Wegen Verbot von Gratis-Paketen: Amazon nimmt 1 Cent Porto

Amazon hat einen Weg gefunden, das neue französische Verbot von Gratis-Lieferungen zu umgehen. Der Online-Händler berechnet seinen Kunden eine Liefergebühr von 0,01 Euro. Dies ist eine peinliche Niederlage für Kulturministerin Filipetti, die den niedrigen Preisen bei Amazon den Kampf angesagt hatte.

Im Juni hatte das französische Parlament ein Gesetz verabschiedet, wonach es großen Online-Händlern wie Amazon und FNAC verboten ist, den Kunden Bücher kostenlos nach Hause zu liefern. Auf diese Weise wollte die Politik den kleinen Buchläden einen Vorteil verschaffen – zum Nachteil der Verbraucher.

Das Verbot trat diese Woche in Kraft. Amazon informierte die Kunden auf seiner französischen Webseite darüber, dass man für Bücher „leider“ keine kostenlosen Lieferungen mehr anbieten dürfe. „Wir haben daher die Liefergebühr auf 1 Cent pro Buchbestellung festgelegt“, zitiert France24 den Online-Händler.

Das neue Gesetz richtet sich zwar nicht ausdrücklich gegen Amazon. Doch Kulturministerin Aurelie Filippetti hat die „Billig-Strategie“ von Amazon in der Vergangenheit wiederholt angegriffen. „Sobald sie in einer dominanten Position sind und unser Netzwerk von Buchläden zerstört haben, werden sie ihre Preise wieder erhöhen“, sagte sie im vergangenen Jahr.

Dieses „Netzwerk von Buchläden“ wird in Frankreich massiv von der Politik protegiert. Bereits seit 1981 sind Rabatte von mehr als 5 Prozent auf den Coverpreis verboten. Dadurch sollten große Ketten davon abgehalten werden, den Kunden Bücher zu geringeren Preisen anzubieten.

Frankreich hat etwa 3.500 Buchläden, darunter 600 bis 800 unabhängige Verkäufer, die zu keinem Verlag, keiner Kette und keinem Supermarkt gehören.

Kommentare

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  1. Hans Kolpak sagt:

    Staaten mischen sich in Unternehmen ein.
    Unternehmen mischen sich in Staaten ein.
    Wir geben unseren Senf dazu.

    ebay hat versucht, Händler zu kostenfreiem Versand zu manipulieren.
    Das ist gescheitert.
    Ich erhöhe den Warenpreis um Porto, Verpackung und Umsatzsteuer und versende kostenfrei. Haha!

    In Deutschland wird die Buchpreisbindung kistenweise aufgegeben, weil das Altpapier sonst verrottet. Ein Stempel am Schnitt genügt: „Mängelexemplar“. Und das Teil IST NEU und ohne jeglichen Mangel !!!

    Jegliche Einmischungen, ganz besonders die von Juristen, sind ein einziger Kindergarten. Und die Einmischlinge wollen erwachsen sein! Das sind echte Kindsköpfe! Ein reinrassiger Unternehmer findet immer einen Weg, oder?

    Hans Kolpak
    Goldige Zeiten

  2. Delta120 sagt:

    Scheint eine Witztruppe an der Macht zu sein. Wenn man etwas nicht haben will, dann holt man den Knüppel Steuer aus dem Sack. Einfach 20% auf den Warenwert Extra beim Versand und das Thema ist erledigt. Hier geht es wohl mehr um das Vortäuschen von Handlung als um tatsächliche wirksame Handlung. Halt Placebo.

    • Anke sagt:

      Ja genau. Immer wenn Sie irgendwo etwas kaufen, sei es online oder im Laden, werden 20% auf Ihren Einkauf aufgeschlagen. Damit man Sie auch sofort erkennt, müssen Sie einen Aluhut tragen.

  3. Harry sagt:

    Geil, richtig geil. Wunderschön zu sehen, wie Sozialisten vorgeführt werden. Wäre Amazon eine natürliche Person, hätte die Regierung gerade einen ausgestreckten Mittelfinger gesehen. Köstlich.