Novartis entwickelt Kontaktlinsen mit Google-Technologie

Eine neue Kontaktlinse von Novartsis kommt bald auf den Markt. Sie misst den Blutzuckerspiegel bei Diabetikern und leitet die Daten drahtlos an das Smartphone des Nutzers weiter. Die Linse untersucht nicht nur die Tränenflüssigkeit, sondern wirkt gleichzeitig gegen Altersweitsichtigkeit.

Am Handgelenk vibriert die Smartwatch und der Diabetiker weiß, es ist Zeit für die nächste Insulindosis. Möglich werden soll das dank intelligenter Kontaktlinsen des Pharmakonzerns Novartis, die Google-Know-how nutzen. Die Schweizer haben sich dazu die Rechte an der „Smart Lens“-Technologie (mehr hier) des US-Internetkonzerns gesichert, wie sie am Dienstag mitteilten. Bis das Bündnis von Biologie und Hightech erste Produkte liefert, dürften allerdings noch Jahre vergehen. Novartis-Chef Joseph Jimenez hofft, in rund fünf Jahren eine intelligente Kontaktlinse auf den Markt zu bringen.

„Das wird nicht von einen Tag auf den anderen passieren“, sagte Jimenez der Nachrichtenagentur Reuters. „Es sind nicht Monate, wir reden vermutlich über Jahre.“ Einsetzen lassen sich intelligente Linsen sowohl in der Diagnostik als auch zur Therapie. So will Novartis Linsen entwickeln, die Zuckerkranken helfen ihren Blutzuckerspiegel zu kontrollieren – indem sie die Tränenflüssigkeit untersuchen und das Resultat drahtlos an Handys oder Hightech-Uhren übertragen.

Das Marktpotenzial ist erheblich. Weltweit leiden rund 382 Millionen Menschen an Diabetes. „Es gibt eine riesige Population, die von einer kontinuierlichen Überwachung des Blutzuckerspiegels profitieren würde“, sagte der Novartis-Chef. „Heute ist das ein sehr unangenehmer Vorgang – ein Stich in den Finger.“

Die Technologie soll aber auch bei Altersweitsichtigkeit helfen, die natürliche Fokussierung des Auges wiederherzustellen. Von Presbyopie, dem altersbedingten Verlust der Nahanpassungsfähigkeit des Auges, sind mehr als 1,7 Milliarden Menschen betroffen – 2020 werden es nahezu zwei Milliarden sein, schätzen Experten.

Andere Technologiekonzerne haben diese Wachstumsaussichten ebenfalls erkannt. Neben Google arbeiten auch Apple oder Samsung an medizintechnischen Applikationen zur Überwachung von Vitalfunktionen, die in sogenannten „Wearables“ – Kleinstcomputern, die als Accessoire getragen werden – zum Einsatz kommen sollen. Aber auch in der Gesundheitsbranche dürften die althergebrachten Pfade häufiger verlassen werden. „Ich denke, wir werden immer mehr Bereiche mit medizinischem Bedarf sehen, in denen Unternehmen wie Novartis einen unüblichen Ansatz wählen um das anzugehen“, sagte Jimenez.

Einzelheiten der Kooperation mit Google gab Novartis nicht bekannt. Der Basler Konzern will sich Googles Erfahrung mit nichtinvasiven Sensoren, Mikrochips und anderen miniaturisierten Elektronikteilen zunutze machen. Novartis Augenheilkunde-Sparte Alcon soll die Expertise im Bereich Kontakt- und intraokulare Linsen sowie in der klinischen Entwicklung beisteuern.

Kommentare

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  1. Rudolf Steinmetz sagt:

    Ein Schelm, der Böses dabei denkt! Gibt es die Schnittstelle zu Scientology gratis? Oder zum Human Brain-Projekt? Was macht eigentlich Siemens auf diesem Gebiet, Mister Joe Kaeser? Ah ja, erst einmal Forschungsanträge stellen, man weiss ja nie.

  2. Der Eidgenosse sagt:

    Dass Diabetes mit der Gerson Therapie geheilt werden kann, interessiert natürlich keinen.

    Schliesslich geht es nicht wirklich darum, leidenden Menschen tatsächlich zu helfen, sondern es geht darum auf Kosten der Kranken die Profite zu maximieren.

    Was für eine verlogene Welt.

    Und Charlotte Gerson, ein wirklich guter Mensch, musste nach Mexiko fliehen, weil ihre bewährte Therapiemethode von der FDA, die von skrupellosen multinationalen Konzernen gesteuert wird, für unzulässig erklärt wurde, eben gerade weil sie funktioniert.

    Alternative Methoden, die nicht auf der schwarzen Liste der FDA stehen sind fast wertlos.

    Was die Gewinne der Konzerne schmälert, ist prinzipiell unzulässig.

    Willkommen in der Neuen Weltordnung, der New World Order.

    Und bevor es besser wird, wird es noch viel schlimmer werden.

    • Rudolf Steinmetz sagt:

      Das ist doch logisch, schließlich haben wird Krankenkassen bzw. kranke Kassen und Krankenhäuser etc. Zur Zeiten von Hippokrates war das noch ein Busserl anders. Wer in dessen Klinikum kam auf der Insel Kos, der zahlte nur, wenn er tatsächlich geheilt war. Könnte man doch hier auch einführen – oder nicht?

  3. Christian Stroetmann sagt:

    Ich bin immer davon ausgegangen und deshalb ist es auch mein Bestreben, dass solche Krankheiten im 21. Jahrhundert geheilt werden können.

    Unabhängig von der Frage, was Google außer dem üblichen Marketing wirklich geleistet hat, wurde bis jetzt noch von keinem Berichterstatter im Zusammenhang mit dieser smarten Kontaktlinse geklärt, wie sie denn mit Strom versorgt wird.

    Stattdessen macht man lieber Werbung für tragbare Computern.

    Mit schönen Grüßen
    Christian Stroetmann