Dr. Marc Evers (DIHK): Rente mit 63 wird Personalmangel verschärfen

Marc Evers, Mittelstandsexperte des DIHK (Deutscher Industrie- und Handelskammertag e. V.) hebt im Interview mit den Deutschen Mittelstands Nachrichten die branchenübergreifenden Innovationen hervor. Die wichtigsten Trends sind hier „Industrie 4.0" oder auch „internetbasierte Wirtschaft".

Die Deutschen Mittelstands Nachrichten haben in einer Umfrage Dr. Marc Evers, Mittelstands-Experte der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) nach seiner Einschätzung zur Entwicklung der deutschen Wirtschaft im Jahr 2014 und der Bedeutung von Innovationen für Ihre Branchen befragt.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Wie schätzen Sie die konjunkturelle Lage in Deutschland für 2014 ein?

Dr. Marc Evers: Im Frühsommer 2014 ist die deutsche Wirtschaft in einer guten Verfassung. Das ist vor allem der starken Binnenkonjunktur zu verdanken. Ihre Dynamik überlagert derzeit noch die Störfaktoren. Das ist in erster Linie der nachlassende Schwung bei den Exporten. Vor allem die Geschäfte mit Russland leiden deutlich. Hinzu kommen im Inland die zunehmenden Sorgen der Unternehmen um das Fachkräfteangebot und die Arbeitskosten.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Ist die Euro-Krise Ihrer Meinung nach vorüber? Wenn nein: Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für den Mittelstand?

Dr. Marc Evers: Insgesamt sind in der Krisenbekämpfung deutliche Fortschritte gemacht worden. Spanien. Irland und Portugal haben den Rettungsschirm mittlerweile verlassen. Deutsche Unternehmen haben Europa als Investitionsstandort wieder entdeckt. Der Reformeifer überall in Europa darf aber nicht nachlassen. Denn nach wie vor stellen der Schuldenabbau und die Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit etliche Länder vor große Aufgaben.

Doch auch jenseits der Euro-Krise sind die Herausforderungen für den Mittelstand groß. Fast vier von zehn Unternehmen mit bis zu 500 Beschäftigten sehen ihre Geschäfte schon jetzt durch den Mangel an qualifiziertem Personal beeinträchtigt, wie die aktuelle DIHK-Konjunkturumfrage zeigt. Die abschlagsfreie Rente mit 63 wird die Situation künftig noch verschärfen. Zudem sehen 41 Prozent der heimischen Betriebe die Arbeitskosten als Geschäftsrisiko. Der geplante gesetzliche Mindestlohn verschärft diese Lage besonders in Ostdeutschland. Geschäftsrisiko Nummer eins bleiben die Energie- und Rohstoffpreise, für 44 Prozent der Unternehmen und sogar fast 60 Prozent der Industrieunternehmen ein großes Hemmnis. Die Umfrage basiert auf mehr als 24.000 Unternehmensantworten, davon mehr als 23.000 Einschätzungen mittelständischer Unternehmen.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Welche Innovationen werden in den kommenden Jahren für den Mittelstand besonders wichtig?

Dr. Marc Evers: So vielfältig der Mittelstand in Deutschland ist, so vielfältig sind auch die Innovationen, die in der Zukunft wichtig sein werden. Branchenübergreifende Innovationsfelder sind sicher jene, die man auch als große gesellschaftliche Herausforderungen kennt. Dies sind zum Beispiel der demographische Wandel oder Energie-und Ressourceneffizienz. Eine weitere wichtige Rolle wird für den Mittelstand das Thema Digitalisierung spielen. Schlagworte sind hier „Industrie 4.0“ oder auch „internetbasierte Wirtschaft“.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Welche Absatzmärkte sind für den Mittelstand im Moment besonders attraktiv?

Dr. Marc Evers: Schon traditionell sind die europäischen Märkte beim Mittelstand die begehrteste Export- und Investitionsziele. Die Erholung in der Euro-Zone hat die Bedeutung der Märkte für den Mittelstand aktuell noch gestärkt. Doch auch entferntere Märkte in China und Nordamerika gewinnen für den Mittelstand an Bedeutung. Insgesamt sind auslandsaktive Mittelständler im Schnitt auf 16 Auslandsmärkten aktiv, das ist einzigartig in der Welt. Gefragt sind vor allem Maschinen, Anlagen und andere Investitionsgüter, zunehmend aber auch hochwertige Konsumgüter und medizinische Produkte „Made in Germany“.

 

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Kommentare

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  1. Michael Krispin sagt:

    Fachkraeftemangel gibt es nicht. Es gibt nur schlecht bezahlte Stellen.
    Ich fuehle mich hier im Ausland erstens gerechter entlohnt, zweitens gerechter besteuert und drittens willkommen!
    So einfach kann die Welt sein, und arbeiten macht wieder Spass 😛
    Michael Krispin, Malaysia

  2. vitalmänchen sagt:

    Rente mit 63 wird Personalmangel verschärfen …
    Entweder täuscht er uns vorsätzlich, oder aber er hat das Leben nicht verstanden.
    Bevor ich 63 bin, vergehen noch 13 Jahre. In diesen 13 Jahren können all
    die jungen , arbeitslosen Südeuropäer ausgebildet werden, und wir haben mehr Fachkräfte, als wir überhaupt brauchen.

  3. Klabautermänner überall sagt:

    Es geht ausschließlich um prekäre Arbeitsverhältnisse, die mit aller Gewalt
    bestehen bleiben sollen. Fachkräftemangel ist etwa so realistisch wie
    Wassermangel im Pazifik.
    Mist dass auch die tollen ausländischen Facharbeiter lieber in andere
    Staaten gehen als in diesem Land ihre Haut für peanuts zu Markte zu tragen.

  4. holyowly sagt:

    Aber das ist doch gar kein Problem, Herr Dr. Evers!

    Bedienen sie sich doch einfach aus dem Pool der hochqualifizierten Fachkräfte, die wir hier in Deutschland so offenherzig empfangen.

    Sicher ist für jede Firma das Passende dabei. Veranstalten sie Besuche von Topfirmen in den Aufnahmelagern in Zirndorf und München oder wo auch immer und wählen sie aus einem reichhaltigen Angebot von Fachkräften.
    Es ist mehr drin als gedacht! Sie machen sich schliesslich stark für den Erfolg. Darin sind sie doch praktisch unschlagbar.

    • Syssiphus sagt:

      Bei Analphabeten aus Anatolien und Zentralafrika sehe ich die besten Vorraussetzungen für eine schnelle Qualifikation.Sprachprobleme sollten auch kein Hinderniss sein um aus den Leuten Fachkräfte zu formen.

  5. Ralle de sagt:

    Das verstehe ich nicht !!! , wieso gibt es den soviel Arbeitslose 58 + , wenn der Markt
    ( DIHK ) nach älteren Mitarbeitern schreit. !?

  6. SoWieSo sagt:

    Wer die höchsten Gehälter zahlt, findet auch die besten Mitarbeiter. Das nennt sich Marktwirtschaft. (Ist beim Fußball auch nicht anders – siehe Bayern München).