Carsharing-Projekte können von Pkw-Maut profitieren

Höhere Abgaben für Fahrzeuge oder die Nutzung von Straßen können Verkehrsteilnehmer in die Hände von Carsharing-Anbietern treiben. Angesichts eines künftig erhöhten Verkehrsaufkommens sind alternative Verkehrskonzepte gefragt. Wer dazu Verkehrsvermeidung beiträgt, könnte über die Kfz-Steuer entlastet werden.

Die aktuell vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur vorgestellte „Verkehrsprognose 2030“ offenbart das Dilemma: Trotz abnehmender Einwohnerzahl wird der Pkw-Verkehr im nächsten Jahrzehnt um weitere zehn Prozent zunehmen. Angesichts der bereits hohen Anzahl sanierungsbedürftiger Autobahnen und Brücken, fordert Olivier Bremer, Deutschlandchef von Europas größter Mitfahr-Community BlaBlaCar, ein Umdenken von Politik und Wirtschaft.

Schon heute ist der Besitz eines Pkws auch ohne die Einführung einer Maut sehr kostspielig: Wartung, Steuern und vor allem die hohen Kraftstoffpreise lassen individuelle Mobilität immer mehr zu einem Luxusgut werden. Bremer plädiert für verstärktes Mitfahren zur Schonung deutscher Autobahnen.: „Hier ist das Eingreifen von Politik und Wirtschaft gefordert. Alternativ zur Einführung neuer Abgaben für Autobesitzer sollten Maßnahmen ergriffen werden, die verkehrsreduzierendes Verhalten der Pkw-Besitzer in Deutschland belohnen, etwa durch eine reduzierte Kfz-Steuer oder die Einführung einer Mitfahrspur auf deutschen Autobahnen.“

Die durchschnittliche Fahrzeugauslastung unter den BlaBlaCar-Mitgliedern beträgt 2,8 Personen. Zum Vergleich: Laut Eurostat liegt die Auslastung deutscher Pkw auf Fahrten über 100 Kilometern im Mittel bei 1,7 Personen. „Ein breitflächiges Mitfahrangebot reduziert die Notwendigkeit, mit dem eigenen Pkw fahren zu müssen, was Nerven, Geldbeutel und die deutschen Autobahnen schont. Ein Gewinn für alle“, so Bremer.

Neben den monetären Vorteilen betont Bremer auch die ressourcenschonenden Aspekte des Mitfahrens. „Die Umwelt wird geschont, ebenso wie das deutsche Straßennetz. Wo vorher zwei Wagen Abgase verbreiteten, muss heute nur noch eines fahren.“ Weiter erläutert der 30-Jährige: „Im Ridesharing liegt ein enormes Potenzial bei der Bewältigung der Verkehrsprobleme unserer Gegenwart und Zukunft und sollte stärker in die öffentliche Diskussion um die Nachhaltigkeit unserer Verkehrsnetzes einfließen.“

Zur Förderung des Mitfahrens appelliert Bremer an Politik und Wirtschaft: „Pkw-Besitzer, die nachweislich zur Verkehrsvermeidung dadurch beitragen, dass sie ihre Plätze im Auto der Allgemeinheit zugänglich machen, sollten durch niedrigere Kfz-Steuern belohnt werden.“ Auch für die Einrichtung von Mitfahrspuren finden sich praktische Vorbilder aus der Politik. In Paris soll ab Anfang 2015 die Nutzung ausgewählter Sonderspuren auf Stadtautobahnen für Pkw-Fahrgemeinschaften ermöglicht werden.

 

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Kommentare

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  1. Syssiphus sagt:

    Da gibt es etliche „Mitfahrer“,die ich nicht leiden kann z.B. Raucher,Krakeler,Betrunkene bzw. Bekiffte und Leute in schmutziger Arbeitskleidung mit Gepäck in der Größe einer Flurgarderobe,die mir die Polster versauen.

  2. jörg sagt:

    Hallo ,

    ich habe mich neulich erst einem Flegel bei BlaBla rausschmeissen müssen.

    Seitdem Mitfahrt maximal im Kofferraum.

    Gruss Jörg