Stahlkrise: IG Metall ruft im Tarifkonflikt zu Warnstreiks auf

Die Stahlarbeiter in Eisenhüttenstadt, Halberstadt und Dillenburg streiken heute. Die Arbeitgeber haben nach sechs Wochen noch kein Angebot vorgelegt. Die IG Metall fordert für ihre Mitglieder 5 Prozent mehr Lohn. Angesichts der niedrigen Preise in der Stahlindustrie belasten Lohnsteigerungen die Unternehmen zusätzlich. Morgen werden die Streiks in Bochum fortgesetzt.

Die IG Metall hat im Tarifkonflikt der Stahlindustrie für heute (Dienstag) auch in Ostdeutschland zu Warnstreiks aufgerufen. Arbeitsniederlegungen seien unter anderem bei ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt und bei Salzgitter in Halberstadt geplant, teilte die Gewerkschaft mit. „Die Arbeitgeber hatten zu keiner unserer Forderungen ein Angebot“, sagte der Bezirksleiter der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen, Olivier Höbel.

Die IG Metall fordert für die rund 8.000 ostdeutschen Stahlarbeiter wie für die 75.000 im Westen eine Lohnerhöhung von fünf Prozent. Zudem sollen hüben wie drüben die auslaufenden Tarifverträge zur Altersteilzeit und Beschäftigungssicherung verlängert werden. Die Gewerkschaft will auch die Zahl von Werksverträgen eindämmen.

In Düsseldorf waren am Montagabend auch die Verhandlungen für die 75.000 Beschäftigten der nordwestdeutschen Stahlindustrie ohne Einigung zu Ende gegangen. Die IG Metall kündigte danach für Dienstag Warnstreiks bei Outokumpu im hessischen Dillenburg und für Mittwoch bei ThyssenKrupp in Bochum an.

„Es gibt kein Angebot der Arbeitgeber. Ich finde das eine Unverschämtheit“ sagte Giesler. Die IG-Metall-Chef Knut Giesler fordert für die 75.000 Beschäftigen in Nordwestdeutschland eine Erhöhung der Löhne um fünf Prozent.

Die Verhandlungen sollen am 7. Juli in Gelsenkirchen fortgesetzt werden. Giesler schloss nicht aus, dass es danach erstmals seit Jahren in der Branche sogar zu unbefristeten Arbeitsniederlegungen kommt. „Wenn wir nächste Woche nicht durch die Türe kommen, dann wird die nächste Eskalationsstufe gestartet.“ Die Arbeitgeber hätten immer wieder ein Angebot angekündigt, ohne dass es dazu gekommen sei. „Die wissen seit sechs Wochen, was wir wollen.“ Nach dem Auftakt am Dienstag und Mittwoch werde es am Donnerstag Warnstreiks bei ThyssenKrupp in Duisburg geben und am Freitag bei Salzgitter (mehr hier).

Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Helmut Koch, sagte Reuters, dass es am Montag kommender Woche ein Lohn-Angebot geben könnte. Zunächst müsse es aber bei den übrigen Streitthemen mehr Klarheit geben. Die IG Metall will die auslaufenden Vereinbarungen zur Altersteilzeit und zur Beschäftigungssicherung verlängern. Auf Granit beißt sie bei den Arbeitgeber aber vor allem mit ihrer Forderung, die zunehmende Zahl der Werkverträge einzudämmen. Die Gewerkschaft verlangt hier ein Mitspracherecht. Die Arbeitgeber wollen jedoch in dieser Frage die Entscheidungshoheit behalten. „Wir sind grundsätzlich der Meinung, dass wir eine tarifliche Regelung für Werksverträge nicht brauchen. Wenn überhaupt, dann bleibt die Entscheidungsfreiheit beim Unternehmen“, betonte Koch.

Zuletzt hatten die Stahlarbeiter im März 2013 eine Lohnerhöhung von drei Prozent erhalten. Der Tarifvertrag war Ende Mai ausgelaufen. Die Lage der Stahlwirtschaft wird von beiden Seiten unterschiedlich beschrieben. Die klassischen Abnehmerbranchen wie der Maschinenbau sowie die Bau- und Automobilindustrie würden die Nachfrage in den kommenden Monaten und auch im kommenden Jahr beflügeln, hat Giesler erklärt. „Die Konjunkturaussichten für die Stahlindustrie sind keineswegs rosig“, konterte hingegen Koch.

Wegen der niedrigen Preise für Stahl in Europa geraten die großen Konzerne unter Druck. Sie müssen der Konkurrenz aus China standhalten. Zudem ist die Ukraine-Krise ein weiterer Unsicherheitsfaktor für Europa (hier). Die Salzgitter AG belastet zudem die unsicheren Rahmenbedingungen der Energiewende (hier).

 

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  1. Werner sagt:

    „…Die IG Metall fordert für ihre Mitglieder 5 Prozent mehr Lohn…“ Für 0 % mehr Arbeit !
    Vielleicht sollten die Arbeitgeber 5% der Arbeitsplätze abbauen ? ( könnte doch durch durch Erhöhung der Produktivität aufgefangen werden ! )