Kunden sollen Rücksendekosten beim Online-Shopping tragen

Drei Viertel der deutschen Shopper haben schon mal online bestellte Ware zurückgeschickt. Kostenloser Rückversand macht Online-Shopping attraktiv. Ein neues Widerrufsrecht könnte das ändern: 88 Prozent werden ihr Kaufverhalten ändern, wenn sie Rücksendekosten übernehmen müssen – zum Vorteil der Ladengeschäfte.

Neun von zehn Online-Shoppern wollen aufgrund des neuen Widerrufsrechts bewusster einkaufen. Mit Inkrafttreten des Gesetzes zur Umsetzung der EU-Verbraucherrechte-Richtlinie am 13. Juni 2014 wird auch das Widerrufsrecht im Online-Handel neu geregelt: Fortan soll der Verbraucher die Rücksendekosten tragen.

Eine gemeinsame Umfrage von deals.com und guenstiger.de ergab jedoch, dass das derzeitige Rückgaberecht bei deutschen Online-Kunden außerordentlich beliebt ist: Rund drei Viertel haben online bestellte Ware schon einmal wieder zurückgeschickt (76 Prozent der Frauen und 70 Prozent der Männer). Bei den unter 30-Jährigen haben sogar fast vier von fünf schon einmal Online-Bestellungen retourniert. 23 Prozent der jungen E-Shopper schicken bestellte Mode-Artikel sogar in den meisten Fällen oder immer zurück. Für rund die Hälfte der Deutschen macht die Möglichkeit zum kostenlosen Rückversand Online-Shopping überhaupt erst attraktiv (54 Prozent).

Der „Ankleidekabine“ Wohnzimmer droht das Aus. Für viele E-Shopper ist es zum festen Bestandteil des Online-Einkaufserlebnisses geworden, die eigenen vier Wände zum An- und Ausprobieren von Waren zu benutzen: So bestellt jede dritte Frau (35 Prozent) und jeder dritte unter 30-Jährige regelmäßig bewusst verschiedene Ausführungen eines Produkts, um sich zu Hause in Ruhe zu entscheiden und den Rest zurückzuschicken. Doch genau dieser Shopping-Trend ist durch die Neuregelung des Verbraucherrechts gefährdet.

Insgesamt senden Frauen Waren vorrangig zurück, wenn sie nicht passten oder ihnen nicht gefallen. Männer retournieren Bestellungen eher, wenn sie beschädigt sind oder nicht der versprochenen Qualität entsprechen.

Artikel aus der Modebranche und der Textilindustrie werden besonders häufig umgetauscht oder zurückgegeben: Neun von zehn derjenigen Kunden, die schon einmal vom Rückgaberecht Gebrauch gemacht haben, schickten Bekleidungsartikel zurück.

Mit der Reform des Verbraucherrechts blickt der Online-Handel unter Umständen stürmischen Zeiten entgegen: Neun von zehn Deutschen wollen ihr Online-Shoppingverhalten ändern, sollten sie immer für den Rückversand aufkommen müssen (88 Prozent).

„Händler sollten auch nach der Reform des Widerrufsrechts auf die Kundenwünsche eingehen – oder müssen ansonsten anderweitige Sparmöglichkeiten anbieten, um Kunden langfristig zu binden“, so Tobias Conrad, General Manager bei deals.com.

Von der Neuregelung könnte vor allem der stationäre Handel profitieren: Fast jede zweite Frau plant – sollte sie für die Rücksendekosten aufkommen müssen – häufiger direkt im Ladengeschäft einzukaufen (47 Prozent, 42 Prozent insgesamt). Jeder fünfte deutsche E-Shopper würde die Artikel zudem verstärkt vor der Online-Bestellung im Laden an- oder ausprobieren und begutachten (20 Prozent).

 

Weitere Themen
Apple steigt massiv ins Online-Musikstreaming ein

Online-Händler Zalando geht im Herbst an die Börse

Trotz Wachstum: Investitionen drücken Gewinn von Amazon

Kommentare

Dieser Artikel hat 8 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. dämliche Headline sagt:

    Dann geht Zalando noch schneller pleite.

  2. jakob sagt:

    hahaha, ja schon klar.
    diese logik der menschenverachtenden volksverräter ist so dermaßen realitätsfern, das gibt es gar nicht!
    natürlich werde ich mir jetzt im umkehrschluss den wahnsinn antun und im einzelhandel, bei lustlosen, frechen und demotivierten verkäufern einkaufen gehen….
    wenn das alles nicht so traurig wäre, aber sowas kommt halt dabei raus, wenn physiker, „doktoranten“ etc pp die aufsicht über die geschäftswelt gibt.
    dieses ganzen versager würden in der freien wirtschaft ihr geschäft nicht mehr als ein jahr behalten und dann pleite gehen!
    aber wer nix wird, wird nicht mehr wirt, sondern geht einfach in die politik, da fällt man als nullchecker und versager in keinster weise auf….

  3. Swen sagt:

    Das wurde schon vor Monaten von den großen Playern wie Amazon, Zalando oder Zooplus dementiert.

    Bleibt also alles beim alten. Aber das wäre ja keine Schlagzeile…

  4. Tom sagt:

    AMAZON schreibt jetzt immer bei jedem Artikel, das das Teil kostenfrei zurück gesendet werden kann.

    Es kann also jeder Händler entscheiden ob er diesen Service weiter anbietet.
    Der Händler wer diesen Service verweigert wird wird sicher dann Umsätze an die Konkurrenz verlieren.

    Zuletzt hatte ich 500 Kondome die angeblich Anal-Verkehr-geprüft waren zurück geschickt weil einer gerissen ist.

    Ware wurde ohne Probleme zurück genommen.

    Also sehen Wir doch der Zukunft GELASSEN entgegen,
    denn gerade durch VERKRAMPFUNG kommen ja erst die Probleme.

    Natürlich sollten Wir alle auch unseren Humor nicht verlieren!

  5. Nachdenker sagt:

    Fragt man sich, warum das Gewaltmonopol eingreifen muss. Kann das nicht jedes Unternehmen für sich regeln?
    Letztendlich legen doch die Firmen sowieso die Rücksendekosten auf den Kunden um. Sowas nennt man kalkulatorische Kosten.

    Sinnlose Bürokratie und eine weitere Verarsche.

    • strenge Hand sagt:

      Richtig!
      Und da die Rücksendekosten bereits integriert sind, profitiert man vom Zwangsaufschlag gleich doppelt. Das dürfte Großkonzerne wieder freuen.

      • Anke sagt:

        @strenge Hand:

        Haben sie schon einmal etwas davon gehört, dass es in erster Linie Kleinstunternehmen und nicht „Großkonzerne“ sind, die unter der alten Regelung leiden und diese „Kleinen“ nun froh sind, dass sie selbst entscheiden können, ob sie die Rücksendekosten übernehmen oder nicht?

        Haben Sie schon einmal etwas davon gehört, dass der Preis, den man für ein Produkt erhält, nicht in erster Linie von der Kalkulation, sondern vom Wettbewerb bestimmt wird? Die Onlinehändler können zwar die Rücksendekosten im Preis einkalkulieren, aber ob sie diesen Preis dann auch erhalten, bestimmt der Markt. Wenn man sich die enormen Verluste von Zalando ansieht, sieht es eher nicht danach aus, dass Onlinehändler mit hoher Rücksendequote profitabel sind.

    • Anke sagt:

      Das kann doch jedes Unternehmen für sich regeln. Die Richtlinie schafft genau die Voraussetzung dafür. Vorher war es Pflicht für die Unternehmen, die Rücksendekosten ab 40 Euro Warenwert zu übernehmen. Jetzt ist es ihnen freigestellt, ob sie unabhängig vom Warenwert die Kosten der Rücksendung dem Kunden auferlegen oder nicht. Die Richtlinie ist ein Schritt hin zu mehr Vertragsfreiheit.