Firmen-Übernahmen aus Deutschland auf Vorkrisen-Niveau

Deutsche Konzerne übernehmen so viele Firmen wie zuletzt vor der Finanzkrise 2007. Das Volumen der Übernahmen steigt auf knapp 60 Milliarden Euro. Knapp doppelt so viel wie im Vorjahr. Das wirtschaftliche Umfeld und der internationale Druck machen deutsche Unternehmen mutiger, Fusionen und Übernahmen anzugehen.

Die Vorstände deutscher Großkonzerne trauen sich wieder mehr zu. In diesem Jahr haben Unternehmen aus Deutschland so viel Geld für Firmenkäufe ausgegeben wie zuletzt 2007, kurz vor der großen Finanzkrise. Nach Daten von Thomson Reuters summieren sich die Fusionen und Übernahmen mit deutscher Beteiligung in den ersten sechs Monaten auf 59,1 Milliarden Euro, 49 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. 30,1 Milliarden gaben allein einheimische Firmen für Zukäufe aus, fünf Mal so viel wie vor einem Jahr. „Während 2013 primär ausländische Unternehmen in Deutschland zukauften, hat sich dieser Trend 2014 klar gedreht“, stellt Jens Maurer fest, der das Beratungsgeschäft in Deutschland und Österreich für Morgan Stanley betreut.

Die US-Investmentbank hat sich in der deutschen Rangliste im ersten Halbjahr vom vierten auf den ersten Platz geschoben. Bei den drei größten Transaktionen war Morgan Stanley dabei, zweimal als Berater des Übernahmeziels: als Bayer für mehr als zehn Milliarden Euro die verschreibungsfreien Arzneimittel und Gesundheitsprodukte vom US-Rivalen Merck Inc übernahm, und als sich Volkswagen für 6,6 Milliarden Euro die restlichen Anteile am schwedischen Lkw-Bauer Scania sicherte.

Morgan Stanley hängte damit Goldman Sachs ab, die in der weltweiten Rangliste weiter unangefochten führt, sich aber in Deutschland mit Platz zwei begnügen muss. Weltweit wurden bis Mitte Juni mehr als 16.000 Unternehmen für 1,2 Billionen Euro ge- und verkauft. Die Deutsche Bank, weltweit die Nummer neun, liegt in Deutschland auf Rang drei, knapp vor Rothschild.

Investmentbanker sehen im Aufwärtstrend in Deutschland keine Eintagsfliege. „Das Neue ist: Das Selbstbewusstsein der Manager hat zugenommen. Früher musste es 120 Prozent passen, damit man eine Übernahme machte, jetzt macht man auch Dinge, die nur zu 90 Prozent passen“, sagt Dirk Pahlke vom Fusionsberater Rothschild. „Die Bilanzen sind stark, das Wirtschaftsumfeld günstig, und die Finanzierung kostet fast nichts“, resümiert Christian Kames von Citi. „Das lässt Unternehmen mutiger werden.“ Auch die Reaktion der Aktienmärkte auf Übernahmen bestärke sie, sagt Berthold Fürst, der das Geschäft bei der Deutschen Bank in Deutschland leitet: „In drei Viertel der Fälle steigt der Kurs, und auch der Anstieg selbst ist noch steiler geworden.“

Ein Beleg für die wachsende Stärke heimischer Konzerne sei, dass sich Bayer bei Merck in einem internationalen Bieterprozess durchgesetzt habe, sagt Pahlke. Dazu seien deutsche Konzerne in den vergangenen Jahren meist zu zögernd gewesen. „Die große Zurückhaltung löst sich, die Stimmung für größere Deals ist gut“, stellt Fürst fest. Doch die Bäume wüchsen nicht in den Himmel: „Das ist kein Land, wo man jede Woche eine Zehn-Milliarden-Übernahme sieht.“

Ein Grund für die verstärkte Aktivität ist in den Augen der Fusionsexperten auch der Druck, der sich durch Übernahmen der ausländischen Konkurrenz aufbaut. „In der Gesundheitsbranche läuft eine große Konsolidierungswelle, und auch in der Telekom-Branche wird es weitere Zusammenschlüsse geben“, sagt Kames. So arbeitet der US-Konzern Sprint schon seit längerem am Kauf der Telekom -Tochter T-Mobile US. „In der Industrie und Chemie passiert eher noch zu wenig“, sagt der Citi-Banker. „Das sind zwei Branchen, wo in Zukunft auch viel passieren dürfte.“

In den vergangenen Jahren hatten sich die Investmentbanker in Deutschland mangels Milliarden-Deals mit kleineren Fusionsprojekten über Wasser gehalten. Dieses „Brot-und-Butter- Geschäft“ flaut derzeit ab. Im ersten Halbjahr stand ein Minus von vier Prozent zu Buche, mittelständische Transaktionen machen damit nur noch 15 Prozent des Gesamtvolumens aus. Vor einem Jahr waren das noch 23 Prozent. Investmentbanker Fürst macht den Grund in den steigenden Kursen an den Börsen aus: „Die Aufnahme von Eigenkapital – etwa über einen Börsengang – ist zu einer ernsthaften Konkurrenz zum Verkauf des Unternehmens geworden.“

Kommentare

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  1. Heinrich sagt:

    Richtig, soistes. Wann ist eine Firma eigentlich „deutsch“?

    M.M. nach sollten mindestens die folgenden Kriterien erfüllt sein:

    1. Sitz in Deutschland (nicht unbedingt nur BRDrien).

    2. Deutsche Führung, einschließlich der Einhaltung deutscher Sitten und Sprache.

    3. Überweigende Beherrschung (Anteilseigner) von Deutschen.

    Da bleiben von den „großen“ kaum mehr als eine Handvoll; ansonsten nur der MIttelstand.

    • soistes sagt:

      im mittelstand siehts teils auch schon lustig aus.

      Und in den kommunen verweise ich gern auf die französische Veolia. Aber ist ja alles kein geheimnis. Hier fahren sogar taxis mit riesen werbung von Veolia rum.
      Dabei haben die wasserdichte kontrakte. Machen die z.b. bei der wasserversorgung minus, werden einfach die wasserkosten bei Michel erhöht bis es wieder passt.

      Aber michel guckt ja bild + H4 fernsehen und verschliesst die augen bis zum nächsten fussball.
      Und wählen gehen ist eh blöd. Lieber sportschau gucken und fettbäuchig erklären was der trainer falsch macht :-))

      USW.

  2. soistes sagt:

    mal gut das z.b. Bayer zu 100% eine deutsche firma ist 🙂 Oder sinds nur etwa 20% ? 😉