Audi will bei E-Autos zu BMW und Tesla aufschließen

Audi nimmt Konkurrenz mit Elektro-Auto-Pionier Tesla auf. Der neue R8 soll eine Reichweite von 450 Kilometern erreichen. Damit verdoppelt Audi die Reichweiter seiner vor einem Jahr auf Eis gelegten elektrischen Antriebstechnik. Käufer schrecken allerdings noch vor dem Preis und der kurzen Reichweite bei E-Fahrzeugen zurück.

Audi erwägt offenbar den Bau von besonders leistungsfähigen Elektroautos, um dem US-Pionier Tesla etwas entgegenzusetzen. Vorreiter solle die 2015 geplante nächste Generation des Supersportwagens R8 sein, die es auch in einer rein batteriegetriebenen Version geben werde, sagten zwei mit der Sache vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. Audi plane, das Fahrzeug zunächst auf Basis von Kundenbestellungen in kleiner Stückzahl anzubieten.

Eine Batterieladung des R8 e-tron solle für 450 Kilometer reichen und damit doppelt so weit wie die von Audi vor zwei Jahren auf Eis gelegte Version. Damit käme Audi nahe an die Reichweite des Tesla-Modells S heran, dessen Batterie erst nach etwa 500 Kilometern aufgeladen werden muss (mehr hier).

Mit dem R8 e-tron wolle Audi den Weg für weitere Hochleistungs-Elektroautos ebnen, sagte ein Insider. So werde derzeit über den Bau eines Elektro-Geländewagens Q8 als Konkurrenz zum geplanten Model X von Tesla nachgedacht. Audi-Chef Rupert Stadler hatte bereits die Möglichkeit weiterer Elektroautos angedeutet. „Wenn sich die Zelltechnologie weiter so vielversprechend entwickelt, wird es auch bei Audi weitere reine Elektroautos geben“, sagte er in einem Interview.

Um die Kosten in Grenzen zu halten, will die VW-Tochter das Baukastenprinzip des Konzerns auch für seine Elektroantriebe nutzen. Audi hat schon vor längerem den Modularen-Längsbaukasten (MLB) für größere Modelle eingeführt, deren Motor längs zur Fahrtrichtung eingebaut sind. Kleinere Fahrzeuge vom Polo über den Kompaktwagen Golf bis hin zum Mittelklasseauto Passat baut VW inzwischen auch nach diesem Prinzip (MQB), das einem Legobaukasten ähnelt. Die neue Architektur, bei der sich immer mehr Autos bestimmte Baugruppen wie Achsen, Motor und Getriebe teilen, soll die Kosten deutlich sinken lassen. Auch VW bringt derzeit Elektroautos auf den Markt.

Autokäufer machen bisher einen großen Bogen um rein batteriegetriebene Wagen, weil sie als zu teuer gelten und sie fürchten, mit leerer Batterie liegenzubleiben. Im Schnitt reicht eine Batterieladung bei den meisten Modellen derzeit etwa 150 Kilometer. Tesla hat mit seiner Batterie-Technologie gezeigt, dass auch längere Strecken möglich sind und damit Elektroautos zu neuer Attraktivität verholfen.

Auf diesen Zug springen die deutschen Premiumautobauer auf: BMW hat gerade den Stadtwagen i3 mit viel Werbeaufwand auf den Markt gebracht (hier). Rivale Mercedes-Benz baut die B-Klasse seit kurzem auch als reines Batterieauto. Den kleineren Smart gibt es bereits seit längerem auch als reines E-Auto. Der Stuttgarter Mutterkonzern Daimler ist zudem mit vier Prozent an Tesla beteiligt.

„Alle großen deutschen Autobauer haben Pläne für Elektroautos in der Schublade. Sie wollen vorbereitet sein, wenn die Nachfrage anzieht“, sagt Autoanalyst Frank Schwope von der NordLB. Er rechnet damit, dass es noch bis zu sieben Jahren dauern wird, bis reine Stromer in nennenswerter Stückzahl auf den Straßen rollen. Bisher sind es in Deutschland erst gut 12.000 Stück, verglichen mit einem Fahrzeugbestand hierzulande von insgesamt fast 44 Millionen.

 

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Kommentare

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  1. Christian Stroetmann sagt:

    Mittlerweile behauptet kaum noch jemand, dass das Modell S von Tesla Motors eine Reichweite von 500 km bietet. In all den Jahren haben wir nur zwei Besitzer des Modell S im Internetz gefunden, die behaupten, dass sie eine solche Fahrleistung erreicht hätten.
    Selbst das Unternehmen gibt mittlerweile wesentlich realistischere Reichweiten an.

    Und Audi? Audi nennt man seit gut 2 Jahren den Ankündigungsweltmeister in Internetzforen und in Kommentarbereichen von Online-Magazinen.
    Anscheinend hat man wieder einmal etwas auf unseren Web-Auftritten gefunden, wie zum Beispiel die Informationen über die weitere Arbeit an unseren E-SUVs am 12. Juni 2014 und über eine neue Batterietechnologie am 19. Juni 2014 (gestern) auf der Nachrichten-Website OntomaX unseres Unternehmens.
    Solange wir nichts zum kopieren zeigen wird auch bei Audi nichts passieren, denn so geht das ‚Spielchen‘ schon seit 2007.

    Mit besten Grüßen
    Christian Stroetmann

  2. Christian Stroetmann sagt:

    Den originalen RE samt originalen Technologien, wie zum Beispiel die Elektronische Drehmoment Vektorisierung==Electric Torque Vectoring E-Quattro, das resonante, induktive, kabellose Ladesystem irail und ipad und das Schnellladesystem==Quickcharger sowie viele andere Fahrzeugkonzepte und Lösungen, die eben nicht von Daimler, Volkswagen oder Bayerische Motorenwerke stammen und schon gar nicht von Tesla Motors, kann man übrigens auf dem Web-Auftritt von Style of Speed finden.

    Mit besten Grüßen
    Christian Stroetmann

  3. Rudolf Steinmetz sagt:

    Einfach trostlos diese verbohrte Denke der Autobauer. Statt weitreichende Visionen und Systeminnovationen – wie bei Tesla – nur eingefasste Prozeß- und Produktinnovationen. Aber schon seit 1945 forschte die hiesige Industrie – geschützt durch Lobby-Groups und per Reeducation ankonditionierte intelektuelle Trägheit – an den latenten Benutzerbedürfnissen vorbei (waren in jedem CARE-Packet Schlaftabletten?). Das wird sich alsbald bitter rächen. Anstösse fürs Umdenken finden sich in diesem wichtigen, immer noch hochaktuellen Buch aus dem Jahre 1970: Helmut Krauch, Prioritäten für die Forschungspolitik; und auch hier: Systemforschung – Politikberatung und Öffentliche Auflšlärung Beiträge von und im Umfeld von Helmut Krauch und der Studiengruppe für Systemforschung Herausgegeben von Reinhard Cofenen / Karl-Heinz Simon: http://www.upress.uni-kassel.de/katalog/abstract.php?978-3-86219-204-5