EZB flutet Finanzmärkte mit neuer „dicken Bertha“

EZB-Chef Mario Draghi hat eine Neuauflage der „dicken Bertha“ angekündigt. Die Banken sollen langfristige Billigkredite im Umfang von 400 Milliarden Euro erhalten. Dieses Mittel setzte die EZB bereits in den Jahren 2011 und 2012 ein. Es rettete die Staaten und Banken, führte jedoch nicht zu neuen Krediten für die Realwirtschaft.

Die Europäische Zentralbank (EZB) will mit neuen milliardenschweren Geldspritzen die stockende Kreditvergabe in den Krisenländern Südeuropas beleben.

Die Zentralbank wolle im September und Dezember zwei rund vier Jahre laufende Kreditlinien für die Banken auflegen, sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt.

Die unter dem Kürzel TLTRO (Targeted long-term refinancing operations) firmierenden Geldspritzen sollen zielgerichtet in die Realwirtschaft fließen – allerdings nicht zur Finanzierung von Häuserkäufen. Das Anfangsvolumen bezifferte Draghi auf insgesamt 400 Milliarden Euro.

Die Banken haben dann nach jeweils zwei Jahren die Möglichkeit, die Kredite vorzeitig zurückzuzahlen. Die EZB hatte auf dem Höhepunkt der Krise 2011/12 bereits mit zwei jeweils gut 500 Milliarden Euro schweren Liquiditätsspritzen das Finanzsystem geflutet.

Damals hatten die Banken einen Gutteil des Geldes aber in als sicher angesehene Staatsanleihen investiert – was zwar die Staaten und die Banken stützte, aber zu keinen neuen Krediten führte. Dies soll bei dem neuen Programm anders laufen: Draghi kündigte an, dass das Geld nicht zum Ankauf von Staatsanleihen verwendet werden soll.

Die Strategie der EZB ist nicht neu: Versuche der Bank von England, die Finanzinstitute durch größere Geldspritzen zu einer stärkeren Kreditvergabe anzuregen, waren in der Vergangenheit allerdings nicht wirklich erfolgreich und weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Das Funding-for-Lending-Programm der britischen Zentralbank hat stattdessen nach Ansicht von Experten zu einer Spekulationsblase am Immobilienmarkt des Landes geführt.

Die „dicke Bertha“ ist nur einer der Schritte, den die EZB am Donnerstag ankündigte. Hinzu kommen erneute Zinssenkungen, darunter ein Strafzins für Banken (mehr hier) und das Ende der Sterilisierung ihrer Staatsanleihen-Käufe aus den Jahren 2010 bis 2012 (mehr hier).

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