Mindestlohn: Steigende Lohnkosten belasten kleine Unternehmen

Forscher des IMK sagen den Deutschen spürbar anziehende Einkommen voraus. Für kleine Betriebe können die steigenden Lohnkosten jedoch Schwierigkeiten bereiten. Der erhoffte Auftrieb durch eine gesteigerte Binnen-Nachfrage ist keineswegs sicher.

Die Deutschen kurbeln nach Ansicht des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung (IMK) dank höherer Einkommen und mehr Konsum das Wirtschaftswachstum kräftig an. „Anders als im vergangenen Jahrzehnt hängt der Aufschwung nicht mehr am Außenhandel, sondern er wird wesentlich von der Inlandsnachfrage getragen“, teilten die gewerkschaftsnahen Forscher am Mittwoch mit. Etwa die Hälfte des Wachstums steuerten die Verbraucher mit ihren Ausgaben bei. Sie dürften 2014 rund 1,6 Prozent mehr konsumieren und 2015 sogar noch mehr.

Zugleich erwarten die Experten, dass die real verfügbaren Einkommen – also abzüglich der Inflation –in diesem Jahr um 1,6 Prozent steigen. Die Bundesregierung hat durch die Einführung des Mindestlohns den Weg dazu bereits freigemacht. Auf Unternehmen kommen hohe Mehrbelastungen zu. Vor allem kleine Betriebe können durch die steigenden Lohnkosten in Existenznot geraten, wie die Aachener Zeitung berichtet.

Der Mindestlohn wird die Unternehmen in Deutschland nach Schätzung des Bundesarbeitsministeriums pro Jahr eine zweistellige Milliardensumme kosten. „Wir gehen von einer Lohnerhöhung von rund zehn Milliarden Euro über alle Branchen hinweg für all diejenigen aus, die bisher am untersten Rand der Lohnskala stehen“, sagte Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) der Koblenzer Rhein-Zeitung.

Insgesamt geht das IMK davon aus, dass die Konjunktur in diesem Jahr um 1,8 Prozent anzieht und sich das Wachstum 2015 noch einmal beschleunigt. „Nach langer Durststrecke investieren die Unternehmen wieder kräftig.“ Die Firmen dürften für Maschinen und Anlagen 2014 knapp acht Prozent mehr ausgeben und 2015 fast zehn Prozent mehr. Bei den Maschinenbauern zeigt sich derzeit jedoch ein anderes Bild. Aufgrund der unsicheren Rahmenbedingungen in der Ukraine und in Russland ist die Branche „extrem verunsichert“ (mehr hier).

In der Folge dürfte die Zahl der Erwerbstätigen um 300.000 und im nächsten Jahr um weitere 240.000 steigen. Zugleich werde die Zahl der Arbeitslosen bis auf gut 2,8 Millionen im Jahresschnitt 2015 sinken. An den Langzeitarbeitslosen geht dieser Trend jedoch vorbei (mehr hier).

Das IW Köln sieht das ganz anders. Die Einführung des Mindestlohns führe zu einer Verknappung der Arbeit und somit zu einem Abbau von Arbeitsplätzen (hier).

Das IMK warnt aber auch vor Risiken: „Sollten sich die europäischen Krisenländer wirtschaftlich nicht erholen, droht ein Vertrauensverlust mit erheblichen Auswirkungen auf das Investitionsverhalten der Unternehmen.“ Eine weitere Gefahrenquelle seien nach wie vor Tendenzen eines Preisverfalls auf breiter Front (Deflation) im Euroraum.

Zudem zeigt sich, dass viele Deutsche ihr Geld lieber sparen oder für einen Urlaub ausgeben, als es für Waren und Dienstleistungen auszugeben (hier).

 

Kommentare

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  1. Delta120 sagt:

    Für Kleinbetriebe die mit dem Mindestlohn arbeiten wird sich die Lage verbessern. Denn der Mitbewerber zahlt ebenso den gleichen Lohn. So endet die Lonspirale nach unten.

  2. Michael aus dem Paradies sagt:

    Mindestlohn – schon das Wort gehört verboten! Sollen unsere Politiker mal mit einem Mindestlohn und ohne Überstundenvergütung auskommen…
    Es ist ja so einfach, sie sitzen in den Palästen, trinken Champagner aus kristallenen Gläsern, essen die feinsten Speisen die auf unserem wunderschönen Planeten produziert werden, sind gekleidet in edelsten Gewändern und sprechen davon, dass der Mob für einen Mindestlohn sein dasein fristen darf… allerdings nicht jeder…
    Was werden sie wohl tun, wenn der Mob erwacht? Wo werden sie sich verstecken?

  3. Hans von Atzigen sagt:

    Tja wird immer ungemütlicher die Lage. Nicht nur für die ganz kleinen Arbeitnehmer.
    Zunehmend auch für die Klein und Mittelbetriebe. Bloss noch eine Frage der Zeit bis es auch Grossbetriebe erwischt.
    Die Gleichungen gehen hinten und vorne nicht mehr auf.
    Auf breiter Front ein Megagebastel.
    In den Bereichen Ökonomischer Theorie, Forschung, Lehre und allgemeiner Wirtschaftspolitik.
    Dämmert wohl erst wenn es auf breiter Front kracht, das da verdammt vieles längst desaströs schief läuft.
    http://www.hans-von-atzigen.ch

  4. SoWieSo sagt:

    Wer arbeitet, muß auch davon leben können. Sonst stimmt mit dem Geschäftsmodel etwas nicht.

  5. nein sagt:

    son quatsch.

    mit dem euro ist doch in D alles um die hälfte günstiger geworden.

  6. Steve sagt:

    Um das zu merken, mussan kein forscher oder experte sein, jeder
    dummrian kann sich das ausmalen

  7. Ingenieur sagt:

    Ach diese Gewerkschaften. Für die ist eine Volkswirtschaft immer noch ein Apparat, bei dem man nur die richtigen Knöpfe drücken muss und alle werden reich. Nach dem Crash der schon wieder völlig bis zum Anschlag aufgepumpten Finanzblasen dank diesem drecks Luftgeld aus dem Nichts wird die Welt eine ganz andere sein.