Markt für vernetzte Autos wächst jährlich um 30 Prozent

Chip-Hersteller profitieren von Vernetzung von Autos und Computer. In fünf Jahren werden nahezu alle Fahrzeuge mit einem Bord-Computer ausgestattet sein. Hersteller und Zulieferer werden verstärkt Ziel von Investoren sein.

Der Trend zum vernetzten Auto könnte sich für viele Zulieferer zur wahren Goldgrube entwickeln. Der Kursanstieg der Technologie- und Telekom-Werte wird sich nach Einschätzung von Experten durch den Vormarsch der Technik, die dem Fahrer am Steuer immer mehr Arbeit abnimmt, rasant beschleunigen. Denn rund um die Technologie mit Chips und Sensoren, Software und Touchscreens entwickelt sich ein Milliardenmarkt: Die französische Bank Exane BNP Paribas schätzt das Umsatzvolumen in den kommenden zehn Jahren auf mehr als 35 Milliarden Euro. „Das ist kein ferner Traum, sondern ein Fünf-Jahres-Rennen, wo man Geld verdienen oder es bleibenlassen kann“, urteilt BNP-Analyst Stuart Pearson. Bis 2020 werde das Geschäft mit Produkten für das vernetzte Auto jährlich um 30 Prozent wachsen.

Schon jetzt werden Neuwagen elektronisch hochgerüstet: Von Navigation, Kommunikation und Unterhaltung am Bordcomputer neben dem Steuer bis zu ersten Stufe des automatisierten Fahrens wie Einparkhilfen (mehr hier), dem automatischen Stoppen des Motors an Ampeln oder einem Tempomat zum Abstandhalten im Stau. Nach Erkenntnissen der britischen Beratungsfirma Machina Research haben derzeit erst zehn Prozent der Autos einen fest eingebauten Bordcomputer, bis 2020 werden nur noch zehn Prozent ohne ständige Verbindung zum Internet unterwegs sein.

Die deutschen Premiumhersteller Daimler, BMW und die Volkswagen-Tochter Audi arbeiten ebenso wie Toyota oder Nissan mit Technologiepartnern am automatisierten Fahren. Google liefert nicht nur wie Apple die Technik für ausgefuchste Bordcomputer, sondern arbeitet jetzt selbst an einem Kleinwagen, der keinen Fahrer mehr braucht (mehr hier). Teilautomatisiertes Fahren wie Parkhilfen oder Start-und-Stopp-Automatik haben Neuwagen schon heute zu bieten. Mit der Serienreife vollautomatisch fahrender Autos rechnet die Industrie im kommenden Jahrzehnt.

Profitieren davon werden nach Einschätzung von Analysten Chip-Hersteller wie Infineon, Intel, Qualcomm oder Texas Instruments. Auch die großen Telekom-Anbieter, die am Datenverkehr verdienen, sind beim Goldrausch dabei. Mit Milliardenumsätzen rechnen auch die beiden größten deutschen Autozulieferer Continental und der nicht-börsennotierte Bosch-Konzern, die Elektronikteile wie Sensoren oder Touchpads liefern. Für die beiden Marktführer für Navigations-Karten TomTom und Nokia gilt das vernetzte Auto als Erfolgsschlüssel. Sollten sie ihre Dominanz beim Ausbau des vernetzten Fahrens verteidigen können, traut BNP-Analyst Pearson Nokia einen Kursanstieg von 13 Prozent zu, TomTom sogar ein Plus von 32 Prozent. „Für Investoren ist es langfristig gescheiter, auf Aktien wie Microsoft oder Infineon zu setzen statt auf die der Autohersteller“, sagt Christian Jimenez, Fondsmanager von Diamant Bleu Gestion.

Dass die Anleger längst Witterung aufgenommen haben, zeigt der Erfolg des französischen Börsendebütanten Blue Solutions. An ihrem ersten Handelstag im Oktober war die Aktie des Herstellers von Batterien für Elektroautos 15-fach überzeichnet, seither ist sie um 130 Prozent gestiegen. Der Kurs von AKKA Technologies, die den Prototyp eines fahrerlosen Elektroautos entwickelten, hat sich seit 2009 versechsfacht.

 

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Kommentare

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  1. Ingenieur sagt:

    Die armen Autowerkstätten, die wissen ja schon jetzt bei simpelsten Problemen nicht mehr aus noch ein, z.B. einer ständig leer werdenden Batterie. Kapitulation dort vor der überkomplexen Technik auf breiter Front. Dabei sollte das Blech einen doch nur von A nach B bringen.

  2. Rudolf Steinmetz sagt:

    Ein neues Fahrgefühl: am Gängelnd der NSA, mit eMotion-App, klaro.