Versicherungs-Lobby verhindert Transparenz bei Provisionen

Die Koalition will Versicherungs-Provisionen doch nicht offenlegen. Sie unterwirft sich damit der Versicherungs-Lobby. Diese hatte die Transparenz-Regeln im neuen Gesetz vehement bekämpft, weil sie Wettbewerbsverzerrungen fürchtet.

Die große Koalition verzichtet in ihrer Lebensversicherungs-Reform nun doch auf die Offenlegung von Provisionen in Euro und Cent. Das geht aus einem Reuters vorliegenden Änderungsantrag der Fraktionen von Union und SPD für den Gesetzentwurf hervor, der am Freitag im Bundestag verabschiedet werden soll. Stattdessen wird eine Kennziffer eingeführt, die in Prozent darstellen soll, welche Kosten von der Rendite abgehen. Im ursprünglichen Gesetzentwurf des Bundesfinanzministeriums hatte es noch geheißen, der Versicherungsvermittler müsse dem Kunden die Höhe seiner Provision „als Gesamtbetrag in Euro“ mitteilen.

Gegen diese Änderung des Versicherungsvertragsgesetzes war die Branche Sturm gelaufen – offensichtlich mit Erfolg. Im Regierungsbündnis wird der Schwenk hin zu einer Kennziffer damit begründet, dass es sehr unterschiedliche Gruppen von Versicherungs-Vermittlern gebe und damit auch eine sehr unterschiedliche Kostenstruktur. Der Ausweis eines Euro-Betrages hätte deshalb zu Wettbewerbsverzerrungen geführt. Die nun gefundene Lösung biete den Kunden eine bessere Vergleichbarkeit.

Erklärtes Ziel der Reform ist es, die Lebensversicherer angesichts der anhaltend niedrigen Zinsen für Staatsanleihen krisenfester zu machen. Wegen der historisch niedrigen Zinsen fällt es der Branche zunehmend schwerer, am Kapitalmarkt die Renditen zu erwirtschaften, die den Kunden zugesagt wurden (mehr hier).

Dazu wurden bereits die Bewertungs-Reserven angezapft, die den Kunden bei der Kündigung einer Lebensversicherung zustehen (mehr hier). Auch eine Kürzung des Garantiezinses ist geplant (hier).

 

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  1. Ogolius sagt:

    Nun – habe dieses Jahr zwei Lebensversicherungen im Ablaufen… Schon 2009 waren die Prognosen für den Endstatus 2014 eklatant niedriger als die versprochenen Werte zum seinerzeitgen Abschluss. Nunmehr widerspricht der tatsächliche Auszahlungsbetrag jeder ursprünglichen Grundlage! Eine davon war auf klassischer Basis, die zweite Fondsorientiert – beide sind unabhängig in die Miesen gefahren. Nach Durchrechnung der einbezahlten Beträge und dem letzlichen Output kam ich zum Schluss, dass ich besser gefahren wäre, das Geld im Tiefkühlkasten einzufrieren. Das hätte man vor 20 bzw. 15 Jahren wissen sollen(?) … Heute würde ich keinem raten, sich in eine Er-bzw. Ablebensversicherung einzulassen. Zukünftige Prognosen sind zu jeder Zeit entbehrlich und als mögliche Hilfestellung zur Altersversorgung obsolet.