Erholung auf Europas Automarkt bleibt aus

Der Automarkt in Europa bleibt nach der Krise schwach, die Werke schon sind lange nicht mehr ausgelastet. Dennoch gibt es mehr Werke, als vor der Krise. Der Absatz in den USA steht einer Studie zufolge kurz vor seinem Höhepunkt. Wachstumsmotor bleiben die BRIC-Staaten, von denen deutsche Autobauer abhängig sind.

Europa bleibt für die Automobilindustrie trotz überwundener Krise ein schwieriger Markt. Auch bis 2020 sei nicht mit einer nennenswerten Steigerung der Pkw-Verkäufe zu rechnen, prognostiziert die Unternehmensberatung Alix Partners in einer am Dienstag veröffentlichten Untersuchung. Der Absatz werde in Ost- und Westeuropa weiter in einer Spanne zwischen 18 und 19 Millionen Fahrzeugen verharren, in der er sich seit 2009 bewege.

Damit bleibe die Zahl der verkauften Fahrzeuge etwa ein Fünftel unter der Rekordmarke von 2007. Als Gründe nennen die Autoexperten stagnierende Einkommen und hohe Arbeitslosigkeit wegen ungelöster Probleme in der Euro-Zone (mehr hier). Hinzu komme die generell abnehmende Bedeutung des Autos und die Überalterung der Gesellschaft.

Die Branche scheint daraus jedoch noch keine Lehren gezogen zu haben. Obwohl Experten schon vor längerem die Schließung von Fabriken in Westeuropa empfohlen haben, um die Kapazitäten an die geringere Nachfrage anzupassen (mehr hier), haben erst wenige diesen Rat befolgt.

Weiterhin operieren 57 Prozent der wichtigsten Werke unterhalb der Profitabilitätsschwelle und die durchschnittliche Auslastung verharrt bei 70 Prozent in Europa gegenüber 92 Prozent in Nordamerika. „Hier sind einige Hausaufgaben noch nicht gemacht.“ sagt Jens Wiese, Senior Director und Automobilexperte bei AlixPartners „Um dem weiterhin hohen Preisdruck entgegenzuwirken ist eine Anpassung der Kapazitäten unvermeidlich.“ Die Berater schätzen die Überkapazität in Europa auf rund 2,5 Millionen Fahrzeuge.

Während die Automobilindustrie in den USA die Zahl der Montagewerke unter dem Strich um zehn verringert habe, lasse die europäische Konkurrenz ihre Fabriken lieber offen und hoffe auf ein Anziehen der Konjunktur, stellen die Verfasser der Studie fest. Insgesamt gebe es heute in Gesamteuropa sogar ein Automobilwerk mehr als vor Ausbruch der Krise.

Wachstumsimpulse wird es laut der Studie vor allem weiterhin aus den BRIC-Staaten – Brasilien, Russland, Indien und China – geben. Allein China, wo heute ein Viertel des weltweiten Automobilabsatzes erfolgt, wird in den nächsten fünf Jahren für ein jährliches Wachstum von 6,3 Prozent sorgen (mehr hier). Obwohl sich das Automobilwachstum auch in China verlangsamt, behält der Markt nach wie vor eine hohe Attraktivität: Die Mehrheit der Automobilhersteller wird dort in Zukunft ein Drittel bis zur Hälfte ihres Umsatzwachstums generieren.

Während in den USA schon bald eine maximale Automobilisierung erreicht sein wird (hier), könnten sich in China vor allem staatliche Auflagen als Hemmschuh erweisen. Dabei spielen sowohl die hohe Luftverschmutzung in Chinas Städten als auch protektionistische Maßnahmen zur Förderung der heimischen Branche eine Rolle. In Brasilien bremsen steigende Inflation und Steuern sowie der schwächere Real aktuell das Wachstum, während die Situation in Russland davon abhängt, wie sich das Verhältnis zum Westen vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise entwickelt. Indien, so die Studie, konnte Wachstumserwartungen in der Vergangenheit nicht erfüllen und wird auf absehbare Zeit ein Markt für Niedrigpreis-Fahrzeuge bleiben.

Weltweit strengere Emissionsstandards zwingen die Branche zu weiteren Innovationen. Um Verbrauch und CO2-Ausstoß zu verringern, reduzieren die Hersteller den Hubraum und senken das Gewicht der Fahrzeuge. Dabei zeichnet sich ab, dass zukünftig vor allem leichtere Werkstoffzusammensetzungen verwendet werden. So wird in den Klein- und Mittelklassefahrzeugen vermehrt hochfester Stahl zum Einsatz kommen, während das teurere Aluminium vermehrt in den C- und D-Segmenten verarbeitet wird; in Oberklasse-Fahrzeuge werde dafür der Anteil an Hightech-Materialien wie Magnesium und Kohlefasern steigen.

Der Anteil von Elektroautos am Absatz aller Automobile machte 2013 weltweit nur 0,5 Prozent aus. Einem großen Interesse vor allem seitens umweltbewusster Verbraucher stehen nach wie vor hohe Kosten und geringe Reichweite gegenüber (hier). „Von Seiten der meisten Regierungen ist die angekündigte Unterstützung der Elektromobilität bislang ausgeblieben. Ziele wie die eine Million Elektrofahrzeuge, die in Deutschland bis zum Jahr 2020 zugelassen sein sollen, werden nur durch massive Förderprogramme erreicht“, sagt Wiese. Hinzu kommt, dass Europa gerade bei der Produktion effizienter Batterien momentan noch weit hinter Asien zurück liegt (mehr hier).

Die Konzentration im Bereich der Automobilzulieferer, vor allem bei den Tier 1-Lieferanten, hat weiter zugenommen. Schon heute entfallen auf die größten 25 Prozent der Zulieferer rund 80 Prozent von Umsatz und Gewinn (hier). „Zulieferer können ihre Marktanteile künftig nur noch schwer erhöhen; hier sind sie fast schon an natürliche Grenzen gestoßen“ sagt Elmar Kades.

Die zunehmende Konsolidierung führe auch zu einer Zunahme der Preisabsprachen – dies spiegele sich auch in Kartellverfahren: Über 4,5 Milliarden EUR Strafzahlungen mussten Zulieferer in Europa, den USA und Japan in den vergangenen fünf Jahren leisten. Berechnungen zeigen, dass mittlerweile 25 bis 30 Prozent der Materialkosten eines Fahrzeugs von Preisabsprachen betroffen sein können (hier).

Kommentare

Dieser Artikel hat 2 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  1. Märchenstunde sagt:

    Und wenn die gesamte Gesundbeterei nicht hilft,
    was sie sicherlich auch nicht tun wird,
    pilgern wir alle nach Lourdes, stellen ein paar
    Kerzchen für die Jungfrau Maria auf und hoffen
    auf himmlischen Beistand.
    Und wenn sie nicht gestorben sind………..

  2. Werner sagt:

    „…Europa bleibt für die Automobilindustrie trotz überwundener Krise ein schwieriger Markt…“

    Naja , vor vielen Jahren war zu lesen dass Europa eine Überkapazität von 30 % im Automobilbau hat . Der verschwindet nicht so einfach über Nacht !