Elektroindustrie: Export in die Schwellenländer wird zunehmen

Die deutsche Elektroindustrie ist eine der innovationsstärksten Branchen und spielt eine wichtige Rolle als Impulsgeber für Innovationen, sagt Dr. Andreas Gontermann, Volkswirt und Abteilungsleiter beim ZVEI (Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e. V.). Mehr als jeder zehnte Beschäftigte in der Branche beschäftigt sich mit Innovationen.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Wie schätzen Sie die konjunkturelle Lage in Deutschland für 2014 ein?

Dr. Andreas Gontermann: Die deutsche Elektroindustrie ist gut in das Jahr 2014 gestartet. Im ersten Quartal lagen Auftragseingänge, Produktion und Umsatz zwei bis vier Prozent höher als vor einem Jahr. Das Geschäftsklima in der Branche lag im April so hoch wie zuletzt vor zweieinhalb Jahren. Nach leichten Rückgängen in den beiden zurückliegenden Jahren erwartet der ZVEI derzeit für dieses Jahr wieder ein reales Produktionsplus von zwei Prozent.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Ist die Euro-Krise Ihrer Meinung nach vorüber? Wenn nein: Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für den Mittelstand?

Dr. Andreas Gontermann: An den Finanzmärkten hat sich die Lage deutlich entspannt. Es wurden einige Reformen – nicht zuletzt die Bankenunion – auf den Weg gebracht, und der Euroraum hat die Rezession hinter sich gelassen. Gleichwohl verdankt sich ein Großteil der Beruhigung der Intervention der Europäischen Zentralbank. Wichtig ist, die von der Notenbank erkaufte Zeit systematisch dafür zu nutzen, die öffentlichen Haushalte nachhaltig in Ordnung zu bringen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit durch strukturelle Reformen zu stärken. Andernfalls bleibt der Euroraum anfällig.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Welche Innovationen werden in den kommenden Jahren für den Mittelstand besonders wichtig?

Dr. Andreas Gontermann: Die deutsche Elektroindustrie zählt zu den innovationsstärksten Branchen überhaupt. 2013 hat sie 14,7 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung (F&E) bzw. 16,8 Milliarden Euro für Innovationen aufgewendet. 87.000 der branchenweit knapp 840.000 inländischen Beschäftigten sind unmittelbar im Bereich F&E tätig. 7 von 10 Unternehmen bringen regelmäßig Produkt- oder Prozessinnovationen hervor. Ein Drittel des Branchenumsatzes (von insgesamt 167 Mrd. € 2013) wird mit Neuheiten erlöst. Zudem ist die deutsche Elektroindustrie Impulsgeber für mehr als jede dritte Innovation im Verarbeitenden Gewerbe insgesamt. Zu den zentralen Themen zählen u.a. Energie(-effizienz), Gesundheit, Industrie 4.0, Infrastruktur, Mobilität oder Sicherheit.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Welche Absatzmärkte sind für den Mittelstand im Moment besonders attraktiv?

Dr. Andreas Gontermann: Im vergangenen Jahr hat die deutsche Elektroindustrie Produkte und Systeme im Wert von 158 Milliarden Euro exportiert (inkl. Re-Exporte). Inzwischen gehen etwas mehr als ein Drittel der Branchenausfuhren in die Schwellenländer. Ihr Anteil an den gesamten Exporten sollte auch künftig tendenziell weiter zunehmen, zumal China mittlerweile der zweitgrößte Abnehmer deutscher Elektroexporte ist (nach den USA und vor Frankreich). Allerdings werden noch immer knapp zwei Drittel aller Ausfuhren in Europa abgesetzt und ein Drittel im Euroraum. Von der in Aussicht gestellten konjunkturellen Erholung hier sollten also auch die deutschen Elektroexporte profitieren.

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