EU legt Steuer-Oasen für deutsche Firmen trocken

EU-Staaten schließen Steuerschlupflöcher für Firmen. Änderungen der Richtlinie für Mutter-Tochter-Gesellschaften ändert sich für deutsche Firmen nur wenig. Für Standorte in Irland, Luxemburg oder den Niederlanden wird es aber schwieriger, Gewinne steuerfrei an Firmensitze in Deutschland zu verschieben.

Firmen sollen rechtliche Unterschiede in den EU-Ländern künftig nicht mehr zur Steuervermeidung nutzen können. Die EU-Finanzminister einigten sich am Freitag in Luxemburg auf Änderungen der Richtlinie für Mutter-Tochtergesellschaften, um sowohl Steuerflucht als auch weiterhin Doppelbesteuerung zu verhindern.

Die Finanzminister setzen damit einen Vorschlag der EU-Kommission um, mit dem Gesellschaften ohne wirtschaftliche Substanz das Handwerk gelegt werden soll. Experten zufolge ändert sich für deutsche Firmen durch die Änderung der EU-Richtlinie nur wenig, weil die EU-Vorschläge zu großen Teilen dem deutschen Steuer- und Gesellschaftsrecht entlehnt sind.

Staaten wie Irland, Luxemburg oder die Niederlande profitieren stark davon, dass unter anderem Finanzinvestoren wegen der niedrigen Steuersätze dort Ableger gründen, deren einziger Zweck es ist, Unternehmen etwa in Deutschland zu besitzen. Deren Ausschüttungen an den Eigentümer sind hierzulande steuerfrei, in den Steuerparadiesen werden sie ebenfalls kaum besteuert.

Die EU will dieses Vorgehen erschweren, wenn in den Holdings keine eigenständige Geschäftstätigkeit zu erkennen ist. Umstritten ist allerdings, wie eine solche „eigenständige Geschäftstätigkeit“ definiert werden kann. Zuletzt hatte die EU-Kommission angekündigt, die Steuervereinbarungen der US-Konzerne Apple und Starbucks mit Irland und den Niederlanden genauer zu prüfen.

Auch Mischformen von Eigen- und Fremdkapital sollen in der EU bekämpft werden, wenn sie nur der Steuervermeidung dienen. Die EU-Mitgliedsstaaten haben bis zum 31. Dezember 2015 Zeit, die Richtlinie in nationales Recht umzusetzen.

 

Kommentare

Dieser Artikel hat 5 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  1. Michael aus dem Paradies sagt:

    ja genau, und auf dem Mond wird die große Weihnachtsparty vorbereitet… Für wie blöd halten die uns denn? Steueroasen austrocknen… ich wusste gar nicht, dass die feucht waren.

  2. Exildeutsch sagt:

    Gut so! Ich habe meinen Firmensitz seit 2001 im Südlichen Afrika. Ohne Stress,und unnötigen Mitgliedschaften ect. Steuern ? Penuts ! 10 Jahre Selbstständigkeit in der BRD haben mir gereicht, das muss nicht sein.

  3. Christian Stroetmann sagt:

    Heute ging es nur um die sogennate Hybridanleihe:
    Eine Konzernmutter gibt einen Kredit and ein Tochterunternehmen in einem anderen Mitgliedsstaat in der EU. Das Tochterunternehmen zahlt später den Kredit aus ihren Gewinnen zurück und kann so die Kreditrückzahlungen als Zinslast von der Steuer absetzen. Die Konzernmutter muss in einigen EU-Ländern die Rückflüsse auch nicht versteuern, sodass das Geld als steuerfreie Dividende durchgeht.
    Der Finanzminister taufte diesen Trick „Doppelte Nichtbesteuerung“.

    Mit den Transferzahlungen aufgrund von Lizenzvereinbarungen innerhalb eines Konzerns innerhalb der EU hat dies erst einmal wenig gemeinsam.

    Mit besten Grüßen
    Christian Stroetmann

  4. Christian Stroetmann sagt:

    Sollte es nicht andersherum geschrieben werden?
    Für Standorte in Deutschland wird es aber schwieriger, Gewinne steuerfrei an Firmensitze in Irland, Luxemburg oder den Niederlanden zu verschieben.

    Wer mehr wissen will, wie es geht, der kann einfach nach „Double Irish arrangement“ und „Dutch Sandwich“ sowie dem Apple-Klassiker „Double Irish With a Dutch Sandwich“ suchen.

    Mit besten Grüßen
    Christian Stroetmann

  5. Marc Reynhold sagt:

    Man kann das Verschieben von Geld natürlich erschweren.
    Es sollte aber klar sein, daß die Wirtschaft so recht und schlecht läuft, WEIL es möglich ist das Geld an der Steuer vorbei an den Ort der für den Eigentümer höchsten Produktivität zu verschieben.
    Sollte man diese Kanäle behindern oder verschließen, geht es eben mit der Konjunktur weiter abwärts.