Baustoff-Industrie fordert mehr Investitionen für Infrastruktur

Die deutsche Baustoff-Industrie produziert so viel wie zuletzt vor drei Jahren. Dennoch fordert der Verband mehr Ausgaben vom Bund für Straßen, Schulen und Krankenhäuser. Die Befürchtung vom Auftragsmangel aufgrund des milden Winters hat sich in der Bauindustrie nicht bestätigt.

Die deutsche Baustoffindustrie setzt dank starker Geschäfte im Wohnungsbau auf das größte Produktionsplus seit drei Jahren. Die Firmen dürften 2014 mindestens drei Prozent mehr herstellen als im Vorjahr, teilte der Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden (BBS) am Mittwoch mit. 2012 und 2013 hatte es noch jeweils ein Produktionsrückgang gegeben. Nun hofft die Branche vor allem auf einen Anstieg der Investitionen im Wohnungsbau von rund vier Prozent. Der Verband forderte zudem von der Politik mehr Ausgaben der öffentlichen Hand für Straßen, Schulen und Krankenhäuser. „Der Staat betreibt die Infrastruktur auf Verschleiß“, sagte BBS-Präsident Andreas Kern.

Auch das deutsche Bauhauptgewerbe setzt auf gute Geschäfte und visiert für 2014 ein deutliches Umsatzplus von 4,5 Prozent an. Nach den ersten vier Monaten lagen die Erlöse wegen des milden Winters gut 20 Prozent über dem Niveau des Vorjahreszeitraums, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Allein im April stieg der Umsatz um neun Prozent, die Aufträge legten um 4,5 Prozent zu.

Die Befürchtung, dass ein Großteil des Auftragsbestandes aufgrund der milden Temperaturen schon in den ersten drei Monaten des Jahres abgearbeitet wurde, ist – wie der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie erwartet hat – nicht eingetreten. Im Gegenteil – aufgrund der guten Auftragslage sind die Bestände weiter gestiegen: Die Betriebe mit 20 und mehr Beschäftigten meldeten für Ende März Auftragsbestände in Höhe von 27,8 Mrd. Euro, das war der höchste März-Wert seit 1999. Im April kamen noch neue Aufträge hinzu – der Auftragseingang stieg um nominal 6,1 Prozent (real: 4,5 %). Für den gesamten Zeitraum Januar bis April lag die Ordertätigkeit um 7,4 Prozent über dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum (real: + 5,7 %), meldet die Deutsche Bauindustrie.

Die Konjunktur zog im April in sämtlichen Bausparten weiter an: Das beste Gesamtergebnis wies der Wohnungsbau aus, dessen Umsätze und Auftragseingänge um 11,0 Prozent bzw. 15,4 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats lagen (Jan.-Apr.: + 23,0 % bzw. + 14,7 %). Auch die Genehmigungen sind in den ersten vier Monaten gestiegen: Die Zahl der neuen Wohnungen in Wohngebäuden lag insgesamt um 7,4 Prozent über dem Vorjahreswert, im Mehrfamilienhausbau sogar um 14,8 Prozent.

Gut abgeschnitten hat auch der Öffentliche Bau: Die Gebietskörperschaften haben nicht nur offene Rechnungen beglichen (Umsatz: + 10,8 %, Jan.-Apr: + 26,6 %), sie haben auch neue Aufträge vergeben: Die Bauunternehmen meldeten für April einen Anstieg des Auftragseingangs von 4,0 Prozent (Jan.-Apr.: + 0,8 %). Einziger Wermutstropfen ist die Entwicklung der Neubaugenehmigungen im Öffentlichen Hochbau (veranschlagte Baukosten): Diese sind in den ersten vier Monaten um 29,4 Prozent gesunken. Dies ist allerdings überwiegend auf einen statistischen Basis-Effekt zurückzuführen: Die Genehmigungen waren im vergleichbaren Vorjahreszeitraum um 88 Prozent gestiegen.

Etwas weniger dynamisch entwickelte sich der Wirtschaftsbau: Die Bauunternehmen meldeten für April einen Anstieg des Umsatzes und des Auftragseingangs von 7,0 Prozent bzw. 3,8 Prozent. Diese unterdurchschnittliche Entwicklung ist aber kein Grund zur Sorge – die Unternehmen sind nach wie vor gut aufgestellt: Für den gesamten Zeitraum von Januar bis April wird ein zweistelliges Umsatz- wie auch Orderplus ausgewiesen (Jan.-Apr.: + 14,9 % bzw. + 10,1 %).

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