Springer-Verlag investiert in Suchmaschine Qwant.com

Der Axel Springer-Verlag übernimmt 20 Prozent des Startups Qwant.com. Mit der Investition in die neue Suchmaschine setzt Springer ein Zeichen gegen Google. Die Verlage wollen sich gegen die Abhängigkeit von Google zur Wehr setzen.

Axel Springer setzt mit dem Einstieg bei der französischen Suchmaschine Qwant.com ein Zeichen gegen den Internetriesen Google. Über eine Konzerntochter übernehme man 20 Prozent an der Start-Up-Firma, teilte der Berliner Verlag am Donnerstag mit. Der Kaufpreis liege zwar nur im niedrigen bis mittleren einstelligen Millionen-Bereich, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters von einer Person, die mit der Transaktion vertraut ist. Dennoch gleicht dies einer kleinen Duftmarke gegen Google als Platzhirsch unter den Suchmaschinen. Springer-Chef Mathias Döpfner hatte kürzlich die Marktmacht des US-Konzerns angeprangert und betont: „Wir haben Angst vor Google.“

Qwant.com startete mit seiner ersten Version 2013 in Frankreich und im März 2014 in Deutschland. Im vergangenen Jahr führte das Unternehmen den Angaben zufolge mehr als eine halbe Milliarde Suchanfragen aus. Die von Jean Manuel Rozan und Eric Léandri gegründete Firma mit Sitz in Paris hat 25 Mitarbeiter. „Auf dem Suchmarkt gibt es zahlreiche Innovationen“, sagte Ulrich Schmitz, Technikexperte bei Springer und Geschäftsführer von Axel Springer Digital Ventures. „Um daran teilzuhaben und zu lernen, beteiligen wir uns an einem jungen Unternehmen, das hier Vielfalt und neue Impulse einbringt.“

Qwant.com biete Nutzern einen umfassenden Überblick über Suchergebnisse – inklusive Webseiten, Social Media, Nachrichten, Produkte, Bilder und Videos. Durch die Darstellung in verschiedenen sogenannten Streams, die als Spalten auf dem Bildschirm erscheinen, können die Nutzer ihre Suche laut Springer verfeinern.

Springer verlagert wegen rückläufiger Printauflagen und damit sinkender Anzeigenerlöse sein Geschäft zunehmend ins Internet. Döpfner hatte jüngst beklagt, im Netz hänge der gesamte Werbemarkt von den sogenannten Algorithmen Googles ab. „Wir – und viele andere – sind von Google abhängig“, monierte Döpfner. Viele deutsche Verlage streiten mit Google zudem darüber, ob der Suchmaschinenkonzern für Textteile von Presseerzeugnissen den Verlagen eine Gebühr bezahlen muss. Der US-Konzern lehnt dies ab.

Am Mittwoch hatte die VG Media, wo sich Verlage wie Springer und Burda zusammengeschlossen haben, juristische Schritte gegen Google eröffnet. Die Gruppe reichte eine zivilrechtliche Klage ein, um die „Zahlung einer angemessenen Vergütung wegen der Verwertung des Presseleistungsschutzrechtes durch Google“ durchzusetzen. Zuständig ist zunächst die Schiedsstelle beim Deutschen Patent- und Markenamt.

Kommentare

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  1. Ingenieur sagt:

    Und baut endlich mal so ein Ding, das auch was taugt. Der Gockel von heute ist ja schlechter als vor 10 Jahren Visimo. Visimo konnte nämlich clustern und hat dem Sucher viel Zeit gespart. Deshalb wurde sie von IBM geschluckt.

  2. Überrascht sagt:

    Sehr interessante Suchmaschine…. ! Eine echte Alternative