Trotz Krise: Stahlarbeiter erhalten vier Prozent mehr Lohn

Die Mitarbeiter in der Stahlindustrie erhalten eine Lohnerhöhung in zwei Schritten um insgesamt vier Prozent. Die Tarifparteien konnten einen Streik in der Branche abwenden. Die Beschäftigungssicherung wurde verlängert und der Erhalt der Ansprüche bei der Rente mit 63 wurde beibehalten. Die Zukunft für die Branche sei jedoch keineswegs rosig, so die Arbeitgeber.

Die Stahlkocher von ThyssenKrupp, Salzgitter & Co erhalten vier Prozent mehr Lohn. Darauf einigten sich am Dienstag die IG Metall und Arbeitgeber in der vierten Tarifverhandlungsrunde für die 75.000 Beschäftigten der nordwestdeutschen Stahlindustrie. Zudem verständigten sie sich darauf, dass die unbefristete Übernahme der Auszubildenden bis Januar 2018 verlängert wird. Auch zur Altersteilzeit und den von den Gewerkschaften häufig als Lohndrückerei kritisierten Werkverträgen gab es eine Übereinkunft. Die Tarifparteien konnten damit einen unbefristeten Arbeitskampf vermeiden. Diesen hat es in der Branche seit Jahrzehnten nicht gegeben.

„Es ist ein Kompromiss an der Grenze dessen, was wir verkraften können“, sagte Arbeitgeber-Präsident Helmut Koch. Die Beschäftigten erhielten ab Juli eine Lohnerhöhung um 2,3 Prozent und ab Mai 2015 um weitere 1,7 Prozent. Die Laufzeit betrage 17 Monate. Die IG Metall hatte fünf Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten gefordert. Der letzte Tarifvertrag war Ende Mai ausgelaufen.

Die Gewerkschaft hatte in der vergangenen Woche auch mit Warnstreiks Druck gemacht, an denen sich 16.000 Stahlkocher beteiligt hatten (mehr hier). IG Metall NRW-Chef Knut Giesler hatte im Gespräch mit Reuters einen unbefristeten Streik als möglich bezeichnet, sollte es in der vierten Verhandlungsrunde keinen Durchbruch geben. In der nordwestdeutschen Stahlindustrie hatten die Beschäftigten zuletzt zur Jahreswende 1978/79 unbefristet gestreikt. In dem sechswöchigen Arbeitskampf war es um die Einführung der 35-Stundenwoche gegangen.

„Damit können unsere Kollegen gut leben“, sagte Giesler nun zu der Vereinbarung. Bei der Altersteilzeit sei erreicht worden, dass die Ansprüche der Beschäftigten auch nach der Einführung der Rente ab 63 erhalten blieben. Bei den Werkverträgen habe die Gewerkschaft mit den Arbeitgebern Standards zur Einhaltung von Tarifverträgen, Sicherheitsbestimmungen und Arbeitszeiten vereinbart. Die Entscheidungshoheit über die Einführung von Werkverträgen bleibe aber bei den Unternehmen, betonte Arbeitgeberchef Koch.

An den Verhandlungen in einem Hotel in Gelsenkirchen hatten auch der Chef von ThyssenKrupp Steel Europe, Andreas Goss, und Salzgitter-Boss Heinz Jörg Fuhrmann teilgenommen. Die beiden größten deutschen Stahlkonzerne versuchen gerade, die über zweijährige Krise der Branche hinter sich zu lassen (mehr hier). Die Lage der Industrie wird von den Tarifparteien unterschiedlich beschrieben.

Die klassischen Abnehmerbranchen wie der Maschinenbau sowie die Bau- und Automobilindustrie würden die Nachfrage in den kommenden Monaten und auch im kommenden Jahr beflügeln, hatte Giesler erklärt. „Die Konjunkturaussichten für die Stahlindustrie sind keineswegs rosig“, konterte hingegen Arbeitgeber-Präsident Koch.

 

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  1. Käse sagt:

    Da will wohl jemand nicht rechnen können. Eine Lohnerhöhung bezieht sich natürlich immer auf 12 Monate. Und da haben wir für 10 Monate 2, 3% und für die letzten 2 Monate 4, 0%. Macht aufs Jahr 2, 6%. Und die Lohnerhöhung für 2015 sieht gaaanz mau aus – da haben wir für die ersten 5 Monate eine Lohnerhöhung von 1, 7%, so dass das Gesamtjahr wohl kaum über 2% kommen wird. Also wo gibt es hier 4% Lohnerhöhung? Mit solchen Wortspielereien bis Lügen verarscht man den deutschen Michel den ganzen Tag. Es ist einfach nur noch unerträglich.