Airbus: Keine Kurzarbeit nach Emirates-Stornierung

Die Stornierung des Großauftrages von Emirates wird keine Auswirkungen auf die Produktion bei Airbus haben. Kurzarbeit oder Stellenabbau sind nicht geplant. Emirates hatte die Bestellung von 70 Jets vom Typ A350 storniert. Dessen Auslieferung sollte jedoch erst 2019 stattfinden. Die Produktion für die Maschinen wäre erst in einigen Jahren angelaufen.

Die Stornierung von 70 Langstreckenmaschinen vom Typ A350 hat nach den Worten von Airbus -Chef Fabrice Bregier „keinerlei negative Auswirkungen“. Die Abbestellung sei für das Unternehmen kein Problem, sagte der Manager am Mittwoch vor Journalisten. Maßnahmen wie Kurzarbeit oder Stellenabbau werde es nicht geben, so Airbus-Pressesprecherin Nina Ohlerich den Deutschen Mittelstands Nachrichten

Hintergrund: Der Airbus A350 befindet sich derzeit in der Endphase der Zertifizierung. Danach würde die industrielle Produktion erst langsam hochgefahren. Das erste Modell soll zum Ende des laufenden Jahres ausgeliefert werden. Für die gescheiterte Lieferung der Maschinen an Emirates hätte die Produktion frühestens in ein paar Jahren beginnen sollen, sagte Ohlerich den Deutschen Mittelstands Nachrichten: „Wenn die industrielle Produktion läuft, können bis zu zehn Maschinen pro Monat produziert werden“. Deswegen gebe es jetzt keine negativen Folgen durch die Emirates-Stornierung.

Doch Experten bleiben skeptisch. „Emirates war einer der ersten Kunden, die sich für das neue Modell interessiert hatten, blieb aber immer ziemlich kritisch, was Spezifikationen des Fliegers angeht“, sagte Analyst Andy Chambers von Cantor Fitzgerald. Sein Kollege Markus Turnwald rechnete vor, dass Airbus im laufenden Jahr netto auf lediglich 133 Bestellungen des A350 komme. „Das ist klar eine negative Überraschung.“ Airbus scheine Marktanteile gegenüber Boeing zu verlieren. Von dessen Dreamliner 787 seien bis dato mehr als 1000 bestellt worden. Allerdings: „Der Emirates-Auftrag könnte mit nennenswerten Rabatten verbunden gewesen sein. Das könnte nun mittelfristig gut für die Rendite sein“, sagte Turnwald. Derartige Signale gab auch Airbus-Vertriebschef John Leahy: „Kommerziell ist die Absage nicht gut, aber finanziell ist das keine schlechte Nachricht.“

Die arabische Fluggesellschaft Emirates hatte einen Auftrag mit einem Volumen von 16 Milliarden Dollar nach Listenpreisen storniert. Das schnellwachsende Unternehmen dringt schon länger auf spritsparende Turbinen für den Superjumbo A380, mit dem deutlich mehr Passagiere als mit dem A350 befördert werden können. „Emirates hat bereits 50 Exemplare vom Typ A380 nachbestellt“, so Ohlerich.

Die Airbus-Aktie sackte in Paris nach der Abbestellung zweitweise um rund vier Prozent ab. Der Konzern versuchte die Anleger umgehend zu beruhigen: Ein halbes Jahr vor dem geplanten Auslieferungsbeginn stünden weiter 742 verbindliche Bestellungen im Auftragsbuch. Airbus komme gut mit den finalen Entwicklungen voran und sei auf dem Weg zur Zulassung in den kommenden Monaten. Das Interesse der Kundschaft an dem Konkurrenzmodell zum Dreamliner von Boeing bleibe hoch, weitere Aufträge würden erwartet. Das erste Serienmodell soll Qatar Airways Ende des Jahres bekommen.

Das Geschäft mit Passagier-Flugzeugen ist die Stütze des Airbus-Konzerns, der sich zunehmend weniger auf seine Rüstungssparte verlassen kann. Für die keimt nun allerdings neue Hoffnung in Japan auf. Zusammen mit Kawasaki Heavy Industries wolle Airbus an einer Ausschreibung für einen neuen Militärhubschrauber teilnehmen, sagten mehrere Insider. Der Auftrag könnte ein Volumen von zwei Milliarden Dollar haben. Kawasaki hatte 2012 den Zuschlag für den Transporthubschrauber UH-X erhalten. 2013 wurde der Auftrag aber wieder entzogen. Zwei Offiziere der Streitkräfte hatten zugegeben, Informationen über das Ausschreibungsverfahren weitergegeben und der Firma so einen Vorteil verschafft zu haben.

Airbus drängt auf eine Erleichterung bei Rüstungs-Exporten. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat dem jedoch einen Riegel vorgeschoben: Rüstungsgeschäfte seien Sicherheitspolitik und keine Wirtschaftspolitik (mehr hier).

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