Mittelständische Unternehmen finden keine Nachfolger

Viele kleine und mittlere Unternehmer, die ihre Firma abgeben wollen, finden keine geeigneten Nachfolger. Besonders schwierig ist die Suche in den ländlichen Regionen Ostdeutschlands. Es fehlt offenbar an Chefs, die dazu bereit sind, die Risiken und Herausforderungen einer Übernahme anzugehen.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Was sind derzeit typische Probleme, die bei der Übergabe von kleineren und mittleren Unternehmen auftreten können?

Wolfgang Fuchs: Viele deutsche Unternehmer, die ihr Unternehmen abgeben wollen, finden keine geeigneten Nachfolger. Denn es gibt hierzulande einen Mangel an der Fachkraft Chef. Wenn sich kein Nachfolger findet, muss der Betrieb schließen. Die übrigen Maschinen werden verkauft, die Angestellten werden entlassen.

Besonders schwer mit der Suche nach einem Nachfolger haben es Firmen in den ländlichen Regionen Ostdeutschlands. Diese Unternehmen wurden meist in den Jahren nach der Wiedervereinigung gegründet. Seitdem sind viele Leute aus diesen Regionen weggezogen. Sie fehlen heute als potentielle Nachfolger.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Ist also der Mangel an Kandidaten für eine Unternehmensnachfolge vor allem auf die demografische Entwicklung zurückzuführen?

Wolfgang Fuchs: Das ist einer der Gründe. Zudem wird die Übernahme eines Unternehmens in Deutschland eher als Risiko, denn als Chance gesehen. Wenn jemand entsprechende Pläne hat, raten Ehepartner oder Freunde oft davon ab. Zwar ist es richtig, dass eine Unternehmensnachfolge viele Risiken birgt und dass die Käufer dies oft unterschätzen. Doch man kann sich die Risiken konkret ansehen und sie dann gegen die Chancen abwägen.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Was sind solche typischen Risiken?

Wolfgang Fuchs: Das grundsätzliche unternehmerische Risiko, die höhere Komplexität eines bestehenden Betriebes im Vergleich zu einem Start-up, mögliche Haftungsrisiken in den zahlreichen Verträgen, die ein Unternehmen so abgeschlossen hat, sei es eine Abnahmeverpflichtung, ein Mietvertrag oder ein Arbeitsvertrag mit einem Cousin des Inhabers. Das kann später eine Überraschung werden, denn in den Bilanzen der Unternehmen wird man solche Details normalerweise nicht finden.

Ein weiteres Beispiel: Wenn ein wichtiger Kunde ein Freund oder ein Golfpartner des bisherigen Firmenchefs ist, dann ist dies ein Risiko. Denn möglicherweise denkt dieser Golfpartner schon länger über den Wechsel zu einem günstigeren Anbieter nach. Wenn die Firma nicht mehr seinem Freund gehört, dann kann er endlich ohne ein schlechtes Gewissen kündigen.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Neben den vielen Risiken bei einer Übernahme was gibt es für den neuen Chef noch für Herausforderungen?

Wolfgang Fuchs: Der Käufer muss die Bank davon überzeugen, dass sie ihm einen Kredit gibt. Die Banken verdienen relativ wenig an den KfW-Krediten. Da sie jedoch mit 20 Prozent haften, wollen sie keinen Ausfall riskieren und sagen im Zweifelsfall „lieber nicht“.

Zudem haben viele Verkäufer idealisierte Vorstellungen hinsichtlich des Werts ihres Unternehmens. Ihre Preisvorstellungen stehen in keinem Verhältnis zum Gewinn, den die Firma abwirft. Oder ihnen passt der Nachfolger persönlich nicht. Die Suche nach einem geeigneten Unternehmen braucht einen langen Atem. Aber die Chancen für einen Unternehmenskäufer sind dafür regelmäßig sehr groß: bewährte Produkte, ausgereifte Prozesse, eingeführte Marken, langjährige Kundenbindung und die Einarbeitung durch den ausscheidenden Inhaber mit all seinem Erfahrungsschatz.

Deutsche Mittelstands Nachrichten: Was sind Ihre wichtigsten Tipps für einen Unternehmensnachfolger?

Wolfgang Fuchs: Prüfen, prüfen, prüfen. Aber am Ende bereit sein, die kalkulierten Risiken angemessen zu bewerten und dann trotzdem zuzugreifen. Wer ein Unternehmen ohne Risiken sucht, wird keines finden. Entscheidend ist es nur, diese zu erkennen und entsprechend zu berücksichtigen.

Wolfgang Fuchs ist Vorstand der Fredelia AG – Nachfolgebörse. Er berät europaweit Verkäufer und Nachfolger bei Unternehmensnachfolgen und M&A-Transaktionen.

Kommentare

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  1. Gerne Unternehmer sagt:

    Also ehrlich, wer so denkt kommt nie für eine Nachfolge in Frage. Wenn „der Unternehmer“ in einem drinsteckt, freute er sich drauf, einen funktionierenden Betrieb zu übernehmen und mehr draus zu machen. Wer Angst vor Risiken (ja wirklich, eigenes Geld!) oder China hat bleibt halt im Großkonzern angestellt. Bis er gefeuert wird. Da bin ich doch lieber mein eigener Chef und habe mein Glück selbstbestimmt in der Hand.

  2. biersauer sagt:

    Können dann alles aus China einkaufen!

  3. Kulleraugen sagt:

    der Mittelstand wir ausgebeutet und auf unsere Steupolitik ist auch kein Verlass mehr dei Belastungen sidn viel zu Hoch

  4. 2 Möglichkeiten sagt:

    1.) Das Unternehmen gehört zu den wenigen die rentabel sind. So etwas wird in der heutigen Zeit kaum verkauft, und wenn, dann zu hohen Preisen. Gleichzeitig geht der mögliche Erwerber Risiken mit möglichen Altlasten und der unplanbaren deutschen Steuer-/Wirtschaftspolitik ein.
    Kein „Familienmitglied“ oder Angestellter als möglicher Nachfogler wird in der heutigen Zeit so bescheuert sein, einen im Keller stehenden Goldesel zu veräussern. Wenn dann höchstens wegen dessen Verstopfung oder anderer Leichen im Keller.

    2.) Das Unternehmen ist unrentabel oder sucht nur einen Doofen um sich zu refinanzieren.

  5. Mike sagt:

    Also die Fredelia AG schreibt auf ihrer Webseite „Sie besitzen Fach- und Führungserfahrung in Ihrer Branche und verfügen außerdem über Eigenkapital?“

    Wenn ich bei einem Kleinunternehmen auch noch Eigenkapital mitbringen soll und dann auch noch Risiken eingehen soll, dann würde ich gerne wissen, warum ich das machen soll?

    Genau da beisst sich die Katze in den Schwanz. Es gibt gute Leute, die ein Unternehmen führen würden. Aber die müssten in einer Firma erst einmal angestellt arbeiten und dann nach sechs Monaten gucken ob es zwischen ihnen und der Geschäftsleitung klappt. Alles andere ist doch völlig illusorisch.

    Da aber Banken ebenfalls kein Interesse daran haben mit Risiko Geld abzugeben, ist in Deutschland die Unternehmensnachfolge in diesem Bereich kaum möglich.

    Es ist ja ein weit verbreiteter Irrtum, daß die BWL-Studenten Unternehmer werden. Das sind gerade mal 10 Prozent davon. Der Rest der BWLer landet als Angestellter im Mittelbau von größeren Unternehmen.

    Söhne und Töchter wollen meistens nicht oder die Familie ist völlig verkracht und Dritte von außen sollen als reiche Leute einsteigen und Geld mitbringen? Dallas und Denver gibt es nur im Film.

    Es fehlt in Deutschland an Voraussetzungen für solche Risiken. Die müßten erst einmal gesetzlich geregelt werden. Gesetzlich ist alles geregelt, was man tun muß bevor man etwas tun kann. Aber alles andere nicht.

    Das Unternehmertum im Mittelstand wird weiter schrumpfen, weil selbst in der Mittelstandsvereinigung der CDU Juristen das Sagen haben, die völlig ideologische Debatten führen statt soziale und wirtschaftliche Realität im Sinne aller in einem Unternehmen umzusetzen. Denn ohne gute Mitarbeiter, die oberhalb eines Mindestlohns agieren, ist ein Unternehmen aufgeschmissen ebenso wie ein Mitarbeiter bei einem schlechten Chef nicht lange bleiben wird.

  6. Stefan Esser sagt:

    Nach meiner Erfahrung bereiten sich Unternehmern viel zu schlecht auf einen Unternehmensverkauf vor. Man bekommt bruchstückhaft einzelne Unterlagen, muss dauernd nachfragen, bekommt ausweichende Antworten oder Geschwafel („alles ist super, vertrauen Sie mir“) und dann noch Preise, bei denen ein Immobilienkauf sich mehr lohnt. Da darf sich keiner wundern, wenn er hinterher keinen Nachfolger findet.

  7. stefan kienzler sagt:

    Klar, das macht sehr viel Arbeit und bedeutet auch viel Verantwortung. Passt überhaupt nicht zu unserer Spassgesellschaft ! Lieber die Kohle der Alten verjubeln und nach dem Hochschulabschluß in den Staatsdienst wechseln oder sonstwie die Zeit Todschlagen ! Heutzutage müssen die Manager hauptsächlich einen auf Dicke Hose machen und sich gut Verkaufen können, das ist schon die Halbe Miete. Vitamin B ist natürlich auch ganz wichtig. Die Marode Substanz dahinter bekommen immer nur die Eingeweihten zu sehen, bei denen auch nicht mehr Kompetenz vorhanden ist oder deren Abhängige. Die Ergebnisse davon sind Allgegenwärtig !