Nutzfahrzeug-Zulassungen im Mai EU-weit gestiegen

Die Neuzulassungen bei Nutzfahrzeugen sind im Mai um knapp 11 Prozent gestiegen. Die Branche hat sich von den strengeren Abgasvorschriften erholt. Ein Risiko bleibt die Festsetzung der Maut für LKW auf deutschen Bundesstraßen. Das Geschäftsklima der Logistikbranche verbesserte sich jedoch im zweiten Quartal.

Der Absatz neuer Nutzfahrzeuge in der EU ist im vergangenen Monat deutlich gestiegen. Der Herstellerverband ACEA teilte am Freitag mit, die Neuzulassungen seien im Mai um 10,8 Prozent auf 151.484 gestiegen. Seit Jahresbeginn habe sich ein Zuwachs von 9,1 Prozent auf 746.678 Stück ergeben. Der Absatz von LKW sei im Mai gesunken, während bei leichten Nutzfahrzeugen und Bussen Zuwächse erzielt worden seien. Mit Ausnahme Frankreichs hätten alle großen Märkte deutliche Zuwächse verzeichnet, teilte der Verband mit.

Der Markt für schwere Nutzfahrzeuge sei in Westeuropa in diesen Jahr bereits um drei Prozent gewachsen, in China belaufe sich das Plus auf vier Prozent, und der US-Markt habe bis Mai gar zweistellig zugelegt, erklärte der Verband der Automobilindustrie (VDA) am Donnerstag in Frankfurt. „Auch in Deutschland ist der bisherige Jahresverlauf sehr erfreulich“, sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann. Die Neuzulassungen seien ewachsen – obwohl durch die Einführung strengerer Abgasvorschriften im vergangenen Jahr der Schlussverkauf von Lastwagen mit der geringeren Stufe V boomte. Wegen dieses Effekts werde sich das Wachstumstempo im Lauf des Jahres abschwächen, sagte Wissmann.

Auf längere Sicht rechnet die Unternehmensberatung AT Kearney mit einem weltweiten Marktwachstum von knapp fünf Prozent bis 2030. Die Struktur des Marktes werde sich jedoch verschieben, erklärte Götz Klink, Partner von AT Kearney. Nach einer Studie der Berater müssen sich die derzeit dominanten westlichen Hersteller Daimler, Volvo, Volkswagen und Paccar auf zunehmende Konkurrenz aus Asien einstellen. Zwei bis vier der bisher kleineren regionalen Anbieter stiegen wahrscheinlich zu globalen Konzernen auf, darunter Dongfeng aus China. Der bisher sehr zersplitterte Lkw-Markt werde ein Stück weit durch Übernahmen konsolidiert, erklärte Klink.

Mit Blick auf die Pläne zur Ausweitung der Lkw-Maut auf Bundesstraßen fordert der VDA, zunächst die selbe Mauthöhe festzulegen wie für Autobahnen (mehr hier). Das Wegekostengutachten, das die Basis für die Höhe der Maut ist, habe zwar höhere Kosten pro Lkw-Kilometer ergeben. Sollte dies eins zu eins herangezogen werden, müsste auf Bundesstraßen eine doppelt so hohe Gebühr wie auf Autobahnen gezahlt werden. „Damit schadet man den strukturschwachen Regionen in unserem Land“, sagte Wissmann.

Ein Thema, das die Branche umtreibt, sind mögliche Auflagen zum Abbau der Kohlendioxid-Emissionen bei schweren Nutzfahrzeugen. Den Plänen der EU, nach Pkw und kleinen Nutzfahrzeugen auch für Brummies Grenzwerte festzulegen, steht die Branche kritisch gegenüber. Die Hersteller reduzieren bereits unter dem Druck der hohen Kraftstoffkosten den Verbrauch. „CO2-Reduktionen werden kommen, das fordert der Kunde“, sagte Anders Nielsen, Vorstandschef von MAN Trucks & Bus.

Deutsche Logistik-Wirtschaft gewinnt an Schwung

Nach einem leichten Dämpfer zum Jahresanfang nehmen die deutschen Logistik-Firmen wieder Tempo auf. Das Geschäftsklima verbesserte sich im zweiten Quartal, wie die Bundesvereinigung Logistik (BVL) am Montag mitteilte. Das vom Kieler IfW-Institut berechnete Stimmungsbarometer stieg um gut acht auf 138,8 Punkte. Während die Lage kräftig anzog, legten die Geschäftsaussichten nur noch leicht zu. BVL-Chef Raimund Klinkner sprach von einem guten Ergebnis, warnte aber auch: „Wenn Lage, Klima und Erwartungen nahe beieinander liegen, so kann das ein Signal für das Erreichen eines Wendepunktes sein.“

Denkbare Auslöser dafür gebe es einige, sagte Klinkner. Die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns 2015 (mehr hier), die Rentenbeschlüsse der Regierung (hier) und „eine aus der Ukraine in die russische Wirtschaft wirkende politische und wirtschaftliche Krise“ (hier). Die meisten von der BVL befragten Logistiker erwarten von dem Konflikt in Osteuropa derzeit allerdings keine dauerhaft negativen Effekte für das eigene Geschäft.

Der Verband fordert zudem, überlange Lkw zuzulassen. Die Transportkapazitäten würden damit erhöht, sagte Wissmann. „Das spart Fahrzeugkilometer und CO2.“

 

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