Swiss Re investiert nicht: Kapital fließt an Aktionäre zurück

Die Swiss Re stellt ihren Aktionären weitere Sonderdividenden in Aussicht. Der Konzern hat mehr Kapital, als er für sein Kerngeschäft braucht. Da der Schweizer Rückversicherer kein passendes Investment findet, will er drei Milliarden Dollar an die Investoren zurückzahlen. Durch die Übernahme von Sun Alliance und des Pensionsgeschäfts der HSBC hat die Swiss Re ihr Portfolio bereits erweitert.

Der Schweizer Rückversicherer Swiss RE macht seinen Aktionären Hoffnung auf weitere Sonderausschüttungen. Sollte es dem Konzern bis Ende 2015 nicht gelingen, wie vorgesehenen drei Milliarden Dollar gewinnbringend zu investieren, „werden wir nach intelligenten Wegen suchen, das Kapital an unsere Aktionären zurückzugeben„, erklärte Finanzchef David Cole am Donnerstag bei einer Investorenveranstaltung in London. Bei der Dividende setzt der Konzern auf Kontinuität: „Unsere Dividendenpolitik ist es, die reguläre Dividende zu erhöhen oder zumindest stabil zu halten.“

Die Swiss-Re-Aktionäre durften sich in diesem und im vergangenen Jahr bereits über hohe Zahlungen freuen, weil der weltweit zweitgrößte Rückversicherer mehr Kapital hat als er für sein Geschäft braucht. Im April wurden – inklusive 4,15 Franken Sonderdividende – acht Franken je Aktie ausgeschüttet. Mit zehn Prozent weist Swiss Re eine der höchsten Dividendenrenditen in der Branche auf. Beim Branchenprimus Münchener Rück und der Nummer drei Hannover Rück sind es nur 4,5 Prozent.

Swiss Re sei auf Kurs zu seinen Finanzzielen, bekräftigte Cole. Zu den neuen Vorgaben, die der Konzern Anfang nächsten Jahres veröffentlichen will, hielt er sich bedeckt. „Die neuen Ziele werden sicherlich eine Evolution sein und keine Revolution“, sagte er. Aktuell peilt der Konzern aus Zürich einen Gewinnanstieg je Aktie von zehn Prozent pro Jahr an. Die Eigenkapitalverzinsung soll 700 Basispunkte über dem risikofreien Zinssatz liegen. Diese Vorgaben gelten noch bis 2015.

Wo der Konzern Wachstumschancen sieht und sein Geld bevorzugt investieren will, unterstrich er mit einem neuen Zukauf: Für umgerechnet rund 120 Millionen Dollar übernehmen die Schweizer den chinesischen Versicherer Sun Alliance Insurance von der britischen RSA Insurance Group. Ein Viertel seiner Prämieneinnahmen will das Unternehmen künftig in Wachstumsmärkten erzielen. Im Vorjahr kamen rund 20 Prozent der knapp 29 Milliarden Dollar Prämieneinnahmen aus Ländern in Asien, Lateinamerika und dem Nahen Osten.

Swiss Re rechnet in den Wachstumsmärkten bis 2020 im Schnitt mit acht Prozent Prämienplus pro Jahr. In den reifen Märkten sollen die Prämieneinnahmen dagegen lediglich um drei Prozent wachsen. Ein Preisdruck, wie er den etablierten Rückversicherern aktuell vor allem in der Schadenversicherung in den USA zu schaffen macht, droht in Asien nicht.

Der Schweizer Rückversicherer übernimmt zudem das Pensionsgeschäft der britischen Großbank HSBC. Die HSBC-Versicherungstochter HSBC Life überträgt 400.000 Einzel- und Gruppen-Pensionsverträge an die Swiss-Re-Gesellschaft Admin Re, wie die beiden Konzerne bereits Mitte Juni mitteilten. In die Transaktion eingeschlossen sind Vermögenswerte, sogenannte Unit-Linked Assets, von rund 4,2 Milliarden Pfund (5,2 Milliarden Euro), die weiterhin von HSBC Global Asset Management verwaltet werden sollen. Weitere finanzielle Einzelheiten teilten die Konzerne nicht mit.

Admin Re ist eine Sparte des Schweizer Konzerns, die darauf spezialisiert ist, bestehende Versicherungsgeschäfte zu übernehmen und zu verwalten bis die entsprechenden Verträge ausgelaufen sind. Admin Re fließen die Prämien zu und die Gesellschaft übernimmt die mit solchen Versicherungen verbundenen Langlebigkeitsrisiken – also das Risiko, dass die Versicherten älter werden als vom Versicherer kalkuliert. Admin Re hat bereits rund 50 solcher Vertragspakete übernommen. Die Schweizer setzen darauf, dass sie aufgrund des Mengeneffektes kostengünstiger arbeiten können.

Die britische Großbank will sich auf das Kerngeschäft konzentrieren und so auch ihre Kosten senken. Die Transaktion, die noch von den zuständigen Behörden genehmigt werden muss, soll in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres abgeschlossen sein.

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