Sind frustrierte Mitarbeiter für Betriebe gefährlicher als Cyber-Attacken?

Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen lenkt die Aufmerksamkeit in der Debatte um Cyber-Attacken von den Geheimdiensten auf die Mitarbeiter. Frustrierte Angestellte seien unzuverlässig und könnten dem Betrieb absichtlich Schaden zufügen. Verfassungsschutz-Chef Maaßen warnt ausdrücklich vor Alkoholikern oder Spielsüchtigen. Damit werden Angestellte in Deutschland diskreditiert. Die meisten Angestellten sind mit ihrem Job zufrieden.

In der Debatte um Internetsicherheit, Datenschutz und Wirtschafts-Spionage hat sich der Verfassungs-Schutz mit einer neuen Perspektive zu Wort gemeldet. Demnach sind nicht etwa nur Hacker (hier) oder die NSA (hier) für Abhöraktionen, Datenklau und die Verletzung der Privatsphäre gefährlich. Ein besonders großes Risiko für Unternehmen lege bei den eigenen Mitarbeitern im Betrieb.

Unzufriedene Beschäftigte stellen nach Einschätzung des Verfassungsschutzes eine mindestens ebenso große Gefahr für Unternehmen dar wie Cyber-Attacken. Verbitterte Angestellte seien eher geneigt, ihr Wissen an konkurrierende Unternehmen oder ausländische Geheimdienste zu verraten, warnte Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen in Berlin bei einer Veranstaltung zum Thema Wirtschaftsspionage. Jahrelang hätten Cyber-Angriffe im Mittelpunkt der Diskussion gestanden. Der menschliche Faktor dürfe aber nicht außer Acht gelassen werden.

„Der frustrierte Mitarbeiter ist ein Problem, mit dem sich Unternehmen wie auch Behörden auseinandersetzen müssen“, mahnte Maaßen. Unzufriedene Angestellte werde es zwar immer geben. Die Firmen müssten jedoch darauf achten, dass in den gefährdeten Bereichen, wo sie ihre Kronjuwelen hüteten, nur zuverlässige Leute zum Einsatz kämen. Nach Schätzungen der Wirtschaft entsteht deutschen Unternehmen jährlich ein Schaden von mindestens 50 Milliarden Euro durch Wirtschaftsspionage über das Internet.

Es gebe eine Reihe einfacher Warnzeichen, die Vorgesetzte aufhorchen lassen sollten, sagte Maaßen. Dazu zählten soziale Probleme wie Alkoholismus oder Spielsucht. Sie könnten dazu führen, dass ein Mitarbeiter Geld benötige und deshalb Informationen verkaufe. „Oder sei es, weil die Person sich mit der Arbeit nicht identifiziert, was man vielleicht auch unschwer über ein Facebook-Profil mitbekommen kann.“

Häufig würden Betriebsgeheimnisse auch aus Eitelkeit ausgeplaudert, sagte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Sicherheit der Wirtschaft (ASW), Volker Wagner. Dies sei beispielsweise in Flughafen-Lounges oder auf der Fahrt im ICE gut zu beobachten. Auch in der Kneipe prahlten Mitarbeiter nach einer Messe gern stolz und in aller Öffentlichkeit über ihre Vertriebserfolge. Allzu häufig feiere das Management dann einfach mit, statt das Ausplaudern von Interna zu unterbinden.

Dass die meisten Arbeitnehmer in Deutschland mit ihren Jobs zufrieden sind, erwähnte Maaßen nicht (mehr hier). Auch die, die Unzufrieden sind, haben dafür einen Grund. Meistens liegt das an unterschiedlichen Lohnvorstellungen oder fehlender Karriereförderung im Unternhemen (mehr hier).

Auch Sabotage und Desinformation über das Internet sind Maaßen zufolge eine Bedrohung. „Stellen Sie sich vor, ein deutsches Unternehmen würde wegen Kinderarbeit und dergleichen mehr diskreditiert“, warnte er. Große Sorge bereite dem Verfassungsschutz zudem, dass es unter Islamisten und ausländischen Nachrichtendiensten offenbar Überlegungen für Cyber-Attacken auf kritische Infrastrukturen in Europa gebe. Details nannte Maaßen nicht. Zu den kritischen Infrastrukturen gehören aber beispielsweise die Strom – und Wasserversorgung sowie das Bankensystem (mehr hier).

 

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Kommentare

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  1. Klabautermänner überall sagt:

    Die Jammergestalten an den Spitzen sind hundert mal gefährlicher.

  2. BRD der Beamtenstaat sagt:

    Am gefährlichsten sind unsere kleinen Beamten-Könige für die
    Wirtschaft. Sie hemmen jeden Fortschritt, jede Innovation durch platte,
    dummdreiste Vorschriften, die nur ihr Dasein als nutzlose Drohnen
    zementieren sollen.

  3. SoWieSo sagt:

    Die Unternehmen sind heutzutage nicht mehr loyal gegenüber ihren Mitarbeitern. Warum sollten also Mitarbeiter loyal dem Unternehmen gegenüber sein?

  4. Swen sagt:

    Genau, die Arbeitnehmer und Bürger sind die potentiell größten Risiken. Also alle überwachen! Ach so, läuft ja schon… na dann is ja alle BESTENS …

    In der Demokratie sollten die Politker zukünftig ihr Volk wählen und nicht umgekehrt. KRANKE Welt !

  5. Meinereiner sagt:

    Alkoholmissbrauch und Spielsucht sind SuchtERKRANKUNGEN.
    Die können zu sozialen Problemen führen, müssen aber nicht. Viele Alkoholkranke arbeiten lebenslang unauffällig und zuverlässig, unter anderem weil sie sich mit Alkohol ruhigstellen.