Apple-Lieferanten AMS und Dialog wollen fusionieren

Die beiden Chip-Unternehmen AMS und Dialog sind jeweils 1,7 Milliarden Euro wert und wollen enger zusammenarbeiten. Eine Fusion steht im Raum. Die österreichische Firma AMS hat einen Monat Zeit, die bindende Offerte von Dialog anzunehmen. Kommt die Fusion zustande, können die Unternehmen ihre größere Eunkaufsmacht ausspielen und bessere Konditionen aushandeln.

In der europäischen Chip-Branche bahnt sich eine Milliarden-Fusion an. Die österreichische AMS spricht mit dem britisch-schwäbischen Chip-Entwickler Dialog Semiconductor über einen Zusammenschluss, wie beide Seiten am Donnerstag bestätigten. Ob es zu einer Fusion kommt, sei aber offen. Beide Unternehmen sind an der Börse jeweils rund 1,7 Milliarden Euro wert. Während AMS (früher Austriamicrosystems) vor allem bei Sensoren stark ist und selbst Chips produziert, entwickelt Dialog Teile für Handy-Ladegeräte und LED-Leuchten. Rund drei Viertel des Umsatzes erwirtschaftet Dialog mit dem iPhone- und iPad-Hersteller Apple, den auch AMS beliefert.

An der Börse honorierten die Anleger die Aussicht auf eine Übernahme: Dialog-Aktien sprangen im Technologieindex TecDax um bis zu 9,6 Prozent auf 26,38 Euro und damit auf den höchsten Kurs seit dreizehneinhalb Jahren. Die an der Schweizer Börse notierten AMS-Papiere stiegen in der Spitze um 7,7 Prozent auf ein Rekordhoch von 156,80 Schweizer Franken.

Geplant sei eine „Fusion unter Gleichen“, hieß es in den Mitteilungen der Firmen. Die Gespräche seien aber noch in einem frühen Stadium. Nach den britischen Börsenregeln, denen Dialog unterliegt, muss sich AMS bis zum 24. Juli entscheiden, ein Angebot für das aus Kirchheim/Teck bei Stuttgart stammende Unternehmen abzugeben oder die Pläne zu begraben. „Es gibt noch eine Menge zu diskutieren“, sagte ein an den Verhandlungen Beteiligter am Donnerstag. Noch geht es nach einem Bericht der FT vor allem ums Geld: Die Führung von Dialog wolle, dass AMS einen Aufschlag von zehn Prozent auf den Kurs biete, während AMS vor allem auf die Synergie-Vorteile setze. Die Unternehmen waren für weitergehende Stellungnahmen nicht zu erreichen.

Einig sei man sich darüber, dass Dialog Semiconductor den künftigen Vorstandschef stelle und AMS den Aufsichtsratschef, berichtete die Zeitung. Dialog wird seit neun Jahren von dem iranischstämmigen Jalal Bagherli geführt. Analysten zufolge sucht AMS derzeit einen neuen Chef. Den Plänen zufolge solle das fusionierte Unternehmen nur noch an der Schweizer Börse notiert sein, hieß es in dem Bericht. AMS sitzt in Unterpremstätten in der Steiermark, ist aber in Zürich gelistet. Offizieller Sitz von Dialog ist London, die Firma ist eine Gesellschaft nach britischen Recht, wird aber aus Baden-Württemberg gelenkt.

DZ-Bank-Analyst Harald Schnitzer sprach von einer Überraschung. „Ein Fusion könnte angesichts sich ergänzender Produkte und Märkte sinnvoll sein“, schrieb er in einer Studie. Gemeinsam hätten AMS und Dialog eine größere Einkaufsmacht und könnten bessere Konditionen mit den Chip-Auftragsherstellern aushandeln. „Abgesehen von der Fusion ist Dialog auch allein auf einem enormen Wachstumspfad.“

Andere Analysten warnten davor, dass das Unternehmen nach einer Fusion noch abhängiger von Apple wäre. AMS profitiert von der großen Nachfrage nach Smartphones und Tablet-Computern. Dafür produzieren die Österreicher etwa optische Sensoren oder Mini-Mikrofone, die zur Spracherkennung wichtig sind. AMS-Chips übersetzen analoge Signale wie etwa die Lichtstärke oder Entfernungen zu Objekten in digitale Informationen.

Dialog erwirtschaftete im vergangenen Jahr umgerechnet 660 Millionen Euro Umsatz, ein Plus von 17 Prozent, und einen Gewinn von 46 Millionen Euro. AMS kam auf 378 Millionen Euro Umsatz und 61 Millionen Euro Gewinn. Auch bei der Bruttomarge liegen die Österreicher mit 52 Prozent vor Dialog mit 39 Prozent.

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