Autohersteller unterbrechen Produktion für WM-Halbfinale

Daimler, BMW und VW stellen sich auf das WM-Halbfinale der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Brasilien ein. Die Schichten der Mitarbeiter werden verkürzt oder beginnen später. In der Chemie- und Stahlindustrie ist eine Unterbrechung der Produktion nicht so einfach möglich.

Wenn die Nationalmannschaft nur noch ein Spiel vor dem Finale gewinnen muss, ist in der Paradeindustrie des Landes vielerorts Fußball schauen wichtiger als Autos bauen. Ob Daimler, BMW oder VW – die Spätschicht am Dienstag wird in vielen Werken wegen des WM-Halbfinales gegen Brasilien vorzeitig beendet. Wo das nicht klappt, weil die Auftragsbücher voll sind, werden Schichten getauscht und es wird mit Minimalbesetzung gearbeitet, damit kein Fußballfan leiden muss. In der Chemie- oder Stahlindustrie können die Anlagen oder Hochöfen unterdessen nicht für zwei Stunden abgestellt werden – hier erfahren die Arbeiter den Spielstand nur in Pausen.

Bei Daimler haben Betriebsräte und Management jetzt alles ordentlich geregelt, nachdem zum Viertelfinale am vergangenen Freitag noch weitergeschafft worden war. Im größten Werk Sindelfingen ende die Spätschicht um 21 Uhr, erklärte Betriebsratschef Ergun Lümali. Viele Kollegen hätten sich das gewünscht. Deshalb soll aber keine einzige S-Klasse weniger vom Band rollen. „Da unsere Fahrzeuge aus Sindelfingen so gefragt sind, werden wir die ausgefallene Produktionszeit nachholen“, ergänzte er. Ähnliches gilt für fast alle anderen Pkw- und Lkw-Werke. Am Stammsitz Untertürkheim, wo für einen Großteil der Mercedes-Modelle Motoren, Achsen und Getriebe gefertigt werden, wurden die Schichten nicht generell verkürzt. Das Werk läuft zurzeit auf Hochtouren, die Produktion sollte nicht unterbrochen werden. Aber es sei sichergestellt, dass der größte Teil der Belegschaft das Spiel sehen könne, sagte Betriebsrats-Chef Wolfgang Nieke.

Das VW-Werk in Wolfsburg kürzt nicht nur die Spätschicht, sondern richtet sich auch beim Beginn der Nachtschicht danach, wie lange die Kicker für das entscheidende Tor brauchen. Wenn es bis zum Elfmeterschießen dauere, beginne die Nachtschicht eine Stunde nach Ende, sagte ein Betriebsratssprecher. Entsprechende Regelungen gebe es auch an anderen Standorten. Bei BMW ist die Fußball-Welt geteilt. „Die Werke Regensburg, Landshut und Berlin beenden die Spätschicht früher“, sagte ein Konzernsprecher. In den Werken Dingolfing, München und Leipzig werde die Produktion nicht unterbrochen. Die Mitarbeiter könnten aber unbürokratisch Schichten tauschen.

Während bei BMW oder in den Siemens-Werken jeder Standort mit Schichtbetrieb selbst entscheidet, gibt es andernorts kein Pardon. Die Chemie- oder Stahlindustrie erklären ihre Fußball-Abstinenz mit der Technik. „Im Stahlbereich haben wir eine voll kontinuierliche Arbeitsweise, die Unterbrechungen nicht erlaubt“, sagte ein Sprecher von ThyssenKrupp. Die engen Lieferfristen gegenüber den Kunden einzuhalten, sei absolut vorrangig. Bei BASF können die Mitarbeiter einem Sprecher zufolge an den Anlagen aus Sicherheitsgründen am Arbeitsplatz nicht nebenbei auf dem Smartphone nach dem Spielstand linsen. Allenfalls in den Pausen dürften sie ausnahmsweise mal nachschauen, wie es steht.

 

Kommentare

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  1. Chef sagt:

    Die Chefs der Chemie und Stahlindustrie haben noch nicht kapiert, das ihre Arbeiter auch Käufer ihrer Produkte sind. Aus Geldgier gehen diese Manager über Leichen, sie brauchen Geld für neue Werke im Ausland. Alle Betriebsförderungen hat das deutsche Volk bezahlt und die dadurch entstandenen Mehrgewinne haben schon zum Teil den deutschen Arbeitsplatz vernichtet. Überblöd sind sie ja, sie haben nur zwei Dinge an den Unis gelernt, Arbeiter entlassen und Arbeiter antreiben und sie verdienen damit viel Geld und nach drei Jahren wechseln sie ihren eigenen Arbeitsplatz und dann beginnt das gleiche Prozedere bei einer anderen Firma. Finanzzeitschriften lassen diese Leute hochleben, und der Arbeiter kauft noch diese Schmierenblätter. Und die Aktien steigen und steigen, dann kauft der Arbeiter diese Aktien und somit ist der Aktienchrash programmiert.

  2. nein sagt:

    mich würde mal interessieren was in den allein 10000 deutschen firmen in sao paulo los ist. Die fahren doch eh schon panzerautos.

  3. Hans Dampf sagt:

    Weil Halbfinale ist wird die Produktion angehalten, wer´s glaubt!!