück legen ihre milliardenschweren Beitragseinnahmen am Kapitalmarkt an, zum großen Teil in Staatsanleihen. Diese werfen jedoch im Fall Europas wegen der Zins-Entscheidungen der EZB keine attraktive Rendite ab. Oder sie sind, wie in einigen Schwellenländern, zu riskant und dürfen daher nicht erworben werden.

Daher fällt es den Versicherern immer schwerer, mit ihren Investments das Geld einzuspielen, um den Kunden die zugesagten Renditen auf Lebensversicherungspolicen auch zukommen zu lassen. So lag die Durchschnittsrendite von Bundesanleihen 2013 lediglich bei 1,6 Prozent. Genau doppelt so hoch war allerdings der von der Branche im Schnitt zugesagte Zins.

Je mehr Altanleihen auslaufen, die durch weniger attraktivere Papiere ersetzt werden müssen, desto gravierender wird das Problem. Die Bundesbank hat deshalb schon gewarnt, bis 2023 drohe ein Drittel der Versicherer, die Eigenkapital-Hürden zu reißen.

Damit es erst gar nicht so weit kommt und das beliebteste Finanzprodukt der Deutschen keinen Schaden nimmt, setzt die große Koalition auf ein ganzes Bündel von Einzelmaßnahmen. So wird der Garantiezins, den die Unternehmen ihren Kunden maximal für die gesamte Vertragslaufzeit zusagen dürfen, zum Januar 2015 auf 1,25 von 1,75 Prozent abgesenkt. Das macht den Abschluss neuer Lebensversicherungen unattraktiver.

Sind die Garantiezusagen einer Versicherung in Gefahr, erhält die Aufsichtsbehörde BaFin nun weitreichende Eingriffsrechte. So kann sie festlegen, dass zunächst alle Renditezusagen an die Versicherten abgesichert sein müssen, bevor Dividenden an die Aktionäre gezahlt werden dürfen.

Zudem werden die Kunden künftig zu 90 Prozent am sogenannten Risikogewinn ihres Versicherers beteiligt. Bisher durften die Unternehmen ein Viertel dieses Ergebnisanteils ausschütten oder zurücklegen.

Der Risikogewinn entsteht zum Beispiel dadurch, dass Kunden früher sterben als gedacht und dann weniger Rente beziehen. Schließlich dürfen die Unternehmen die Abschlusskosten nur noch zu einem geringeren Teil zulasten der Versicherten bilanzieren.

Damit alle Versicherten ihre Renditen bekommen, müssen künftig im Zweifel auch ausscheidende Kunden zurückstehen. Bisher bekommen Versicherte, deren Verträge enden, die Hälfte der Bewertungsreserven von festverzinslichen Anlagen ausbezahlt.

Mit diesem Kabinettsbeschluss, der vom Bundestag selbstverständlich alternativlos durchgewunken wird, zeigt sich erneut das Schema der Enteignungen: Die Staaten sanieren sich selbst mit billigen Zinsen. Dazu wird das ganze System manipuliert, indem die EZB Staatsanleihen ohne Ansehen der Realität für risikolos erklärt. Gleichzeitig rettet die Regierung die Finanz-Industrie – in diesem Fall die Lebensversicherer.

Die Rechnung zahlen die Sparer: Jeder, der auf die Versprechungen seiner Lebensversicherers vertraut hat und mit den Ausschüttungen kalkuliert hatte, ist nun der Dumme. Denn rechtlich ist die Sache wasserdicht: Der Staat kann mit den ihm zur Verfügung stehenden Zwangsmaßnahmen jederzeit dafür sorgen, dass der Sparer geplündert wird. So steht es im Drehbuch.

Besonders unverfroren: Die Notwendigkeit der Plünderung wird mit „außergewöhnlichen Umständen“ begründet. Diese Umstände sind jedoch mitnichten überraschend oder außergewöhnlich. Sie wurde von den Regierungen und Zentralbanken jedoch gemeinsam bewusst herbeigeführt: Sie haben die Zinsen gegen Null gedrückt, weil sonst die Staaten zusammengebrochen wären.

Das Drehbuch der Enteignung enthält kein großes Theater.

Gegeben wird: Ein Schurkenstück in beliebig vielen Akten.

***

Die Kürzung bei den Lebensversicherungen ist erst der Anfang: DWN-Herausgeber Michael Maier beschreibt in seinem neuen Buch das gesamte Arsenal, das Staaten und Zentralbanken gegen die Sparer einsetzen werden: Vermögensabgaben, Immobilienabgaben, höhere Steuern, niedrige Sozialleistungen. Alle verfügbaren Waffen richten sich gegen die Sparer. Es ist dringend nötig, sich zu schützen.

Michael Maier, Die Plünderung der Welt. Wie die Finanz-Eliten unsere Enteignung planen.

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Kommentare

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  1. gfb sagt:

    Rechtlich müssen Verträge eingehalten werden! So einfach sollte man sich nicht abspeisen lassen und ggf. klagen. Darüber hinaus sollte man sein Geld von der Versicherung holen und in Edelmetalle investieren. Banken, Versicherungen und Staaten sind eigentlich schon pleite. Die Letzten werden ihre Ersparnisse komplett verlieren, wenn sie sich weiterhin auf diese Lügner verlassen.

    • friedel stumpf sagt:

      Bedenke, dass das Eherecht schon zweimal geaendert wurde und auch rueckwirkend auf Altehen angewendet wurde!

    • Volker sagt:

      Sorry, aber unser Gold haben wir schon lange nicht mehr, das haben die Amis. Unter fadenscheinigen Begründungen können die nicht mal mehr dessen Existenz nachweisen (weil es schon längst nach Cina verhökert wurde). Recherchiere und sei verblüfft über diese Info, oder ignoriere sie. Aber klagen dagegen ist legitim gemeint aber bei diesen organisierten Verbrechern lachhaft

  2. Sylvia sagt:

    Da halten die Banditen alle zusammen.Wenn sie gewählt werden, heben sie die Hand und schwören zum Wohle des Volkes.Was machen Sie denn für das Volk, ausser uns abzocken.Da schließt man Lebensversicherungen ab, um im Alter etwas zu haben,aber noch nicht mal das gönnen die einem.Diese Verbrecher werde ich zumindest nicht mehr wählen und derjenige der sie noch wählt, dem soll es noch mehr wie schlecht gehen.

  3. uwe krammer sagt:

    …ein alter Spruch lautet:…wenn dein Pferd tot ist, steige ab…

    aber das Pferd namens Bundesregierung lebt noch und ist feist und fett, läuft nur in die falsche Richtung……
    Vorschlag:..erschiesse das Pferd und finde ein Neues, oder schlag´dich alleine durch……lach

  4. Roswitha Koch sagt:

    Tja die Deutschen sind so verblödet das sie ihre Schlächter selbst wählen.Was anderes fällt mir dazu nicht mehr ein.Und auch jetzt werden sie nicht auf die Strasse gehen, es ist ja gemütlicher auf dem Sofa zu sitzen und sich vom fernsehen noch den letzten Grips absaugen zu lassen.

  5. Siegfried Dorn sagt:

    Tzja, was soll das geheule. Das war wenn man nicht nur TV glotzt völlig klar das die Sparer und Versicherungskunden zur Ader gelassen werden. Ich kann nur sagen : Danke ihr rotzblöden Wahlschafe

  6. Bernhard sagt:

    Nieder mit der SPD und CDU!

  7. kmub sagt:

    Ich bin schockiert, was haben wir hier gewählt. Viele Selbstständige, wie ich, haben vor vielen Jahren auf eine Altersvorsoge mit Hilfe von Lebensversicherungen gesetzt (Volmundige Werbung gerade der Markführer).

    Diese Wähler werden nun ggf. in den Harz IV- Status katapuliert, weil die komplette Rentenplanung entgleist und sie haben keine Möglichkeiten mehr dies zu verhinden.

    Wir Deutsche retten ganz Europa und lassen die Menschen – die als Wähler misbraucht werden – im Stich.

    Die Mitglieder des Bundestages treffen solche Entscheidungen auf Grund ihres eigenen üppigen „Versorgungswerks“ in den seltesten Fällen.

    • Testophant sagt:

      Das ist dann wohl „selbstständige“ Lebenslüge !

      Ich nehme an, Du bist sicher auch wählen gegangen, oder ?

  8. www.weltundzeit.de sagt:

    Ich bin nicht wirklich wütend, denn: diejenigen, die Kapitallebensversicherungen abschliessen, dürften in besonders hohem Mass auch diejenigen sein, die die derzeitigen Politiker gewählt haben. Es ist sozusagen der Enkeltrick für Fortgeschrittene.

    • Edwin Dornisch sagt:

      Ja Hallo! Es gibt ja tatsächlich noch ein paar Aufrechte, ein paar Menschen die die Vollpfosten von Bundestag, DFB und sonstige Volksverblöder wie Maischberger, Plasberg, Will und Co. entlarvt und erkannt haben! Es gibt also doch noch Hoffnung??
      Zu Finanzen und Wohlstand: Es gibt nur Wohlstand durch Beteiligung an der Wirtschaft, durch Investitionen und diese am Besten in deutsche Zukunftsfirmen (so macht es auch der amerikanische Supermilliardär Warren Buffet – er kauft jährlich für viele Milliarden deutsche Firmen oder Anteile davon)!
      Ich habe meine Konzequenzen gezogen: Ich bin seit vier Jahren Venture Plus Fond Investor (www.venture-plus.de) und werde in diesem und in vielen Folgejahren höhere zweistellige Ausschüttungen erhalten und das für viele Folgejahre! Und das auch noch zu 40% steuerfrei !! Mir kann keiner mehr Geld abnehmen, ich bin in Firmenanteilen (Sachwerte) investiert – wie die Reichen und Reichsten der Welt – wenn noch irgend etwas sicher ist und Ertrag bringt, dann dies! Es ist eben die Anlageklasse derer, die nie Geld verlieren könen und seit Jahrhunderten oben schwimmen! Vergleiche auch die Ausgabe der Zeit vom 28.5.14, da sind zwei hervorragende Artikel zu genau diesem Thema und im Herbst kommt im Beck Verlag das Buch von Starökonom Dr. Thomas Piketty, ein Franzose – Die Wahrheit über Arm und Reich – sehr empfehlenswert!

      • LLP sagt:

        Ich denke mal, wenn Merkel mit diesem Land fertig ist, wird es keine nennenswerte, eigene Wirtschaft mehr geben! Man versucht jetzt mit allen Mittlen TTIP/TISA durchzudrücken, danach wird nichts mehr so sein, wie es mal war. Es wird dann ausschließlich internationale Großkonzerne geben! Ich denke, wir brauchen unsda, mit so einem lethargischen Volk, keine großen Hoffnungen mehr auf Verbesserungen zu machen. Tut mir wirklich leid, dass ich so schwarz sehen muss aber die Vergangenheit hat mir gezeigt, dass der Mensch nicht lernfähig ist oder zumindest nicht willig ist, dazu zu lernen!