Schweizer Vollgeld-Initiative will neues Geld-System schaffen

Eine Schweizer Initiative will der unbeschränkten Schöpfung von elektronischem Geld ein Ende setzen. Künftig sollen nur noch Zentralbanken Geld schaffen dürfen. Die Geschäftsbanken wären dann dazu verpflichtet, bei jeder Kreditvergabe 100 Prozent Reserve zu halten. Dadurch sollen künftige Finanzblasen verhindert werden.

Die Vollgeld-Initiative hat es sich zum Ziel gesetzt, die Macht der Banken zu brechen. Sie strebt eine Volksabstimmung zur Geldordnung an. Zukünftig soll es nur noch der Schweizer Zentralbank gestattet sein, Geld zu schöpfen. Geschäftsbanken dürfen dann nur noch Kredite vergeben, wenn diese durch entsprechende Reserven bei der Zentralbank hinterlegt sind. So soll die unkontrollierte Ausdehnung der Geldmenge beendet und das Risiko zukünftiger Finanzblasen verringert werden.

Vollgeld bezeichnet dabei „unbeschränkt gültiges und bestandssicheres Geld – im Unterschied zum Giralgeld der Banken, den Guthaben auf den Girokonten“, wie der Wirtschaftsprofessor Joseph Huber auf seiner Webseite erklärt. Immer wenn eine Geschäftsbank einen Kredit vergibt oder Wertpapiere und Immobilien erwirbt, wird dabei hingegen Giralgeld (oder: Buchgeld) geschaffen. Dieses ist jedoch nur zu 3 bis 6 Prozent mit Zentralbankgeld gedeckt. Vollgeld (oder: Zentralbankgeld) wird dagegen in der Regel von einer staatlichen Notenbank herausgegeben.

„Vollgeld existiert heute als Bargeld (Münzen und Banknoten) und vor allem als Buchgeld der Zentralbank (sog. Reserven). Solche Reserven befinden sich jedoch ausschließlich auf Konten der Banken bei der Zentralbank, nicht auf Kunden-Girokonten bei den Banken“, so Huber weiter.

Juristisch gesehen ist Giralgeld kein gesetzliches Zahlungsmittel, sondern nur der Anspruch auf Bargeld. Nur Bargeld ist aber gesetzliches Zahlungsmittel, wie die Bundesbank erklärt:

„Im Euroraum ist Euro-Bargeld gesetzliches Zahlungsmittel. Nur die Zentralbanken des Eurosystems dürfen es in Umlauf bringen. In Deutschland sind auf Euro laufende Banknoten das einzige unbeschränkte Zahlungsmittel. Euro-Münzen sind beschränkte gesetzliche Zahlungsmittel, da niemand verpflichtet ist, mehr als 50 Münzen oder Münzen im Wert von über 200 Euro anzunehmen. Deutsche Euro-Gedenkmünzen sind im Inland gesetzliches Zahlungsmittel.”

Auf die Problematik der Geldschöpfung aus dem Nichts hat auch schon der Kreditopferverein in Österreich aufmerksam gemacht. Der Verein verklagt Banken, da ihrer Ansicht nach die Kreditvergabe auf Betrug beruht. Die Schweizer Initiative versucht hingegen durch eine Gesetzesänderung auf die Geldordnung Einfluss zu nehmen.

„Die Vollgeld-Initiative will erreichen, dass nur die Nationalbank Geld herstellt, so wie es die Bundesverfassung eigentlich vorsieht. Vor über hundert Jahren verbot das Stimmvolk den Banken, Papiergeld zu drucken, weil die Gelderzeugung der Obhut des Bundes entglitten war und die Geldmenge aus dem Ruder lief. Aus denselben Gründen muss heute der praktisch unbegrenzten Herstellung von elektronischem Geld durch die Banken ein Ende gesetzt werden“, so die Initiatoren auf ihrer Webseite.

Darüber hinaus weist die Initiative auf die Vorteile des Vollgeldes hin. Finanzblasen und Inflation würden verhindert und die Geldschöpfung käme wieder den Bürgerinnen und Bürger zugute und der Schweizer Franken würde zum sichersten Geld der Welt.

Auf den Weg gebracht wurde die Initiative durch den Verein „Monetäre Modernisierung“, wie die Berner Zeitung berichtet. Zum wissenschaftlichen Beirat des Vereins zählen unter anderen Hans Christoph Binswanger, emeritierter Professor für Volkswirtschaft in St. Gallen, sowie der emeritierte Staatsrechtsprofessor Philippe Mastronardi und den emeritierte Professor für Wissenschaftsethik Peter Ulrich.

Die heutige Geldordnung ist aus den Fugen geraten, weil die Zentralbanken die Kontrolle über die Geldmenge verloren haben“, wird Binswanger in der Kontext Wochenzeitung zitiert. Seiner Ansicht nach sollte die Geldmenge eines Landes analog zur Wirtschaft wachsen. Dies ist jedoch längst nicht mehr der Fall. In Deutschland ist die Wirtschaftsleistung zwischen 1993 und 2008 um rund 25 Prozent gewachsen, die Geldmenge M1 jedoch um 190 Prozent. Auch in der Schweiz wurde die Geldmenge in den letzten fünf Jahren um 270 Milliarden Franken auf nun mehr 550 Milliarden Franken aufgebläht.

Um eine Volksabstimmung zu erzwingen, muss die Initiative zunächst 100.000 Unterschriften sammeln. Dafür verbleiben den Antragstellern 18 Monate Zeit. Die entsprechende Kampagne startete Anfang Juni und bis jetzt haben 68.000 Bürger ihre Unterschriften zugesagt. Für den Ausgang einer möglichen Volksabstimmung sind Initiatoren zuversichtlich:

„Die Schweiz hat als einzige Nation die Möglichkeit, mittels direkter Demokratie eine gerechtere Geldordnung einzuführen.”

Kommentare

Dieser Artikel hat 7 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  1. Horst Nast sagt:

    Das ist ein höchst interessantes Experiment, dass die Schweizer Initiative erzwingen will. Ich werde es sehr aufmerksam beobachten. Alles was die deutsche Regierung bisher zur Zügelung der Banken unternommen hat, ist nur Tünche, um der Bevölkerung die Augen zu verkleistern. Ich bin kein Ökonom sondern Ingenieur aber mir scheint, dass die Initiative die Hand an das Krebsgeschwür des Finanzwesens legt, um es zu beseitigen. Ich wünsche ihr den größtmöglichen Erfolg. Man muss das Fundament sanieren, wenn sich im Gebäude Risse zeigen und nicht versuchen, mit Spachtelmasse die immer größer werdenden Risse in den Wänden zu verdecken, wie es meine Regierung versucht. Dass der Bankensektor unisono einen Klagelied über den Zusammenbruch der Weltwirtschaft anstimmen wird, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Die Zocker-Branche sieht ihre Dollargewinne den Main, die Themse oder den Hudson hinunterschwimmen – gut so. Viel Erfolg und einen langen Atem ! H. N.

    • Buchhalter sagt:

      Wenn Sie kein Ökonom sind, dann müssen Sie sich nur die eine Überlegung machen und Ihren gesunden Menschenverstand einschalten:
      Die Initiative verlangt: „Sie bringt im Rahmen ihres gesetzlichen Auftrages neu geschaffenes Geld SCHULDFREI in Umlauf…“
      Es ist und bleibt ein ungelöstes Rätsel, wie es angeblich Zettelgeld geben kann ohne Schulden: Ein Guthaben des Einen setzt nach logischen Gesichtspunkten und gesundem Menschenverstand immer eine Schuld eines Anderen voraus! Alles andere ist Zauberei oder Hirnwäsche erster Güte!
      Schon daran sieht man, dass dieses „Geld“ wertlos ist! Auch sieht man sehr schön, wie abgehoben von der Realität gewisse Menschen in ihren Theorien und Ideologien mittlerweile sind.

  2. Buchhalter sagt:

    Leider geistert immer das Schlagwort „Geldschöpfung aus dem Nichts“ herum. In Tat und Wahrheit schöpft die Geschäftsbank kein Geld aus dem Nichts, sondern sie mobilisiert langfristig gebundenes Kapital.
    Was die Initianten nicht sehen (wollen) ist, dass Geld ein Zahlungsversprechen einer Bank ist! Wer glaubt, dass die Bank aus dem Nichts ein Zahlungsversprechen, also einen Schuldschein abgibt, der glaubt ganz bestimmt auch an den Osterhasen, der Eier legt und sie danach anpinselt!
    Geld ist ein Schuldschein einer Bank. Nichts mehr und nichts weniger!
    Buchgeld ist auf der Passivseite der Bank zu finden, d.h., dass Buchgeld eine Schuld der Bank ist, oder, von der anderen Seite aus gesehen, ein Kredit des Inhabers dieses Kontos an die Bank. Ein Sparkonto ist auch ein Kredit an die Bank – der Sparer gibt der Bank einen Kredit. Und genau dort wo das Sparkonto steht, steht auch das Buchgeld, denn ein Sparkonto ist nichts anderes als Buchgeld! Wenn die Initianten so dumm sind zu glauben, dass die Bank einen Schuldschein auf sich zieht ohne eine Gegenleistung (aus dem Nichts), meint, die Banken seien so dumm wie er! Nur hat er das Gefühl, er sei klug.
    Die sollten wirklich einmal einen Einführungskurs in Buchhaltung besuchen.
    Ohne Sicherheit läuft nämlich überhaupt nichts. Zudem verstehen die Initianten nicht, was Geld überhaupt ist. Die gehen immer von sich aus und meinen, Geld sei ein Aktivum. Geld ist für die Bank aber ein Passivum. Die Bank wird angefragt um einen Kredit, dem sie stattgibt, wenn die Sicherheit den Bestimmungen entspricht. Damit ist der Tausch einer Forderung der Bank gegen den Kunden gegen eine Forderung des Kunden gegen die Bank perfekt! Das hat überhaupt nichts mit Geldschöpfung aus dem Nichts zu tun, sondern mit einem ganz normalen Vertrag im Rahmen der Vertragsfreiheit: Ich übergebe Dir einen Schuldschein und Du übergibst mir einen!
    So kann jemand das in sein Haus langfristig investierte Kapital mobil machen: eine Hypothek aufnehmen usw.. Um nichts anderes geht es da. Kann er das Kapital nicht mobilisieren und braucht Geld, muss er das Haus verkaufen. So einfach ist das. Und die Bank bucht dann: Hypothek an Buchgeld. Basta!
    Weitere Informationen und eine Einführung ins Geldsystem findet der Interessierte hier: https://sites.google.com/site/geldsysteminfo/home

    • Hans von Atzigen sagt:

      Einwandfrei Richtige Ausführungen. Bleibt nur noch die Unterscheidung zwischen Realwert und Nominalwert. Letztlich wird der Realwert durch den Markt bestimmt. Auf eine nicht genau bestimmbare Zeit kann man den Realmarkt mit zusätzlicher Liquidität aushebeln. Genau dies geschieht durch die aktuelle Politik der Nationalbanken. Zusätzliche Liquidität wirkt letztlich wie ,,Blüten,,= Falschgeld.
      Letztlich und langfristig nicht aushebelbar wird alles an der Realwirtschaftsfront entschieden den Wohlstand muss letztlich ganz Real erwirtschaftet werden. Geld als solches Produziert weder Konsumierbare Güter noch Dienstleistungen. Geld egal in welcher Gestalt ist lediglich eine Leistungsverrechnungsgrösse ohne einen ,,Wert,, an sich. Ein Bestmöglich Stabiler Geldwert kann sich nur bilden wenn die Geldmenge nur im Rahmen des Realwirtschaftswachstums ausgeweitet respektive zurückgefahren wird.
      Haben die ,,Sicherheiten,, der Banken nicht einen entsprechenden Realwert= Realertragswert, lösen sich die Nominalwerte in Luft auf und die Bankbilanzen geraten ins minus. Aktuell werden die Verluste durch ,,Blüten,, ersetzt. Damit bleibt die Buchhaltung im nominell schwarzen Bereich. Die Realwirtschaft jedoch geht schleichend den Bach runter. Lediglich eine Frage der Zeit bis der Kunstgriff Zusatzliquidität vollends ins Leere läuft.
      Die entscheidende Schwäche im sog. ,,Vollgeldsystem,, es fehlen Kriterien nach denen die Geldschöpfmenge zu ermitteln ist.
      Scheint der Glaube ans Ökonomie- Perpetuum -Mobile ist unausrottbar.
      Ein Irrglaube mit vorhersehbar verheerenden Folgen.
      Freundliche Grüsse

      • Buchhalter sagt:

        Es ist erfreulich, dass es noch Menschen gibt, die denken können und das System begreifen.
        Klar habe ich nicht alles in einen kurzen Kommentar packen können, was zu sagen wäre. Wird ja sowieso nicht gelesen… Hinweisen möchte ich nur darauf, wo der Hund im jetzigen Geldsystem begraben ist: Nämlich im Schuldgeld. Hier die diesbezügliche Begründung:
        https://sites.google.com/site/geldsystemfolien/schuldgeld-problematik
        Was Ihre Ausführungen betreffend Vollgeld betrifft, möchte ich Sie darauf hinweisen, dass die Vollgeldler meinen, das Zentralbank-Eigenkapital könne problemlos negativ sein und immer negativer werden und sie könne einfach Geld verschenken. Solches Vorgehen ruiniert jede Währung! Die Vollgeld-Initiative ist letztlich zu vergleichen mit einer solchen, die verlangt, Wasser solle in Zukunft bergauf fliessen.
        https://sites.google.com/site/vollgeldinitiative/geld-muss-einen-wert-haben

  3. Rudolf Steinmetz sagt:

    Die „Creatio ex nihilo“ der Banken übertrifft jeden Alchemisten bei weitem. Aber im Gegensatz zu den meist frommen Substanzwandlern der Alchemie haben die modernen Geldsäcke nur eines im Sinn: ihre Taschen zu füllen auf Kosten von Mensch und Natur: weg mit ihnen!

  4. Hans von Atzigen sagt:

    Der Kernansatz ist zweifelsfrei richtig.
    Grundsätzlich sollte die Geldmenge strikte an das Realwirtschaftsergebnis gekoppelt werden. Dies würde jedoch eine Realwirtschaftsdatenerhebung erfordern. Doch eben dies fehlt weitestgehend. Die Erhebung in Geldeinheiten liefert im Regelfalle ein eher verzerrtes Bild, insbesondere da aktuell eine Riesendiskrepanz zischen Realwirtschaftsergebnis und Geldmenge elender Fakt ist.
    Ganz so problemlos wie die Initianten das versprechen ist die Sache in der Realität nicht umsetzbar. Realistisch ist die Sache nur über einen eher langen Zeitraum umsetzbar, bei gleichzeitigen Anpassungen im Bereich Realwirtschaft.
    Leider ist die CH.- Wirtschaft wie faktisch die gesamte Weltwirtschaft ,,süchtig,, nach Geschöpftem Geld. Zb. die Bau und andere Wirtschaftszweige hängen ganz massiv an der Geldschöpfung, die Hypothekarverschuldung, ist den auch in der CH.- Volkswirtschaft eine ganz massive Leiche im Keller. Nebst dem sich immer deutlicher abzeichnenden Zusammenbruch des Realabsatzmarktes. Ein weiteres Problem schlummert im Grenzüberschreitenden Handel sowie die Wechselkurse zu anderen Währungen.
    Es würde schnall eine massive Aufwertung des Ch.-Frankens eintreten mit den entsprechenden Folgewirkungen für die Exportwirtschaft. Die Exportsubventionierung über die Notenpresse währe Makulatur und müsste durch andere Massnahmen ersetzt werden. Massnahmen die mit diversen Internationalen Abkommen kaum vereinbar währen, Zb. freier Kapitalverkehr.
    Tja exzellent Goldrichtige Idee leider so um die 50- 60 Jahre zu spät. Das Gift massive Überliquidität ( = Reinstes Arsen, steckt längst auch in der CH.-Volkswirtschaft.) Das herauszufiltern ist in der Praxis faktisch kaum noch möglich.
    Tja leider auch mit einer exzellenten Idee kann man weder die Zeit zurückdrehen noch längst laufende Dummheiten aus der Welt schaffen.
    So einfach wie sich das die Initianten vorstellen ist die Sache nicht umsetzbar, die Versprechungen sind und bleiben in der Wirkung ein Traum.
    Bleibt noch die Hoffnung das irgendwann in der Zukunft die Sache konsequent zu gegebener Zeit umgesetzt wird. Nach dem kaum noch abwendbaren Wirtschaftszusammenbruch mit den unerfreulichen massiven Begleiterscheinungen. Unter neuen Realitäten, wenn die Zeit reif ist, für eine dannzumal nachhaltigere Zukunft. Das liegt unabwendbar in einer anders gearteten Zukunft.
    Freundliche Grüsse