Österreichs Steuerzahler müssen für Verlust von EVN aufkommen

Aufgrund von Preiserhöhungen für Strom in Bulgarien und Mazedonien muss der österreichische Versorger EVN seine Prognose revidieren. Das Geschäftsjahr 2013/14 wird mit einem Verlust abgeschlossen. Der Konzern hat sich um 260 Millionen Euro verrechnet. Der österreichische Steuerzahler muss dafür aufkommen.

Der niederösterreichische Versorger EVN kippt nach massiven Verwerfungen in Osteuropa seine Gewinnprognose. Für das bis Ende September laufende Geschäftsjahr erwartet das Unternehmen nun einen Verlust und nicht mehr wie zuletzt in Aussicht gestellt einen Nettogewinn von über 115 Millionen Euro. Die Aktionäre – darunter der mit knapp einem Drittel beteiligte deutsche Energiekonzern EnBW – sollen dennoch wie angekündigt eine stabile Dividende von 42 Cent je Papier erhalten, sagte ein Sprecher am Mittwoch. An der Börse verlor die Aktie dennoch knapp fünf Prozent.

Grund für die Korrektur sind deutlich höhere Einkaufspreise für Strom in Bulgarien. EVN erzeugt einen Großteil des Stroms dort nicht selbst, sondern kauft ihn vom nationalen Versorger ein. Die Verkaufspreise für Endkunden steigen jedoch nur wenig. Auch in Mazedonien seien die Endkundenpreise weniger stark gestiegen als erwartet. Zudem seien die Wirtschaftsaussichten in beiden Ländern weiterhin trüb. Der Versorger hatte seine Ertragserwartungen und damit auch die Firmenwerte daher nach unten korrigiert. Das schmälere das operative Ergebnis (Ebit) um gut 260 Millionen Euro, erklärte die Firma. An dem Geschäft will die Firma trotz der Probleme festhalten, sagte ein Sprecher.

EVN ist nicht das einzige österreichische Unternehmen, dem Verwerfungen in Bulgarien zu schaffen machen. Vor kurzem kündigte auch die Telekom Austria nach einer 400 Millionen Euro hohen Abschreibung in dem Land einen Verlust an.

Für den niederösterreichischen Versorger zählt das Bulgarien-Geschäft schon seit langem zu den Sorgenkindern. Im vergangenen Jahr hatte die dortige Regulierungsbehörde die hohen Energiepreise nach massiven Protesten der Bevölkerung mehrmals gesenkt. Die Österreicher hatten daraufhin ein Schiedsverfahren bei der Weltbank beantragt.

Beginnend mit 1. Juli 2014 werden in Mazedonien die Netzgebühren nur geringfügig angehoben, teilt EVN in einer Ad-Hoc-Meldung mit. „Die Endkundenpreise steigen in einem Ausmaß, das unter den erwarteten Niveaus bleibt.“ Darüber hinaus würden zu erwartende Kostenelemente im Zusammenhang mit der geplanten nächsten Stufe der Marktliberalisierung nicht berücksichtigt.

„Als Ergebnis dieser Tarifentscheidungen in Verbindung mit der aktuellen wirtschaftlichen Situation und dem Ausblick mussten die mittelfristigen Erwartungen die Geschäftstätigkeit der EVN Gruppe betreffend Bulgarien und Mazedonien neu bewertet werden, was zu vollständigen Wertminderungen der Firmenwerte und Kundenstöcke, einer teilweisen Wertminderung von sonstigen Vermögenwerten sowie einem negativen Nettoeffekt aus dem erstmaligen Ansatz einer regulatorischen Verbindlichkeit in Bulgarien führt“, heißt es weiter in der Meldung. „Aufgrund dieser Effekte erwartet der Vorstand der EVN AG ein negatives Konzernergebnis für das Geschäftsjahr 2013/14 der EVN Gruppe“.

Diese Entwicklung sei vorhersehbar gewesen, sagt der Freiheitliche Klub im Niederösterreichischen Landtag. „Seit Jahren warnen wir vor den hoch spekulativen Auslandsgeschäften der EVN in Bulgarien und Mazedonien und haben diesbezüglich auch immer wieder Anträge eingebracht. Nun haben sich unsere schlimmsten Befürchtungen leider bewahrheitet“, so der freiheitliche Klubobmann zu dem angekündigten Konzernverlust der EVN. Aufgrund der Unstimmigkeiten zwischen der EVN und den ausländischen Regulierungsbehörden sei diese Entwicklung schon seit geraumer Zeit absehbar gewesen. „Trotzdem hat die Pröll-VP tatenlos zugesehen, wie hier mit Steuergeldern in Millionenhöhe spekuliert wird. Die Rechnung für dieses klägliche Scheitern hat nun wieder einmal der Bürger zu begleichen“, ärgert sich Waldhäusl.

Die Verantwortung für diese 260 Millionen-Pleite sieht der freiheitliche Mandatar in erster Linie bei der ÖVP. „Das Land Niederösterreich hält als Eigentümervertreter der EVN 51 Prozent der Anteile und hätte damit diese Auslandsprojekte verhindern müssen. Um weiteren Schaden abzuwenden, gilt es nun, sämtliche Auslandsabenteuer umgehend zu beenden“, fordert der freiheitliche Mandatar. Des Weiteren müsse der Rechnungshof genau prüfen, wie es zu diesem desaströsen Ergebnis habe kommen können und wer an dieser Misere mitschuldig zeichne.

„Die beratunsgresistente Landesregierung sowie die schwer fahrlässige Vorgehensweise von Seiten der EVN haben Niederösterreichs Bürgern ein weiteres Millionengrab beschert. Das ist nicht nur verantwortungslos, sondern schon beinahe kriminell“, so der freiheitliche Klubobmann abschließend.

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