Passat soll Premium-Modell von VW werden

VW buhlt mit neuem Passat um Kunden von BMW und Mercedes. Die Konkurrenz bei Klein- und Mittelklassewagen ist in den vergangenen Jahren gewachsen. Die Rendite pro verkauften Volkswagen sinkt. Mit dem neuen Passat soll sich das ändern.

Volkswagen plant einen neuen Angriff auf die Premiumhersteller BMW und Mercedes : Wenn Konzernchef Martin Winterkorn am Donnerstag in Berlin den VW Passat in achter Generation enthüllt, soll aus dem früheren Brot- und Butterauto die neue „Business-Class“ der Wolfsburger werden. Während sich die Oberklassehersteller BMW und Mercedes-Benz immer mehr im Kompaktsegment breit machen, dreht der Golf-Erfinder den Spieß um. VW will der Konkurrenz Kunden abjagen, die bisher einen 3er von BMW oder die C-Klasse von Mercedes gekauft haben. Sogar die darüber liegende Oberklasse der beiden süddeutschen Hersteller hat VW mit dem Passat im Visier. Versuche in diese Richtung gab es schon mehrfach: Schon vor Jahren sollte der Passat mit Sechszylindermotor und sportlicher Coupe-Karosserie betuchte Kunden anlocken.

Volkswagen ist zu dem Vorstoß in die Oberklasse gezwungen, denn in der schrumpfenden Mittelklasse hat die Konkurrenz in den vergangenen Jahren stark zugenommen (mehr hier). Immer mehr Anbieter wollen dem Platzhirsch Kunden abjagen: Ford führt gerade mit der Modellbezeichnung „Vignale“ in Europa eine Premium-Version ein. Den Anfang einer neuen Serie bei dem US-Konzern soll der Mittelklassewagen Mondeo machen – ein direkter Konkurrent des Passat. Die GM -Tochter Opel zielt mit dem Insignia auf die gleiche Klientel. Auch Hyundai feiert mit dem i40 Verkaufserfolge. Renault bringt im nächsten Jahr den Nachfolger des Laguna. „Um nicht zwischen den Konkurrenten zerrieben zu werden, muss VW den Passat höher positionieren“, sagt Stefan Bratzel, der das Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach leitet.

Mit der Höherstufung fordert VW zugleich die eigene Tochter Audi heraus: Die Ingolstädter wetteifern seit Jahren mit BMW und Mercedes um die Krone im Premiumsegment. Ein neuer Konkurrent aus dem eigenen Haus könnte der Marke mit den Ringen dabei das Leben schwer machen, meinen Experten. Audi selbst hebt hervor, dass der Passat im Baukastensystem des Konzerns auf einer anderen Plattform basiere und sich die Konkurrenz daher in Grenzen halten werde.

Der Konzern heizt den Wettbewerb zwischen seinen eigenen Marken schon seit längerem an, um deren Konkurrenzfähigkeit zu steigern. Mit der stärkeren Ausrichtung auf die Oberklasse stelle die Kernmarke VW nun den Abstand zu Skoda in der internen Hierarchie wieder her, sagen Konzerninsider. Die tschechische Schwester, die traditionell im Marktsegment der zuverlässigen Autos zu erschwinglichen Preisen antritt, hatte sich in den vergangenen Jahren mit anspruchsvollerem Design und aufwändigeren Materialien emporgearbeitet und fährt Verkaufsrekorde ein. Die spanische VW-Tochter Seat hat die jüngere Kundschaft im Blick.

Kritiker werfen den Wolfsburgern allerdings vor, sich zu verzetteln. VW müsse sich über die Richtung klar werden. „Auf der einen Seite will man Premiumanbieter sein, auf der anderen Seite die breite Masse abdecken. Und demnächst soll auch noch ein Billigauto auf den Markt kommen“, sagt Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer, der das CAR-Center an der Uni Duisburg-Essen leitet. „Wozu hat VW denn so viele Marken?“ Dudenhöffer bemängelt, dass Volkswagen seine Marken nicht klar voneinander abgrenze. Als Beispiel dafür, dass das Autoimperium keine klare Linie habe, führt Dudenhöffer den VW Phaeton an. Bereits mit diesem Modell habe VW die Oberklasse erobern wollen. Von vielen werde der Phaeton jedoch nur als ein höherwertiger Passat wahrgenommen.

Dank des modularen Querbaukastens für Autos mit quer eingebauten Motoren, auf dem bereits der A3 von Audi, der VW Golf, der Seat Leon und der Skoda Octavia basieren, kann sich Volkswagen eine größere Vielfalt leisten. Die neue Bauart setzt VW auch beim Passat ein. Beim Baukastensystem sind der Fahrzeugboden, die Achsen und die Einheit aus Motor und Getriebe so ausgelegt, dass sie nicht nur für einen Autotyp passen, sondern für mehrere Modelle und über die Grenzen der Marken hinweg verwendet werden können. Dadurch kann VW verschiedene Varianten eines Modells anbieten, ohne dass die Ingenieure ein Auto von Grund auf neu entwickeln müssen. Gleichzeitig sollen die Kosten dadurch um mindestens ein Fünftel sinken.

Damit schlägt VW zwei Fliegen mit einer Klappe: Der neue Passat soll zu einem Einstiegspreis angeboten werden, der nicht wesentlich über den gut 25.000 Euro des Vorgängermodells liegen soll. Trotzdem will VW mit dem Auto mehr Geld verdienen, weil die Kosten sinken – und die Käufer für neu entwickelte Zusatzausstattungen wie Systeme zum autonomen Fahren und zum automatischen Parken bezahlen sollen.

Kommentare

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  1. Just for fun sagt:

    Wenn einem die klare Sicht durch die Überheblichkeit eines selbsternannten
    „Premium-Herstellers“ verstellt ist, kommt man auf solche schräge Gedanken.
    Anstatt sich früherer Tugenden zu besinnen, als da sind:

    Qualität,
    Zuverlässigkeit,
    Preiswürdigkeit,
    Kundenbindung,

    glaubt man, die automobile Realität hinter den Fassaden potemkin´scher
    Dörfer verstecken zu können.
    This will go in the trousers ( wie der geneigte Denglishman sagen würde )