Schweizer Notenbank schließt Negativ-Zinsen nicht aus

Die SNB setzt die Euro-Kursuntergrenze von 1,20 Franken zum Euro fort. Der Schweizer Franken ist weiter hoch bewertet. Risiken für Schweizer Konjunkturerholung sind erheblich. Wenn der Aufwertungsdruck zu groß wird, schließt die SNB die Einführung von Negativ-Zinsen nicht aus. Erneut warnte die SNB vor einer drohenden Überhitzung des Immobilienmarktes.

Die Schweizer Notenbank hält an ihrem seit bald drei Jahren geltenden geldpolitischen Kurs fest. Der im September 2011 eingeführte Mindestkurs von 1,20 Franken für den Euro gilt weiterhin, wie die Schweizerische Nationalbank (SNB) am Donnerstag mitteilte. Der Franken sei nach wie vor hoch bewertet. „Die Nationalbank wird den Mindestkurs weiterhin mit aller Konsequenz durchsetzen. Zu diesem Zweck ist sie bereit, wenn nötig unbeschränkt Devisen zu kaufen und bei Bedarf weitere Maßnahmen zu ergreifen“, erklärte die SNB nahezu wortgleich zu ihrem Statement vom März. Der Leitzins bleibt unverändert. Das Zielband für den Dreimonats-Libor ließ die SNB bei null bis 0,25 Prozent.

Sollte die Schweizer Währung unter Aufwertungsdruck kommen, würde die SNB reagieren. „Wir beobachten die Auswirkungen der jüngsten Zinssenkungen in der Euro-Zone auf die Schweiz sehr genau“, erklärte Notenbankchef Thomas Jordan am Donnerstag in Bern. Negativzinsen auch in der Schweiz schloss er nicht aus, um eine deflationäre Entwicklung zu verhindern. „Das ist ein mögliches Instrument.“

Die Währungshüter rechnen dieses Jahr wie bisher mit einem Wirtschaftswachstum von „rund zwei Prozent“. In den kommenden Quartalen dürfte sich die moderate Konjunkturerholung fortsetzen. Gleichzeitig warnte die Notenbank, dass die Abwärtsrisiken erheblich blieben. Eine schwächere Entwicklung der Weltwirtschaft würde auch die Schweiz treffen. Die globale Erholung könnte durch die aktuellen geopolitischen Konflikte, den Konsolidierungsdruck bei den öffentlichen Finanzen in der Euro-Zone und die Strukturprobleme in verschiedenen Ländern stärker als erwartet gedämpft werden.

Inflationsrisiken ortet die SNB für die Schweiz auf absehbare Zeit nicht. Die Teuerung dürfte dieses Jahr bei 0,1 (bisher: null) Prozent liegen. Im kommenden Jahr erwartet die SNB eine Inflationsrate von 0,3 (bisher: 0,4) Prozent. 2016 dürfte die Teuerung dann auf 0,9 (bisher: 1,0) Prozent steigen.

Erneut warnte die SNB vor einer drohenden Überhitzung des Immobilienmarktes. „Auch wenn sich die Dynamik am Hypothekar- und Immobilienmarkt leicht abgeschwächt hat, lassen sich bisher keine Anzeichen für eine nachhaltige Beruhigung feststellen“, hieß es. (

Die SNB fordert von den Geldhäusern des Landes weitere Vorkehrungen gegen Konjunktur- und Finanzmarktkrisen. Credit Suisse und UBS empfahl sie in dem am Donnerstag veröffentlichten Bericht zur Finanzstabilität, insbesondere die Verschuldungsquote zu verbessern. Das Verlustpotential sei gemessen an ihrer Kapitalisierung immer noch beträchtlich.

Als unwahrscheinliche, aber mögliche Risiken prüfte die SNB die Auswirkungen mehrere Szenarien auf die Banken: So eine erneute Eskalation der Euro-Schuldenkrise, der Ausbruch einer Schwellenländerkrise, eine Rezession in den USA und ein schockartiger Anstieg der Zinsen in der Schweiz. Für das Land sei es wichtig, dass die Großbanken auch in Krisensituationen über eine angemessene Kapitalisierung verfügten. Die SNB wies zudem auf die Rechtsrisiken hin. Sowohl Credit Suisse als auch UBS mussten in den letzten Jahren Milliarden-Bußen verdauen.

Im Vergleich mit ausländischen Instituten schnitten die Schweizer Großbanken bezüglich ihrer Bilanzstärke uneinheitlich ab. Während die risikogewichteten Kapitalquoten überdurchschnittlich seien, treffe dies für die Verschuldungsquote nicht zu, erklärte die Notenbank. Die sogenannte Leverage Ratio misst das Verhältnis von Eigenkapital zur Bilanzsumme und nimmt anders als die übrigen Eigenkapitalregeln keinen Bezug auf die Risiken, die mit den jeweiligen Geschäften verbunden sind. Mit dieser Quote wollen die Aufseher verhindern, dass sich Banken über Gebühr aufblähen und wegen ihrer schieren Größe gefährlich für das System werden. „Im Krisenfall rückt sie erfahrungsgemäß ins Zentrum der Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer“, erklärte SNB-Direktor Jean-Pierre Danthine.

Ein UBS-Sprecher erklärte, die Bank nehme den Bericht zur Kenntnis. Credit Suisse wollte sich nicht äußern. Mit Blick auf die kleineren Schweizer Banken strich die SNB die auf historisch hohem Niveau liegenden Zinsrisiken hervor. Die hauptsächlich auf den heimischen Markt fokussierten Banken seien bei einem deutlichen Zinsanstieg und einer Preiskorrektur am Wohneigentumsmarkt besonders anfällig. Ein Raiffeisen-Sprecher erklärte, die Gruppe überwache laufend verschiedene Zinsszenarien und sei darauf vorbereitet, auch schwierige Zinsverhältnisse zu tragen.

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