Helvetia steigt durch Übernahme zum drittgrößten Schweizer Versicherer auf

Die Versicherung Nationale Suisse war aufgrund von einem schwachen Tagesgeschäft zur Fusion mit dem Versicherer Helvetia gezwungen. Der neue Konzern ist nun die Nummer 3 im Schweizer Versicherungsmarkt. Helvetia will den Nationale-Aktionären 80 Franken je Aktie zahlen

Der Schweizer Versicherer Nationale Suisse flüchtet sich in die Arme des größeren Konkurrenten Helvetia. Die in St. Gallen ansässige Helvetia lässt sich den Aufstieg zum gemessen am Prämienaufkommen in der Schweiz drittgrößten Versicherer 1,43 Milliarden Franken (1,05 Milliarden Euro) kosten. Mit einem Marktanteil von zwölf Prozent setzt sich Helvetia deutlich von der mit neun Prozent bislang gleichauf liegenden Baloise ab. „Die Übernahme ist eine seltene Gelegenheit für akquisitorisches Wachstum in gesättigten, hochkonzentrierten Märkten“, sagte Helvetia-Finanzchef Paul Norton am Montag.

Nationale war zum Zusammenschluss praktisch gezwungen, wie Präsident Andreas von Planta einräumte. „Die Aktionärsstruktur hat sich zunehmend negativ ausgewirkt.“ Das Tagesgeschäft sei beeinträchtigt gewesen, die Kunden und Mitarbeiter verunsichert. Verwaltungsrat und Top-Management hätten deswegen die lange verfolgte Unabhängigkeit auf den Prüfstand gestellt. „Der Entscheid ist uns nicht leicht gefallen, aber er war eindeutig“, erklärte von Planta. Helvetias Offerte sei die höchste von mehreren gewesen.

Um Nationale hatte sich Ende 2013 ein Übernahmekampf abgezeichnet, nachdem der in Bern ansässige Rivale Mobiliar seine Beteiligung auf gut 19 Prozent aufgestockt hatte. Helvetia hatte kurz darauf nachgezogen. Der dritte Großaktionär, die wie Nationale in Basel ansässige Baloise, hält zehn Prozent. Bereits abgeschlagen folgt die Nürnberger Versicherung mit einem Paket von 6,5 Prozent.

Helvetia will den Nationale-Aktionären 80 Franken je Aktie zahlen, davon 52 Franken in bar. Der Rest soll in Helvetia-Aktien abgegolten werden. Das Angebot bedeutet einen Aufpreis von 26 Prozent zum Schlusskurs vom vergangenen Freitag. Der Kaufpreis liege im Rahmen dessen, was für vergleichbare Transaktionen bezahlt werde, verteidigte Helvetia-Finanzchef Norton das von Analysten als stolz eingestufte Angebot. „Die Aktionäre erhalten kein Geschenk sondern einen fairen Preis“, erklärte Verwaltungsratschef Martin Walser. Mobiliar und Baloise wollen die Helvetia-Offerte nun prüfen und dann Stellung nehmen, erklärten Sprecher der beiden Versicherer. Baloise hatte ebenfalls ein Übernahme der Nationale erwogen, dann aber Abstand davon genommen.

Helvetia will die Übernahme, die noch von den Kartell- und Aufsichtsbehörden genehmigt werden muss, im Oktober abschließen. Die Integration wird Helvetia in den kommenden drei Jahren bis zu 180 Millionen Franken kosten. Dem sollen Einsparungen von bis zu 120 Millionen Franken jährlich ab 2017 gegenüberstehen, etwa durch die Zusammenlegung der Datenverarbeitung und die Schließung von Außenstellen. Kündigungen seien nicht geplant, der Personalabbau solle durch die natürliche Fluktuation erfolgen, sagte Helvetia-Chef Stefan Loacker.

Inklusive Auslandgeschäft erzielen Helvetia und Nationale im Vorjahr gut neun Milliarden Franken Prämieneinahmen. Der größte in der Schweiz ansässige Versicherungskonzern bleibt mit deutlichem Abstand die Zurich Insurance Group, die auf umgerechnet 49 Milliarden Franken Prämienvolumen kommt. Beim Rückversicherer Swiss Re sind es knapp 26 Milliarden Franken.

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.