Staatsfonds stärkt Slim bei Telekom Austria-Übernahme den Rücken

Gerüchte über ein Scheitern des kürzlich geschlossenen Aktionärspakt zwischen America Movil und der Telekom Austria erweisen sich als falsch. Der Staatsfonds ÖIAG hat die Partnerschaft als intakt bezeichnet. Die jüngsten Zukäufe der Telekom Austria sind von America Movil-Chef Carlos Slim abgesegnet.

Der staatliche Telekom-Austria -Großaktionär ÖIAG hält den Aktionärspakt mit dem mexikanischen Milliardär Carlos Slim entgegen anderslautender Medienberichte für intakt. „Die Partnerschaft zwischen ÖIAG und America Movil wird selbstverständlich weitergeführt, gerade jetzt braucht die Telekom Austria eine stabile Aktionärsstruktur“, sagte ein ÖIAG-Sprecher am Donnerstag. Slim will über seinen Konzern America Movil die Mehrheit an der Firma kaufen. Ein Übernahmeangebot läuft noch bis 10. Juli.

Zuvor hatte das Nachrichtenmagazin News berichtet, Slim könnte den erst vor kurzem geschlossenen Aktionärspakt mit der ÖIAG wieder aufkündigen. Die Telekom Austria hatte am Mittwochabend eine 400 Millionen Euro schwere Abschreibung bei ihrer bulgarischen Tochter angekündigt, die dem Konzern hohe Verluste einbrockt. Firmenchef Hannes Ametsreiter sagte der Zeitung Kurier, America Movil habe „keine negativen Aussagen in die Richtung eines Ausstiegs“ gemacht. Der Aktionärspakt sichert den beiden Großaktionären die Kontrolle über rund 55 Prozent der Telekom-Aktien.

Die Telekom Austria hat ihre Investoren wegen schlechterer Aussichten für die bulgarische Tochter Mobiltel und höherer Kapitalkosten für das laufende Geschäftsjahr auf hohe Verluste eingestellt. Das werde bereits zum Halbjahr negativ auf den Nettogewinn sowie das Eigenkapital durchschlagen. Auch im Gesamtjahr dürfte das Übernahmeziel des mexikanischen Milliardärs Carlos Slim damit rote Zahlen schreiben: Analysten hatten – ohne die Abschreibung – zuletzt einen Jahresgewinn von gut 130 Millionen Euro erwartet. Dennoch bekräftigte das Unternehmen seine Dividendenprognose von fünf Cent je Aktie für 2014.

Die Telekom begründete den massiven Wertverlust zum einen mit schlechteren Aussichten für den bulgarischen Markt, der etwa die Hälfte der Abschreibung ausmache. Ohne strukturelle und politische Reformen werde das Wirtschaftswachstum in dem Land – dem zweitwichtigsten Markt für den Konzern nach Österreich – schwach bleiben. „Die Erwartung des Managements, dass sich die Region mittelfristig erholen wird, ist somit nicht länger haltbar“, hieß es in der Mitteilung.

Die zweite Hälfte der Wertminderung führte die Firma auf höhere Kapitalkosten zurück: Sie seien durch die volatile Entwicklung der Telekom-Aktie im Vergleich zum vierten Quartal 2013 um ein Fünftel gestiegen – was sich ebenfalls negativ auf den Firmenwert der bulgarischen Tochter ausgewirkt habe. Dieser liege nach der Abschreibung noch bei 680 Millionen Euro, sagte ein Sprecher.

Andere südosteuropäischen Töchter der Telekom sind von den Schritten nicht betroffen. Der Konzern ist neben Bulgarien auch in Kroatien, Weißrussland, Slowenien und Serbien vertreten.

Telekom Austria verstärkt ihr Osteuropa-Geschäft zudem mit einem Zukauf in Mazedonien. Dort werde für einen zweistelligen Millionenbetrag der Kabelanbieter blizoo vom schwedischen Finanzinvestor EQT übernommen, kündigte Telekom-Chef Hannes Ametsreiter am Montag an. Telekom Austria könne in dem Land nun neben Festnetz und Mobilfunk auch Breitband und Fernsehdienste anbieten. „Das ist ein weiterer Schritt in Richtung Vergrößerung. Wir erschließen uns damit neue Marktsegmente“, sagte Ametsreiter. Das profitable Unternehmen erwirtschaftete zuletzt einen Jahresumsatz von zehn Millionen Euro. Ein Abschluss der Transaktion sei in den nächsten Wochen geplant.

Der Schritt steht im Einklang mit der vom mexikanischen Großaktionär Carlos Slim angekündigten Wachstumsstrategie. Slim will die Telekom Austria künftig als Plattform für weitere Zukäufe in Osteuropa nutzen.

Zu weiteren Wachstumsschritten unter der Schirmherrschaft von Slim hielt sich Ametsreiter bedeckt. „Wir schließen nie etwas aus, aber wir kündigen auch nie etwas an. Wir werden sehen, was kommt. Wir sehen uns alle Möglichkeiten in der Region an.“ Im Fokus stünde dabei weiterhin das Wachstum in bereits bestehenden Märkten, um Festnetz, Mobilfunk und Breitband aus einer Hand anbieten zu können.

 

Mehr zum Thema
Carlos Slim peilt mit Telekom Austria weitere Übernahmen in Europa an

Arbeiterkammer klagt nicht gegen Übernahme der Telekom Austria

> America Movil will Einfluss bei Telekom Austria erhöhen

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *