Ohne qualifiziertes Personal gibt es keinen Fortschritt

Dr. Christoph Niering ist Insolvenzverwalter und Vorsitzender des VID (Verband Insolvenzverwalter Deutschlands e.V.). Qualifiziertes Personal ist der Schlüssel zur Innovationsstärke des deutschen Mittelstandes, sagte er im Interview mit den DMN.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Wie schätzen Sie die konjunkturelle Lage in Deutschland für 2014 ein?

Dr. Christoph Niering: Wir sind verhalten optimistisch. Die Lage ist weiterhin nicht schlecht, aber es zeigen sich immer wieder kleinere Ausschläge nach unten; so ist der Export nun bereits den zweiten Monat hintereinander rückläufig.
Die deutsche Wirtschaft hat es geschafft, sich seit 2010 von der Entwicklung der meisten anderen Volkswirtschaften in Europa abzukoppeln. Ob das anhält, hängt davon ab, ob es den anderen großen EU-Volkswirtschaften gelingt, ihre Probleme in den Griff zu kriegen. Deutschland kann nicht auf Dauer eine konjunkturelle Insel sein.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Ist die Euro-Krise Ihrer Meinung nach vorüber?

Dr. Christoph Niering: Für eine Antwort auf diese Frage ist es noch zu früh. Noch ist das Grundvertrauen der Märkte – und der Bürger – nicht zurück. Die Frage ist jetzt, was geschieht, wenn es zu kleineren Rückschlägen kommt. Solche Rückschläge sind weiterhin möglich, zumal noch offen ist, ob die Reformen in den Krisenländern wirklich nachhaltig sind. Der Euro sollte gerade für den Mittelstand ein Instrument sein, grenzüberschreitendes Handeln zu erleichtern. Das ist sicherlich auch gelungen. Aber die Unternehmen müssen aus den genannten Gründen mit dem Risiko weiterer Rückschläge rechnen. Darauf müssen sie sich entsprechend vorbereiten, um sich damit gewissermaßen ein Stück weit von den Auswirkungen dieser Schwankungen abkoppeln zu können.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Welche Innovationen werden in den kommenden Jahren für den Mittelstand besonders wichtig?

Dr. Christoph Niering: Die Trends sind weltweit weitgehend gleich. Die Stärken des deutschen Mittelstands liegt aber dabei darin, technologisch immer eine Nasenlänge voraus zu sein und sich besser als andere an den Anforderungen der Kunden zu orientieren. Das wiederum kann nur erreicht werden, wenn die Unternehmen das entsprechend qualifizierte Personal dafür haben, und zwar auf technologischem Gebiet ebenso wie beispielsweise in Vertrieb oder Logistik. Und damit sind beileibe nicht nur Hochschulabsolventen gemeint. Angesichts der dramatischen demografischen Verwerfungen liegt hier sicherlich die wichtigste Herausforderung für unsere Unternehmen in den kommenden Jahrzehnten.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Welche Absatzmärkte sind für den Mittelstand im Moment besonders attraktiv?

Dr. Christoph Niering: Neben den bekannten internationalen Wachstumsmärkten ist dies vor allem der deutsche Binnenmarkt. Die Unternehmen sollten daher nicht nur über die Grenzen blicken, sondern im Auge behalten, welche Möglichkeiten sich ihnen hier bieten.

 

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Kommentare

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  1. Rudolf Steinmetz sagt:

    Der gute Nierering ist selber kein Handwerker bzw. hat keine Handwerkslehre am eigenen Leibe erfahren, sonst könnte er nicht so daherdampfplaudern. Die Basis des Handwerks ist Meisterschaft und Hingabe oder Liebe zum Detail – allesamt aussterbende Eigenschaften, weil sie Leistung und Übung verlangen. Deswegen gibt es z.B. hier in München nur noch einen echten (!) Schuster – dessen Kunden kommen sogar aus New York und Tokyo, weil es keine Lehrlinge mehr gibt. Akademiker wie Nierering verstehen das nicht, sie reden wie Blinde von der Farbe. Katastrophe!

  2. Falke sagt:

    „… technologisch immer eine Nasenlänge voraus zu sein…“

    Das ist in der Tat entscheidend. Man muss aber auch sehen: „Die Fähigkeiten, die in der Wirtschaft gebraucht werden, werden in den Schulen und Hochschulen des Bildungswesens, dem Kern und der Quelle des Geistes- und Kulturlebens, entwickelt und ausgebildet. Natürlich werden sie in den Betrieben weiter spezialisiert, setzen aber ihre Grundlegung voraus. Die Wirtschaft lebt also von dem, was im Geistesleben entwickelt worden ist. Und ihre Gewinne sind ohne die in Schulen, Fachhochschulen und Universitäten gebildeten Fähigkeiten der Menschen, ohne die damit entwickelten und konstruierten Maschinen und die Durchrationalisierung der betrieblichen Abläufe nicht denkbar.
    Daher müssten die Unternehmen auch einen Teil ihrer Gewinne direkt an das Geistes- und Kulturleben abgeben, nicht nur als Gegenleistung für das bisher Erhaltene, sondern auch zur Weiterentwicklung des Bildungswesens in der Zukunft, von der die Unternehmen in ihrer eigenen Existenz und Entwicklung selber abhängig sind. “

    Dies umso mehr, als durch die fortlaufenden Innovationen und die damit verbundene zunehmende Automatisierung Personalkosten immer mehr in erheblichem Umfang wegfallen werden, an deren Stelle die Investitionen für die Maschinen nur einen Bruchteil ausmachen….
    „Durch den Über-Fluss des wirtschaftlichen Gewinnes an das Kulturleben können dort in zunehmendem Maße Einkommen für die im Wirtschaftsleben freigewordenen und jetzt nach sozialer und kultureller Fähigkeitsentfaltung strebenden Menschen finanziert werden.”

  3. SoWieSo sagt:

    Es ist doch ganz einfach: Wer die besten Löhne zahlt, bekommt auch das beste Personal. (ist wie im Fußball ,siehe Bayern München).

  4. Harbbauer sagt:

    Na da können wir ja ganz beruhigt sein, wenn es an qualifiziertem Personal liegt, das täglich über unsere Grenzen herein strömt. Die paar Ausnahmen, die uns über Hartz4 nur 5 Milliarden € kosten, werden doch von den eingereisten Spezialisten im Handumdrehen kompensiert.