Arbeitsmarkt-Belebung geht an Langzeitarbeitslosen vorbei

Langzeitarbeitslose sind in den ersten 6 Monaten vom Mindestlohn ausgeschlossen. Das setzt sie der Hire-and-Fire-Strategie aus. Die Belebung am Arbeitsmarkt geht an ihnen vorbei. Die Zahl der Arbeitslosen fällt im Juni um 49.000 auf 2,83 Millionen. Das entspricht einer Quote von 6,5 Prozent und ist der niedrigste Stand seit der Wiedervereinigung.

Die Bundesregierung will künftig mehr für Langzeitarbeitslose tun. Der Deutsche Gewerkschaftsbund kritisierte, dass diese Gruppe in den ersten sechs Monaten vom gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro ausgenommen werden soll. Da anfangs kein Kündigungsschutz gelte, „droht der Drehtüreffekt durch Hire and Fire: So könnte ein Langzeitarbeitsloser nach einem halben Jahr durch den nächsten ersetzt werden“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell. Die BA legte nahe, dass sich der flächendeckende Mindestlohn eher wenig auf den Arbeitsmarkt auswirken dürfte. Wegen der guten Konjunktur erwartet die Nürnberger Behörde für 2014 kein Defizit. Sie rechnet aber auch nicht mit einem großen Überschuss.

Die Belebung am Arbeitsmarkt geht an den Langzeitarbeitslosen vorbei. Im Juni sank die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Mai um 49.000 auf 2,83 Millionen, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Dienstag mitteilte. Der Rückgang fiel damit geringer aus als üblich. BA-Chef Frank-Jürgen Weise begründete dies mit dem milden Winter. Die Arbeitslosigkeit sei zu Jahresanfang nicht so kräftig gestiegen wie sonst und gehe deshalb nun auch nicht so stark zurück.

Dies dürfe man aber nicht als Ernüchterung verstehen, sondern eher als „realistische Einschätzung der Wirtschaftslage“, sagte Weise. Denn die Beschäftigung lege weiter zu, aber nicht mehr so stark wie in den vergangenen Jahren. Insgesamt sei die Nachfrage der Firmen nach Arbeitskräften auf gutem Niveau. Gesucht würden vor allem Verkäufer sowie Beschäftigte in der Metall- und Elektroindustrie, in Maschinenbau, Gastgewerbe und Gesundheitssektor.

Nahezu Vollbeschäftigung gibt es in Bayern und Baden-Württemberg, wo die Arbeitslosenquote bei 3,5 beziehungsweise 3,8 Prozent liegt. Bundesweiter Spitzenreiter ist Eichstätt, wo nur gut ein Prozent der Menschen als arbeitslos registriert sind.

Berlin hat mit elf Prozent die höchste Arbeitslosigkeit. Deutschlandweit liegt die Quote bei 6,5 Prozent und damit auf dem niedrigsten Wert, den es seit der Wiedervereinigung in einem Juni gegeben hat. „Darum beneiden uns viele unserer europäischen Partnerländer“, sagte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD).

 

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