Extreme Maßnahmen der EZB schaden der Realwirtschaft

Die Analysten der HSH Nordbank kritisieren die Zinssenkung und die erneute massive Geldschwemme durch die EZB. Sie erwarten in der Folge Assetpreisblasen, niedrige Löhne und einen Rückgang bei Investitionen und Kreditvergabe. Doch EZB-Chef Draghi denkt bereits über weitere Schritte nach.

Mario Draghis außergewöhnliche Maßnahmen stoßen bei den Märkten auf überraschend einhellige Ablehnung. Der Markt ist offenbar näher an der Realität als die Technokraten von der EZB.

Bereits unmittelbar nach der Bekanntgabe der massiven Geldschwemme durch die EZB zeigten sich die Analysten irritiert: Es müsse schon sehr schlimm um die Eurozone stehen, wenn Mario Draghi zu derart drastischen Mitteln greift: extreme Zinssenkung (hier), Ende der Sterilisierung der EZB-Anleihekäufe (hier) und eine erneute dicke Bertha (hier).

Auch die Analysten der HSH Nordbank kommen zu einem für Draghi nicht besonders günstigen Urteil. Unter dem Titel „Der deflationäre Effekt einer ultra-aggressiven Geldpolitik“ kommt Cyrus de la Rubia zu einem ernüchternden Schluss: Die Politik Draghis bewirke exakt das Gegenteil dessen, was die EZB als Gründe ihrer Politik anführt:

„Es scheint zu einem Transmissionsmechanismus zu kommen, der in keinem Lehrbuch nachzulesen ist: Je aggressiver und je länger die Geldpolitik eine Lockerungspolitik durchführt, desto mehr befürchten die Investoren Instabilitäten durch die sich aufbauenden Assetpreisblasen.“

„Das Ergebnis sind Unternehmer und Manager, die aus Angst vor zukünftigen Finanzmarktturbulenzen sparen, nur vorsichtige Lohnerhöhungen zulassen und Investitionspläne zurückstellen.“

„Banken wiederum stoßen auf eine geringere Kreditnachfrage, halten sich ihrerseits aber auch mit der Kreditvergabe zurück, um ihr Eigenkapital für den Fall einer neuen Finanzkrise zu schonen. In diesem Umfeld können auch Konsumenten nicht befreit aufschlagen, trotz höher bewerteter Vermögenswerte. Es ergeben sich deflationäre Effekte.“

De la Rubia ist der Auffassung, dass die einzige Chance, aus der Krise zu kommen, darin besteht, sie Zinsen maßvoll zu erhöhen:

„Die Schlussfolgerung daraus ist offensichtlich, die Liquiditätszufuhr in die Finanzmärkte abzubauen bzw. zu stoppen. Fed-Mitglied Richard Fisher hat dies plastisch ausgedrückt: Graben ist das falsche Rezept, wenn man in eine Grube gefallen ist.“

Mario Draghi sieht das ganz anders: Für ihn ist die erneute Geldschwemme nur ein Zwischenschritt. Dirk Schumacher von Goldman Sachs vertritt in seiner Analyse die Auffassung, dass die EZB nicht mehr den Staaten Zeit kauft, um Reformen durchzuführen. So hatte Draghi noch vor zwei Jahren argumentiert. Nun, so Schumacher, „kauft sich die EZB selbst Zeit“.

Der Goldman-Analyst erwartet als nächstes den Einsatz von Asset Backed Securities (ABS). Eine volles QE nach dem Vorbild der Federal Reserve bleibt der EZB aus rechtlichen Gründen vorerst verwehrt – sie darf per Gesetz derzeit keine Staaten finanzieren. Um dieses Gesetz zu ändern, braucht Draghi eine Periode, in der in Deutschland nicht gewählt wird.

Draghi selbst sagte am Donnerstag, er sei bei Bedarf bereit, zusätzlich weitere Maßnahmen zu ergreifen: „Sind wir fertig? Die Antwort ist: Nein. Wir sind hier noch nicht fertig. Im Notfall sind wir – im Rahmen unseres Mandats – hier nicht fertig.“

Es ist kein Zufall, dass die Ankündigung der EZB-Bazooka unmittelbar nach der EU-Wahl erfolgt ist. Sie ist eine Aufforderung an Angela Merkel, ihren Widerstand aufzugeben und den Weg freizumachen für eine umfassende Vergemeinschaftung der Staatsschulden in Europa.

Kommentare

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  1. Miesmacher sagt:

    Der Wirtschaftskrieg ist der Vorspann zum Schießkrieg! Die internationale Hochfinanz erreicht immer mit der bewährten Methode ihr Ziel. Destabilisierung der Weltwirtschaft , um Chaos auszulösen, einen „Aggressor“, der „zuerst schießt“ – und wir haben den Dritten Weltkrieg!

  2. Rudolf Steinmetz sagt:

    Cui bono? Heinrich Heine: „Das Geld ist der Gott unserer Zeit und Rothschild ist sein Prophet.“ [Sonstige, Lutetia. Erster Teil. Aus: Werke und Briefe in zehn Bänden. hg. von Hans Kaufmann, 2. Auflage, Berlin und Weimar: Aufbau, 1972. Band 6, S. 378] ADRESSE? City of London.

  3. Swen sagt:

    HSH Nordbank ???

    Waren das nicht die Jungs, die die Schrottpapiere in Massen gekauft haben ???
    Mussten die nicht mit Steuergeldern gerettet werden ???
    Stand der Vorstand nicht vor kurzem noch vor Gericht ???

    Und die trauen sich jetzt, ihr Mauf aufzureißen ???

    Unglaublich !!!

  4. Alaska sagt:

    „Es müsse schon sehr schlimm um die Eurozone stehen….“
    Das stimmt so nicht ganz. Dies ist die Bankrotterklaerung der EZB und des EURO.
    Als naechstes steht die Vergemeinschaftung der Staatsschulden in Europa
    auf dem Programm. Merknix wird, da in naechster Zeit keine Wahlen anstehen,
    dem zustimmen. Was das fuer den einzelnen bedeutet, darueber wurde an dieser Stelle schon
    ausfuehrlich berichtet. Keiner der Leute, die diese geistigen Nichtschwimmer von Politikern
    gewaehlt haben, darf sich dann beschweren.

    Volle Kraft voraus – ins Eisfeld.

    In diesem Sinne trotzdem noch einen schoenen Tag