Wachstum in Großbritannien regt Mittelstand zu Investitionen an

Britische Firmen befeuern mit Investitionen den Boom in Großbritannien. Das Wachstum der Wirtschaft beträgt 3,0 Prozent. Das britische Pfund ist stark bewertet. Zudem könnte die Bank of England schon im Dezember die Zinsen wieder erhöhen.

Investitionen befeuern den Wirtschaftsaufschwung in Großbritannien weit stärker als bislang gedacht. Die entsprechenden Ausgaben der Firmen legten von Januar bis März zum Vorquartal um fünf Prozent zu, wie aus den am Freitag veröffentlichten aktualisierten Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt hervorgeht. Das ist der größte Zuwachs seit zwei Jahren. In einer ersten Schätzung waren 2,7 Prozent veranschlagt worden.

Damit waren die Investitionen zu Jahresbeginn neben dem Konsum die zweite Säule des Wachstums. Auch die Wirtschaft legte zu. Der BIP-Zuwachs wurde auf 3,0 von 3,1 Prozent revidiert ist der höchste Wert seit 2007.

Trotz eines Immobilienbooms und brummender Wirtschaft hält die Bank of England den Leitzins weiter auf dem historisch niedrigen Niveau von 0,5 Prozent. Notenbankchef Mark Carney ließ in einem BBC-Interview offen, wann die Zinswende eingeläutet werden soll. Wenn der Zeitpunkt gekommen sei, werde es „begrenzte“ Schritte nach oben geben, bekräftigte er. Zugleich dürften die Zinsen auf mittlere Sicht wohl nicht mehr auf das Vorkrisenniveau von fünf Prozent steigen. „Das alte Normalmaß ist wahrscheinlich nicht mehr das neue“, sagte Carney. Er verwies auf Projektionen der Zentralbank, die für 2017 ein Zinsniveau von 2,5 Prozent vorsehen.

Im Gegensatz zur Euro-Zone dürften die Zinsen in Großbritannien schon bald wieder steigen. „Es könnte schneller gehen als von den Märkten derzeit erwartet“, sagte Notenbankchef Mark Carney vor Vertretern der Londoner Finanzwelt. Anleger erwarten den Schritt allerdings nun bereits im Dezember.

Die BOE setzt sich damit klar von der Europäischen Zentralbank ab. Die EZB hatte ihren Leitzins jüngst auf das Rekordtief von 0,15 Prozent gesenkt und ein Bündel von Maßnahmen angekündigt, um der Euro-Wirtschaft weiter auf die Beine zu helfen. Die US-Notenbank Fed fährt ihre Konjunkturspritzen ebenfalls Schritt für Schritt zurück. „Seit gestern Abend scheint die BoE gegenüber der Fed, was Zinserhöhungen angeht, die Nase leicht vorn zu haben“, sagte Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz.

Carney begründete seine Einschätzung am Donnerstagabend damit, dass es bislang wenig Anzeichen für die eigentlich erwartete Verlangsamung des Wirtschaftswachstums im zweiten Halbjahr gebe. Diese Äußerungen kommen überraschend. Denn bisher hatte er stets betont, die britische Wirtschaft sei noch weit davon entfernt, auf vollen Touren zu laufen.

„Die geänderte Tonlage ist spürbar, rekordniedrige Zinsen sind zunehmend unnötig.“ Zuletzt war die Arbeitslosigkeit auf den tiefsten Stand seit fünf Jahren gefallen.

Die britische Währung ist auf einem starken und stabilen Kurs. „Das war genau das, was das Pfund noch gebraucht hatte“, sagte Commerzbank-Experte Karpowitz zu Carneys Rede.

Die Aussicht auf steigende Zinsen und strengere Regeln zur Kreditvergabe schickte die Aktien britischer Baufirmen auf Talfahrt. Finanzminister George Osborne hatte angekündigt, er wolle der Notenbank mehr Macht geben, damit diese die Vergabe von Hypothekenkrediten begrenzen könne. Die britischen Immobilienpreise sind im vergangenen Jahr um elf Prozent gestiegen und haben damit die Furcht vor einer Blase genährt.

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