Frauen und Roboter sollen Japan den Aufschwung bringen

Die japanische Regierung hat eine Roboter-Revolution ausgerufen. Neben der extrem lockeren Geldpolitik und schuldenfinanzierten Konjunkturprogrammen sollen technische Innovationen den Aufschwung herbeirufen. Japan ruft auch seine gut ausgebildeten Frauen auf, verstärkt in den Arbeitsmarkt vorzudringen.

Mit einem neuen Reformpaket will die japanische Regierung die Wirtschaft langfristig auf Wachstumskurs halten. Ministerpräsident Shinzo Abe präsentierte am Dienstag eine Reihe weiterer Maßnahmen, die dem Land zu einem nachhaltigen Konjunkturaufschwung verhelfen sollen. Er kündigte dazu eine schrittweise Reduzierung der Unternehmenssteuern an, die bislang zu den höchsten in der Welt zählen. Um künftigem Fachkräftemangel in der stark alternden japanischen Gesellschaft vorzubeugen, sollen die Betriebe ferner deutlich mehr höherqualifizierte Frauen und ausländische Beschäftigte anlocken.

Außerdem werden sie angehalten, zur Verbesserung der Produktivität ihre Maschinenparks aufzurüsten. Die Rede ist von einer „Roboter-Revolution“. Das Gesundheitswesen soll zu einer Boombranche ausgebaut werden. Änderungen sind auch für den umgerechnet knapp eine Billion Euro schweren staatlichen Pensionsfonds geplant, um mehr Geld in den Aktienmarkt zu lenken (mehr hier).

Nach Expertenschätzungen könnten die Projekte das Wirtschaftswachstum, das derzeit bei etwa 0,5 Prozent liegt, um 0,2 bis 1,5 Punkte beschleunigen. Doch das werde zehn bis 20 Jahre Zeit brauchen, sagte Kenji Yumoto von der Forschungseinrichtung Japan Research Institute. Vorhaben müssten zunächst noch in Gesetze gegossen und dann umgesetzt werden.

Abe setzt in der nach ihm benannten aggressiven Wirtschaftspolitik („Abenomics“) nach eigenen Worten drei „Pfeile“ ein. Zu einer extrem expansiven Geldpolitik der Notenbank und schuldenfinanzierten staatlichen Konjunkturprogrammen kommen als dritter Pfeil nun die Strukturreformen. Bereits vor einem Jahr hatte der Regierungschef ein erstes Bündel präsentiert, das an der Börse allerdings auf Enttäuschung gestoßen war.

Auch diesmal fasst Abe heiße Eisen noch nicht oder nur mit großer Vorsicht an. Die anfangs ambitionierte Agrarreform etwa wurde nach scharfem Protest der mächtigen Landwirtschaftsindustrie zurückgestutzt. Die ebenfalls heikle Debatte über eine Aufweichung des Kündigungsschutzes ist noch nicht ausgefochten. „Abes Wachstumsstrategie vom ‚Dritten Pfeil‘ kommt mir eher wie ein Dartpfeil vor und nicht wie ein echter“, sagte Volkswirt Naoki Iizuka von Citigroup Global Markets. „Ich hoffe, er wird noch mutigere Pläne vorlegen.“

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