Frühpensionierung in der Schweiz steht auf der Kippe

Alternative Arbeitsmodelle für ältere Angestellte müssen her. Sonst weitet sich der Fachkräftemangeln für die Unternehmen in der Schweiz zu einem nicht hinnehmbaren Knowhow-Verlust aus. Dabei fehlt es nicht an vernünftigen Konzepten. Nur das Modell der Frühpensionierung müssen Unternehmer und Arbeitnehmer Abschied nehmen.

Nach der Annahme der Zuwanderungsinitiative der SVP muss die Schweiz wieder Kontingente für Einwanderer ausgeben. Das wird den Arbeitsmarkt beeinflussen. Denn schon jetzt fehlt es Unternehmen an qualifizierten Fachkräften. Unternehmen fangen an, umzudenken. Ältere Arbeitnehmer müssen so lange wie möglich in der Firma gehalten werden. Die Frühpensionierung ist ein Auslaufmodell.

„Die Anzahl ausländischer Erwerbspersonen (Erwerbstätige plus Erwerbslose gemäss ILO) nahm zwischen dem jeweils zweiten Quartal 2008 und 2013 um 18,2 Prozent zu und erreichte 1,490 Mil­lionen, die Anzahl Schweizer Erwerbspersonen erhöhte sich um 2,9 Prozent auf 3,519 Millionen“, schreibt das Bundesamt für Statistik. In den Jahren 2008 bis 2012 sind jährlich zwischen 135.000 (2009) und 172.000 (2011) Erwerbspersonen in die Schweiz eingewandert, während jeweils zwischen 93’000 (2011) und 111.000 (2012) Erwerbspersonen ausgewandert sind.

Die Kompensation der 18,2 Prozent der Erwerbspersonen, die dieses Jahr zusätzlich in die Schweiz einwandern, wird schon schwer genug. Gleichzeitig muss verhindert werden, dass die Zahl der Auswanderer weiter ansteigt.

Ältere Arbeitnehmer sind aufgrund ihres Knowhows und ihrer Erfahrung wertvoll für das Wissensmanagement eines Unternehmens. Ihre Frühpensionierung sei zudem „altersdiskriminierend“, sagte Hans Hess, Präsident des Maschinen-, Elektro- und Metallindustrieverbands Swissmem. Aber auch vermehrt Frauen und Junge müssen für Industrieberufe gewonnen werden können.

Firmen sollten auch ihre 45 bis 60-Jährigen Mitarbeiter weiterbilden. Flexiblere Arbeitsmodelle für Ältere sind gefragt, so wie Altersteilzeit oder eine Anstellung als Berater mit reduziertem Pensum. Dadurch könnten erfahrene Mitarbeiter länger im Arbeitsprozess gehalten werden, sagte Hess der Zeitung Schweiz am Sonntag.

Ein anderes Modell ist ein Pensioniertenvertrag. Damit können Pensionäre auch nach ihrem Ruhestand noch von ihrem alten Arbeitgeber mit Aufträgen versehen werden und sich etwas hinzuverdienen.

Das brachliegende Arbeitspotenzial ist bei der älteren Generation am grössten. „Von den 55- bis 64-Jährigen haben nur 71 Prozent eine Erwerbstätigkeit, bei den über 65-Jährigen sind es 11 Prozent. Besonders tief ist die Erwerbstätigenquote bei den Frauen, speziell bei jenen mit einem ausländischen Pass. In der Industrie beispielsweise beträgt der Frauenanteil nur 17 Prozent“, berichtet die Schweiz am Sonntag.

Frauen könnten ihren Teil dazu beitragen, den Fachkräftemangel zu beseitigen, wenn Rahmenbedingungen geschaffen würden, die sie einfacher eine Vollzeitstelle annehmen ließen. Denn heute sind 88 Prozent der Frauen berufstätig, aber nur 40 Prozent sind in Vollzeit beschäftigt. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie steht hierbei an erster Stelle. Die Schweiz braucht mehr Kinderkrippen und Horte, um Frauen den Weg in den Arbeitsmarkt zu erleichtern.

Aber auch eine Anhebung des Lohnniveaus auf das der Männer ist zwingend erforderlich: „Mit einem standardisierten Bruttomedianlohn von 6397 Franken pro Monat im Jahr 2010 verdienten die Männer weiterhin deutlich mehr als die Frauen. Deren Lohn lag bei 5221 Franken bzw. war 18,4% niedriger. Die Differenz betrug vor zehn Jahren noch 21,3%“, schreibt das BFS in seinen Arbeitsmarktindikatoren. Bei einer derart schleichenden Annäherung wird man so schnell keine höhere Vollzeitquote bei den Frauen erreichen.

Darüber hinaus können Maschinenbau- und Elektroindustrie bis zu 7 Prozent der offenen Lehrstellen nicht besetzen. Die Zahl der Volksschulabgänger nimmt ab. Die Industrie muss präsenter für die jungen Arbeitskräfte werden. Durch neue Studiengänge soll zudem der Zugang zu den Fachhochschulen erleichtert werden. Das gilt für die Berufe, in denen ein ausgewiesener Fachkräftemangel besteht.

Im internationalen Vergleich steht der Schweizer Arbeitsmarkt gut da. Jedoch ist er noch nicht wieder auf dem Vorkrisenniveau angekommen. Wenn es Wirtschaft und Politik gelingt, die brachliegenden Potenziale zu nutzen, dann kann die Beschränkung der Einwanderung den Arbeitsmarkt zumindest mittelfristig stabil halten.

Kommentare

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  1. SoWieSo sagt:

    Fachkräftemangel? Microsoft entläßt gerade 18.000 Mitarbeiter! E.ON entläßt 11.000 Mitarbeiter! RWE entläßt 10.000 Mitarbeiter! usw.

    • Steuerzahler und Zwangs-Kriegsfinanzierer sagt:

      „Fachkräftemangel“ ist eine Mär der Industrie ! Es geht darum Panik mit diesem Argument zu verbreiten, sodaß die Regierung die Arbeitskrafteinwanderung liberalisiert und damit prompt Tür und Tor für billige, aber relativ gut ausgebildete, ausländ. Arbeitskräft aufmacht (besonders aus dem darniederliegenden und deswegen billigen europäischen Ausland).
      Ein arbeitsloser Akademiker, der sich die Mühe macht aus Spanien nach Deutschland zu kommen, weil dort partout kein Job zu finden ist, wird hier jeden „qualifizierten“ Job zu jedem Gehalt annehmen. Das ist der Mechanismus wie besonders die Großkonzerne und deren Lobbygruppen eine künstliche Arbeitsangebotknappheit herbeireden, um darüber doch tatsächlich die Bezahlung und Bedingungen für die einheimischen Fachkräfte dauerhaft zu drücken, sozusagen über künstl. geschaffene, billige Konkurrenz aus dem Ausland.
      Zuerst waren die Geringqualifizierten mit Agenda2010 dran, jetzt will man an die Höherqualifizierten….,damit die Konzernbonzen ihre eh schon üppigen Saläre & Boni noch weiter steigern können.