Deutsches Sommerloch: Einkaufsmanager-Index fällt leicht ab

Das Wachstum der deutschen Wirtschaft verlangsamt sich. Der Einkaufsmanager-Index fällt zum Sommer leicht ab. Auch in der gesamten Euro-Zone hat die Konjunktur wieder an Schwung verloren.

Die deutsche Wirtschaft startet mit wenig Rückenwind in den Sommer. Sie wuchs im Juni so langsam wie seit acht Monaten nicht mehr, wie aus dem am Montag veröffentlichten Umfrage des Markit-Instituts unter 1.000 Unternehmen hervorgeht. Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft fiel um 1,4 auf 54,2 Punkte. Das Barometer hielt sich aber klar über der Marke von 50 Zählern, ab der ein Wachstum signalisiert wird.

Markit sieht deshalb ungeachtet des Rückgangs keinen Grund für Konjunkturpessimismus. „Wie bereits seit Jahresbeginn setzte die deutsche Wirtschaft ihr kräftiges Wachstum auch in Juni fort“, sagte Ökonomin Pollyanna De Lima. „Der Auftragseingang blieb hoch, was sich auch im anhaltenden Beschäftigungsaufbau widerspiegelte.“

Das Barometer für die Industrie stieg um 0,1 auf 52,4 Punkte. Ökonomen hatten einen etwas stärkeren Anstieg auf 52,5 Zähler erwartet. „Die Industriebetriebe profitierten erneut von der starken Exportnachfrage innerhalb Europas“, sagte De Lima. Auch aus dem Nahen Osten und Asien seien mehr Bestellungen eingetroffen.

Der Einkaufsmanagerindex für die Dienstleister fiel überraschend um 1,2 auf 54,8 Punkte. Hier waren 55,7 Punkte erwartet worden. Die Unternehmen rechnen aber mit besseren Zeiten.

Die Konjunktur in der Euro-Zone hat im Juni den zweiten Monat in Folge an Schwung erloren. Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft fiel um 0,7 auf 52,8 Punkte, teilte das Markit-Institut am Montag zu seiner Umfrage unter 5.000 Firmen mit. Das ist der tiefste Stand seit einem halben Jahr. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem stabilen Wert gerechnet. Trotz des Rückgangs blieb das Barometer aber über der Wachstumsschwelle von 50 Zählern.

„Die Euro-Zone ist im zweiten Quartal so stark gewachsen wie seit drei Jahren nicht mehr“, sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. „Dass das Barometer jedoch zum zweiten Mal hintereinander nachgab, deutet darauf hin, dass dem Aufschwung ein wenig die Puste ausgeht.“ Das Hauptproblem sei die große Kluft innerhalb der Währungsunion. In Frankreich etwa könne das Bruttoinlandsprodukt sogar schrumpfen (mehr hier).

Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie gab um 0,3 auf 51,9 Zähler ab, den niedrigsten Wert seit sieben Monaten. Das Barometer für die Dienstleister fiel um 0,4 auf 52,8 Zähler.

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