AfD-Chef Lucke verteidigt Senkung des Leitzinses

Bernd Lucke nimmt die EZB gegen Kritik in Schutz. Vor dem Hintergrund einer drohenden Deflation sei die Senkung des Leitzinses auf 0,15 Prozent richtig, so der Chef der Alternative für Deutschland. Kritik äußerte Lucke jedoch an dem Strafzins für Banken. Dieser drohe die Kreditvergabe zu belasten.

Die Alternative für Deutschland (AfD) begrüßt die jüngste Leitzins-Senkung der EZB. Gleichzeitig warf AfD-Chef Bernd Lucke am Freitag jedoch der Notenbank vor, mit ihren geldpolitischen Maßnahmen zu versuchen, entgegen ihrem Auftrag die Konjunktur in den europäischen Krisenstaaten anzukurbeln.

„Ich sehe das Deflationsrisiko in der Euro-Zone“, sagte Lucke Reuters. „Das ist ein ernstes Problem, und daher halte ich es für richtig, dass man den Leitzinssatz auf 0,15 Prozent gesenkt hat.“

Kritik äußerte der Volkswirtschaftler an der Entscheidung, erstmals einen Strafzins von minus 0,1 Prozent für Banken einzuführen, die lieber ihr Geld bei der EZB parken, als es an Unternehmen und Haushalte in Form von Krediten weiterzugeben.

„Ich glaube nicht, dass das eine kluge Entscheidung ist, weil ich fürchte, dass die Banken die Kosten, die sie dadurch haben, eher durch Zinsaufschläge bei ihren Kreditnehmern wieder refinanzieren.“ Es sei möglich, dass das eher eine zinssteigernde Wirkung als eine belebende Wirkung auf dem Markt für Unternehmenskredite haben werde.

„Mit dem negativen Zinssatz versucht die EZB strukturelle Mängel, die wir in der Eurozone haben – in Bezug auf das Funktionieren des Interbankenmarktes beispielsweise oder auch in Bezug auf die Wirtschaftsflaute in Südeuropa – durch geldpolitische Mittel zu kompensieren“, sagte Lucke.

Damit überdehne die EZB ihr Mandat und überschätze ihre Möglichkeiten. „Die wahren Ursachen liegen nicht in der Transmission der Geldpolitik sondern in der gemeinsamen Währung“, sagte Lucke.

Die EZB hatte am Donnerstag zu drastischen Mitteln gegriffen: extreme Zinssenkungen (hier), Ende der Sterilisierung der EZB-Anleihekäufe (hier) und eine erneute „dicke Bertha“ (hier).

Kommentare

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  1. spatz sagt:

    Die revolutionäre AFD singt jetzt im Chor der Anpasser.
    Wie das letzte Beispiel des Wählerbetrugs endete hat man ja
    an der inzwischen toten FDP gesehen.
    ich schätz dass die leute die in der AFD etwas bewegen wollten
    von den Systemappatschiks wie Lucke kaltgestellt werden
    und die Partei wie der übliche Blockverein an den Interessen der Bevölkerung
    vorbei dem üblichen Grossmacht und Grosskonzern mainstream
    hinterherlaufen wird.
    Da springt auch am meisten für die Protagonisten raus.
    Charackterbildung findet heute offenbar nicht mehr statt.
    Die zweckintelligenten über alles Idioten treten jedes aufkeimende
    Pflänzchen Gesellschaftlicher Innovation sofort tot aus lauter
    Angst davor wegen der eigenen eingleisigen Dummheit und Fantasielosigkeit
    überflüssig zu werden.
    Was über alles herrscht ist eine trostlose und ignorante Form des agressiven Narzißmus.

  2. Frank Bell sagt:

    Warum ist Lucke dafür und Frau von Storch dagegen? Beide sind für die AfD ins Europarlament eingezogen.

    Will man die Wähler jetzt endgültig verar.schen???

  3. wolfgang sagt:

    Die Frage ist, ob es sich überhaupt um eine Deflation handelt. 40 % der Kosten waren in der Vergangenheit Zinskosten. Wenn mit dem Auslaufen langfristiger Finanzierungen die Zinskosten der Unternehmen immer weiter fallen, dann ist es ihnen auch möglich geringere Preise zu nehmen. Nennt man das jetzt Deflation?

  4. Markus sagt:

    natürlich weiß die AfD das….wenn die künstliche Quersubventionierung durch uns aufhört… werden die südlichen Länder aussteigen wollen/müssen!