Finanzkrise bremst Verkehrsaufkommen in Deutschland

Die Bahn wird beim Güter- und Personenverkehr bist 2030 etwa 20 Prozent zulegen. Automobile und Motorräder nur um 10 Prozent. Die Finanz- und Schuldenkrise hat dazu geführt, dass der Verkehr in Deutschland nicht so stark wachsen wird wie zunächst angenommen. Die Einführung einer PKW-Maut habe das allerdings keine Auswirkungen, so Verkehrsminister Dobrindt.

Der Verkehr auf Straßen, Schienen und Wasserwegen in Deutschland wird voraussichtlich langsamer wachsen als zuletzt vorhergesagt. Der bisher für 2025 erwartete Boom zeichnet sich nun nicht einmal bis 2030 ab, wie die am Mittwoch veröffentlichte Prognose des Bundes zeigt. Sowohl Güter- als auch Passagierzahlen liegen danach um bis zu zehn Prozent unter den Erwartungen von 2025, die aus der Vorgänger-Studie stammen. Hauptgrund ist der Einbruch durch die Wirtschafts- und Finanzkrise ab 2008, deren Auswirkungen sich beim Transport von Gütern und Menschen stark bemerkbar gemacht hat.

Die Prognose dient als Grundlage für den neuen Verkehrswegeplan, der gerade erarbeitet wird und der die dringlichsten Projekte ausweisen soll. Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) machte allerdings deutlich, dass auch bei einem schwächeren Wachstum die Verkehrswege nach wie vor unterfinanziert seien und neue Finanzquellen wie eine erweiterte Lkw-Maut und die Pkw-Maut erschlossen werden müssten (mehr zum Thema Maut – hier).

In der Studie wird weiter vorhergesagt, dass erstmals sowohl bei Passagieren wie bei Gütern die Eisenbahn der Straße Marktanteile abnehmen kann, Verkehr also von der Straße auf die Schiene verlagert wird. Demnach wird die Bahn bei den Passagieren bis 2030 im Vergleich zu 2010 um fast 20 Prozent zulegen, während Auto und Motorräder nur ein Plus von zehn Prozent verzeichnen werden.

Der Güterverkehr wächst bei der Bahn um 43 Prozent während der Lkw-Verkehr ein Plus von 39 Prozent bei der Verkehrsleistung erreicht (hier). Die Verkehrsleistung bemisst die Zahl der Passagiere und die Menge der Güter kombiniert mit der zurückgelegten Strecke.

Der stärkste Zuwachs bei den Passagieren wird aber dem Luftverkehr mit plus 65 Prozent vorausgesagt, der von der Tendenz zu immer mehr Fernreisen profitiert. Da auch immer größere Flugzeuge eingesetzt werden, müsse dies nicht zwangsläufig die Leistungsfähigkeit der Flughäfen sprengen, sagte Dobrindt.

Dass es angesichts der demografischen Entwicklung überhaupt einen Zuwachs im Personenverkehr geben wird, führte Dobrindt vor allem auf die gewachsene Mobilität älterer Menschen zurück. Zudem verteilten sich die Verkehrsströme in Deutschland sehr unterschiedlich: Hauptwachstum werde im Norden und Süden sowie um die Metropole Berlin herum stattfinden. Dagegen zeichne sich in weiten Gebieten Ostdeutschlands sogar ein Rückgang des Verkehrs sowohl bei Menschen als auch bei der Fracht ab.

Positiv wertete Dobrindt, dass nach der neuen Studie bis 2030 der Treibhausgas-Ausstoß des Verkehrssektors um 26 Prozent im Vergleich zu 2010 zurückgehen werde. Zuletzt war nur ein Minus von neun Prozent bis 2025 (Basis 2004) vorhergesagt worden. Dobrindt führte dies auf die Entwicklung hin zu effizienteren Motoren zurück. Der Verkehr ist nach den Kraftwerken und dem Wohnungssektor der Bereich mit den größten CO2-Emissionen in Deutschland.

 

Kommentare

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  1. Harbbauer sagt:

    Träumerei, diesmal von Dobrindt. Ende der 90er Jahre wurde eine ähnliche Milchmädchenrechnung gemacht: Fracht von der Strasse auf die Schiene…Ein Mitarbeiter der Bahn Cargo sagte mir damals, dass der Umsatz bei Cargo mächtig gestiegen ist. Allerdings wurde seinerzeit die Fracht von der Bahn wieder an den Güterverkehr weitergegeben und profitierte von den Dumpingpreisen. Tausende schienengebundene Waggons wurden aus dem Verkehr gezogen. Es lässt sich eben alles schönrechnen, gell Herr Dobrindt.

  2. hugin sagt:

    EINFACHES WIRTSCHAFTS-BAROMETER
    Um die Polit-Lügen über Wirtschafts-Wachstum zu überprüfen, müssen nur die Einnahmen der Lkw-Maut beobachtet werden. Boomende Wirtschaft,mehr Verkehr höhere Mauteinnahmen. Lahmende Wirtschaft, weniger LKW-Maut – so einfach geht das.

  3. knusper sagt:

    welche finazkrise? Die ist doch erfolgreich vorbei gemacht worden…oder? :-))