Frankreich lehnt Angebote zu Alstom ab

Frankreich lehnt so das Angebot von Siemens und MHI als auch das von General Electric für Alstom ab. In der Bieterschlacht um Alstom gibt es keine Gewinner. Frankreich beteiligt sich selbst mit 20 Prozent an dem Unternehmen.

Frankreich lehnt beide Offerten für die Industrieikone Alstom ab. Sowohl Siemens und Mitsubishi Heavy als auch General Electric hätten keine ausreichenden Angebote vorgelegt, teilte Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg am Freitag in Paris. Frankreich übernehme nun selbst 20 Prozent an Alstom.

Dabei konterten Siemens und sein japanischer Partner Mitsubishi Heavy Industries (MHI) am Freitag eine nachgebesserte Offerte von GE: Die beiden Partner erhöhten ihr erstes Angebot für Teile des französischen Technologiekonzerns um 1,2 Milliarden auf 8,2 Milliarden Euro. „Unser Angebot ist strategisch, sozial, aber auch im wirtschaftlichen Bereich noch einmal ausgebaut worden“, sagte Siemens-Chef Joe Kaeser. Bisher hatte Siemens erklärt, die Offerte benötige keine Nachbesserung.

Siemens und MHI bewerten die Energiesparte von Alstom nach eigenen Angaben nun mit 14,6 Milliarden Euro, 400 Millionen Euro mehr als bisher. GE taxiert den Konzernteil dagegen lediglich auf 12,35 Milliarden Euro. „Wir sind 2,3 Milliarden Euro besser. Das ist ein Faktum“, sagte Kaeser. „Da müsste man dem Aktionär gut erklären, warum man das ausschlägt.“ Siemens sei nun bereit, 400 Millionen Euro mehr für die Gasturbinentechnik von Alstom zu zahlen als bisher. Das sei das Ergebnis einer neuen Bewertung von Chancen und Risiken der Übernahme, sagte Kaeser.

Branchenexperten äußerten sich skeptisch über den Vorstoß von Siemens. „Obwohl das neue Angebot keine Bedrohung für die finanzielle Lage für Siemens darstellt, würden wir eine weitere Preiserhöhung als negativ für Siemens bewerten“, erklärte DZ-Bank-Analyst Jasko Terzic. Die Siemens-Aktie lag am Mittag wie der Gesamtmarkt leicht im Plus. In Paris erholte sich auch die Alstom-Aktie ein wenig von dem Kurssturz am Vortag.

MHI will wie bisher Anteile an Alstoms Geschäften mit Dampfturbinen, Energienetzen und Wasserkraft übernehmen. Allerdings planen die Japaner nun eine einzige Beteiligung von 40 Prozent an allen drei Sparten zusammen statt dreier Einzelpakete zwischen 20 und 40 Prozent. Der Kaufpreis soll dafür um 800 Millionen auf 3,9 Milliarden Euro steigen. „Nach intensiven Gesprächen mit allen Beteiligten in den vergangenen Tagen haben MHI und Siemens ihr Angebot überarbeitet, um Komplexität herauszunehmen, die Umsetzung zu erleichtern und Risiken zu reduzieren“, teilten die Partner mit.

Überdies bietet MHI nach Kaesers Worten dem Alstom-Großaktionär Bouygues unverändert einen Einstieg auf Konzernebene an. Die Japaner könnten ein zehnprozentiges Aktienpaket von Bouygues übernehmen, sagte Kaeser. Über eine Staatsbeteiligung sei bisher nicht gesprochen worden. „Wenn sich der Staat beteiligen will, kann er Aktien kaufen, wenn er nicht will, kann er es seinlassen“, sagte der Siemens-Chef.

Bei dem Vorschlag, auch die Bahntechnik von Alstom und Siemens zusammenzulegen, drückt Kaeser nun auf die Tube. Siemens sei bereit, schon jetzt ein Gemeinschaftsunternehmen für Mobilitätsmanagement einschließlich Signaltechnik anzugehen. Bisher hatte Siemens lediglich eine Absichtserklärung über einen „europäischen Champion im Bahngeschäft“ für die Zeit nach dem Energietechnik-Deal angeboten.

„Das präzisierte Angebot zielt weiterhin darauf ab, Alstom in seiner gegenwärtigen Form in fast allen Geschäftsfeldern zu erhalten und als Industrieunternehmen nachhaltig zu stärken“, erklärten Siemens und MHI. Darüber hinaus könne Alstom damit seine finanzielle Struktur verbessern und als französischer, börsennotierter Großkonzern mit einem Umsatz von rund 20 Milliarden Euro erhalten bleiben. Mit den zusätzlichen 1.000 neuen durch MHI geschaffenen Stellen und weiteren 1.000 Ausbildungsplätzen von Siemens für französische Jugendliche schaffe das Angebot zusätzliche Arbeitsplätze in Frankreich.

Kaeser kündigte an, er werde am Freitagnachmittag beim französischen Präsidenten Francois Hollande für seinen Plan werben. „Ich danke ihm für die Einladung und freue mich zu hören, was er mir zu sagen hat“, sagte der Siemens-Chef. Bei dem Treffen um 14.45 Uhr in Paris werde er auch MHI-Chef Shunichi Miyanaga vertreten, der nach seinem Frankreich-Aufenthalt mittlerweile wieder in Japan sei.

Der US-Konzern General Electric hatte am Vortag seine mit Siemens rivalisierende Offerte verbessert und kam dabei Bedenken der französischen Regierung entgegen. Die Amerikaner schlagen in Absprache mit dem Alstom-Management mehrere Joint-Ventures und „Allianzen“ vor – die Regierung in Paris hatte sich für ein Bündnis und gegen die bislang von den Amerikanern geplante reine Übernahme der Energietechnik ausgesprochen.

GE-Chef Jeff Immelt plant nach eigenen Angaben im Einvernehmen mit Kron zwei Joint-Ventures im Geschäft mit Stromnetzen und erneuerbaren Energien, an denen Amerikaner und Franzosen jeweils die Hälfte halten sollen. Zudem strebt Immelt ein globales Bündnis in der Nukleartechnik an, das der französischen Regierung ein Veto-Recht einräumen würde. Die beiden Unternehmen unterzeichneten auch eine Absichtserklärung zur Gründung einer weltweiten Allianz im Transportgeschäft. GE hat sich ebenfalls zum Erhalt von Arbeitsplätzen bekannt.

 

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  1. Rudolf Steinmetz sagt:

    In der Bieterschlacht gibt es einen Gewinner, nämlich GE: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/frankreich-alstom-am-ende-13001957.html SIEMENS-KAUFMANN Joe Kaeser sollte sich langsam daran erinnern, dass „Siemens = anwenderfreundliche Technik“ nachhaltiger ist als „SIEMENS = Shareholder Value“.

  2. Tja sagt:

    Wieso auch nicht?
    Warum sollte dem Nationalstolz der Franzacken auch eine Zacke aus der Krone gebrochen werden, wenn es auch „einfacher“ geht: Das größte alles F-PIIGS holt sich die Kohle einfach über EZB oder ESM von Deutschland. Dann muß Deutschland trotzdem zahlen, aber der stolze Franzose kann sich weiterhin einbilden, immer noch Chef im eigenen Hause zu sein.