Marlies Schäfer (VDMA): Mittelstand muss mit großen Unwägbarkeiten leben

Marlies Schäfer ist Pressesprecherin des VDAM (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V.). Industrie 4.0, Ressourceneffizienz, neue Produktionstechniken und Elektromobilität sind für die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer wichtige Themen in den nächsten Jahren.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Wie schätzen Sie die konjunkturelle Lage in Deutschland für 2014 ein?

Marlies Schäfer: Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau ist gut ins Jahr gestartet. Die reale Produktion konnte im ersten Quartal bereits um 2,3 Prozent zulegen. Die Kapazitäten waren im April mit 84,0 Prozent zwar nur unterdurchschnittlich ausgelastet. Doch das sollte sich im Laufe des Jahres noch ändern. Die VDMA-Volkswirte rechnen für die kommenden Monate mit einem zyklisch anziehenden Auftragseingang. Die Prognose für die Produktionsentwicklung für das gesamte Jahr lautet auf plus drei Prozent. Allerdings gibt es weiterhin zahlreiche konjunkturelle Risiken, der Aufschwung wird also moderat verlaufen.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Ist die Euro-Krise Ihrer Meinung nach vorüber? Wenn nein: Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für den Mittelstand?

Marlies Schäfer: Viele Euro-Länder haben gewaltige Fortschritte gemacht, doch die Krise ist noch nicht bewältigt. So ist unter anderem fraglich, wie lange die Reformbestrebungen noch durchgehalten werden. Ein zu frühes Ende würde die noch kleinen Früchte der Reformen schnell verdorren lassen. Die üblicherweise stärker als Großunternehmen auf den europäischen Markt ausgerichteten mittelständischen Maschinenbauunternehmen müssen daher weiterhin mit großen Unwägbarkeiten leben. Da ist es schwer, das richtige Maß für Investitionen zu finden. Sie müssen groß genug ausfallen, um international wettbewerbsfähig zu bleiben, aber nicht zu umfangreich, um auch für schlechtere Zeiten gewappnet zu sein. Außerdem gilt es, sich in der Produktion noch flexibler aufzustellen als das bereits der Fall ist. Nur so kann man gut mit unberechenbaren Schwankungen umgehen.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Welche Innovationen werden in den kommenden Jahren für den Mittelstand besonders wichtig?

Marlies Schäfer: Für die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer stehen folgende Innovationsthemen im Vordergrund in den nächsten Jahren: Das Thema Industrie 4.0. Also der Zusammenschluss von IT, Maschinenbau und Automation. Materialen und Werkstoffe – vor dem Hintergrund von Ressourceneffizienz und Forderungen nach immer mehr Leistungsdichte werden neue Materialien und Werkstoffe eine wichtige Rolle spielen. Neue Produktionstechniken, wie beispielsweise der 3-D-Druck, werden bedeutend für die Maschinenbauindustrie. Darüber hinaus wird das Thema Elektromobilität an Bedeutung zulegen, denn die notwendigen Technologien und Bausteine werden immer besser: Batterie, Leichtbau, E-Motoren. Der Trend „Autonomes Fahren“ wird in der Autoindustrie immer stärker betrachtet, mit technischen Innovationen gepaart. Auch für Mobile Maschinen und in der Logistik könnte dieses Thema immer stärker an Bedeutung gewinnen…

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Welche Absatzmärkte sind für den Mittelstand im Moment besonders attraktiv?

Marlies Schäfer: „Wenn auch aktuell das Geschäft mit den EU-Mitgliedstaaten positiv verläuft, so liegen aber die Zukunftsmärkte für die Branche Maschinenbau in Asien und Afrika. Hier wächst die Bevölkerung rasant und der Industrialisierungsprozess schreitet voran. Zwar ist gerade in Asien das Wachstum nicht mehr so kräftig wie noch vor einigen Jahren, aber diese Länder werden wieder auf einen zweistelligen Wachstumspfad zurückkehren. Gerade für den Mittelstand bietet es sich an, nicht jedem „Modetrend“ zu folgen. So gibt es zum Beispiel in China, unserem weltweit wichtigsten Exportmarkt, einen harten Wettbewerb von internationalen und lokalen Anbietern. Kleine Märkte, wie z.B. die ASEAN-Staaten, sind dagegen überschaubarer und weniger wettbewerbsintensiv und bieten damit Wachstumschancen gerade für mittelständische Unternehmen. Unterschätzt wird bisher noch Afrika, das zwar heute mit einem Anteil von drei Prozent an den deutschen Maschinenexporten eine geringe Bedeutung hat, aber nach wie vor rasant wächst. Hier geht es vor allem darum, eine sorgfältige Marktauswahl zu betreiben. Denn Geld ist gerade in den rohstoffreichen Ländern vorhanden.“

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  1. Werner sagt:

    Wieder ein „deutscher Arbeiter“ (im blauen Anton natürlich ) der mit der Schieblehre die Gasgleihungen zu verstehen sucht . Ha, ha, ha .