Industrie: Rente mit 63 verändert Finanzierung der Altersteilzeit

Die Metaller wollen noch vor der nächsten Lohnrunde über Altersteilzeit reden. Die Rente mit 63 ändert die Rahmenbedingungen. Der geltende Tarifvertrag zu Altersteilzeit muss neu verhandelt werden.

Arbeitgeber und Gewerkschaft in der Metall- und Elektroindustrie wollen noch vor der Lohnrunde Modelle für einen flexiblen Wechsel von Beschäftigten in den Ruhestand ausloten. Beide Seiten hätten vereinbart, die Gespräche darüber nach der Sommerpause aufzunehmen, teilten die Tarifparteien am Dienstag mit. Nach Angaben der IG Metall sollen möglichst bis November Eckpunkte für eine Einigung erarbeitet werden. Damit könnte dieses komplexe Thema vor der Tarifrunde in Grundzügen geklärt werden. In den später beginnenden Verhandlungen über Lohnzuschläge für die 3,7 Millionen Beschäftigten der Branche soll es dann auch um die Finanzierung der Altersteilzeit gehen.

Über den geltenden Tarifvertrag zur Altersteilzeit muss neu verhandelt werden, weil seit kurzem die Rente mit 63 gilt. Vor den Tarifverhandlungen hatten sich die Arbeitgeber für moderate Tariferhöhungen ausgesprochen. „Wir müssen extrem vorsichtig sein, weil der Wettbewerb noch stärker geworden ist und der Ertragsdruck größer ist“, hatte Gesamtmetall-Chef Rainer Dulger jüngst im Reuters-Interview gesagt. Die Konjunktur in der Schlüsselindustrie stehe nach wie vor auf wackeligen Füßen, zudem belasteten Wechselkursschwankungen die Unternehmen. Vor allem der Maschinenbau habe zu kämpfen.

Der IG-Metall-Vorstand gab unterdessen den Startschuss für die Diskussion in den Bezirken über Themen, die neben der reinen Lohnerhöhungen der Tarifrunde auf den Tisch gebracht werden sollen. „Wir streben zur Fortentwicklung der Arbeitszeitpolitik Regelungen zur Bildungs- und Altersteilzeit an“, sagte Gewerkschaftschef Detlev Wetzel. Viele Beschäftigte hätten den Wunsch nach einem größeren Mitspracherecht bei der Einteilung der Arbeitszeit.

Die Beschäftigten bräuchten sowohl finanziell als auch zeitlich gesicherte Möglichkeiten zur beruflichen Weiterbildung, forderte IG-Metall-Vize Jörg Hofmann. Dies lehnen die Arbeitgeber ab. „Mit einer bezuschussten Bildungszeit würde letztlich der Schichtarbeiter dem Ingenieur das Masterstudium bezahlen – das wäre ungerecht“, betonte Dulger. Die Altersteilzeit solle gerechter gestaltet werden. Sie sei schließlich vor allem für diejenigen gedacht, die aufgrund der Belastungen vorzeitig ausscheiden müssten.

Der aktuelle Tarifvertrag läuft Ende 2014 aus. In den zurückliegenden Tarifverhandlungen hatten Arbeitgeber und Gewerkschaft Lohnerhöhungen in zwei Stufen im Gesamtvolumen von 5,6 Prozent für 20 Monate vereinbart.

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