Industrie: Konjunkturerholung geht an Österreich vorbei

Die Geschäftserwartungen der österreichischen Industrie lassen nach. Für die wirtschaftliche Entwicklung heißt das nichts Gutes: Der viel antizipierte Aufschwung könnte für Österreich ausbleiben. Die Bestellungen gehen zurück. Der starke Euro dämpft zudem den Export.

Das Konjunkturbarometer der Industriellenvereinigung (IV) erfährt einen kräftigen Rücksetzer auf einen Wert von +19 Punkten nach +26 Punkten. Die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage reduziert sich um sieben Punkte auf +23 Punkte und damit auf den schwächsten Wert seit drei Quartalen. Die Qualität der konjunkturellen Dynamik wird damit um nahezu 30 Punkte und somit signifikant schlechter als während der gesamten Periode von Mitte 2010 bis Mitte 2012 eingeschätzt.

Österreichs Industrie läuft Sturm und warnt, der viel erwartete Aufschwung könne an Österreich vorbeigehen. Er sei „hoch gefährdet, die Konjunkturerholung droht zu straucheln. Die Gründe sind nicht nur geopolitische Unsicherheiten, sondern vor allem mangelnde Standortperspektiven im Inland, welche die Aufwärtsdynamik schwächen“, sagte der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Christoph Neumayer, in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit IV-Chefökonom Christian Helmenstein.

Auch die Geschäftserwartungen lassen keine baldige Wende zum Besseren erwarten, denn sie bilden sich von +22 Punkten auf +15 Punkte zurück. Noch kräftiger als bei den Geschäftserwartungen fällt die Tendenzumkehr bei der Einschätzung der Auftragsbestände (Saldo +30 Punkte nach +40 Punkten im Vorquartal) aus. Hier kündigt sich ein frühzeitiges Aus der Konjunkturerholung an.

Dieses Ergebnis ist nahezu im selben Ausmaß auf den Rückgang der inländischen wie der ausländischen Bestellaktivität zurückzuführen. Sollte sich die Erosion der Auftragsbestände in dieser Geschwindigkeit im laufenden dritten Quartal fortsetzen, droht für den Herbst ein konjunktureller Fadenriss. In diesem Fall erreichte der Rückgang der Auftragsreichweite ein für die Kapazitätsauslastung und die Beschäftigung relevantes Ausmaß.

„Die Frage lautet also längst nicht mehr, ob der Aufschwung die Kraft früherer Zyklen erreicht, sondern ob er uns überhaupt erreicht“, so Neumayer und brachte die Ergebnisse des aktuellen Konjunkturbarometers aus dem 2. Quartal 2014 am Donnerstag auf den Punkt. „Wenn jetzt nicht gegengesteuert wird, dann folgt auf eine klassische Frühjahrsbelebung eine hausgemachte Herbstflaute. Wir laufen Gefahr, ein frühzeitiges Ende der Konjunkturerholung zu erleben.“

„Die Fortschritte bei der Konsolidierung der öffentlichen Haushalte in Europa und die weiterhin außerordentlich expansiv gestaltete Geldpolitik der EZB reichen nicht aus, um eine günstigere konjunkturelle Perspektive für die österreichische Wirtschaft zu schaffen“, so Neumayer weiter. Dafür falle der vom internationalen Umfeld ausgehende Gegenwind mittlerweile zu kräftig aus. Die Wachstumsdynamik großer Schwellenländer wie jene Chinas oder Indiens reiche nicht mehr an die Werte früherer Jahre heran. Daraus ergeben sich negative Spill-Over-Effekte für das Wachstum rohstofforientierter Länder wie Australien und Brasilien.

Russland sehe sich mit einer markanten Abschwächung konfrontiert. Hiervon sei die österreichische Exportwirtschaft durchaus spürbar betroffen. Der dortige Markt rangiert bereits an zehnter Stelle der Destinationen im österreichischen Warenexport. Nicht zuletzt wirke sich der starke Euro hemmend auf Exporte in Länder außerhalb der Eurozone auswirkt.

Es komme nun darauf an, „neue Wachstumskräfte in den Industrieländern selbst freizusetzen. Weder die Fiskal- noch die Geldpolitik vermögen die national wie international erforderlichen Strukturreformen zu ersetzen, die geeignet wären, die Industrieländer wieder auf Wachstumskurs zu führen“, so der IV-Generalsekretär.

Die engen wirtschaftlichen Verflechtungen mit Deutschland sowie Lichtblicke in Polen, Ungarn und Großbritannien führen dazu, dass Österreich mit den meisten dieser Länder wieder verstärkt positive Impulse empfängt. Dennoch verbuche die österreichische Wirtschaft zum Jahresauftakt nur einen mageren Zuwachs. „Angesichts dieser Gesamtsituation muss das geplante Freihandelsabkommen TTIP zwischen EU und USA als Chance begriffen werden, statt es ständig als Bedrohung hinzustellen, wie das leider von mancher Seite ungeachtet realer Fakten immer wieder versucht wird“, gab Neumayer zu bedenken. Hier ergebe sich die Möglichkeit, die größte Freihandelszone der Welt zu schaffen.

Helmenstein warnt vor einem strukturellen „Wachstumsrückstandes Österreichs gegenüber Deutschland“. Der über mehr als eine Dekade zu beobachtende Wachstumsvorsprung ist bereits verloren gegangen“, führte Helmenstein aus. „Für eine fortgesetzte Konjunkturerholung sind vor allem bessere Investitionsbedingungen erforderlich. Derzeit liegt der Fokus der Unternehmen auf Ersatzinvestitionen, vielmehr wären jedoch Erweiterungsinvestitionen vonnöten, um zu einem höheren Wachstum bei Wertschöpfung und Beschäftigung und damit auch zu einem höheren Abgabenaufkommen zu gelangen.“

Die Verkaufspreise und auch die Ertragslage der Unternehmen stehen unter einem noch zunehmenden Druck. Mithin ist mittelfristig bei anhaltender Investitionszurückhaltung zu erwarten, dass die aktuellen Produktionsvolumina und die derzeitige Beschäftigung in den Unternehmen nicht zu halten sein werden.

Bei den Verkaufspreisen schlagen sich nach wie vor die international weiterhin vorhandenen Überkapazitäten in einem hohen Preisdruck nieder (Saldo 13 Punkte nach -7 Punkten im Vorquartal), der sich zuletzt aufgrund der schwächeren globalen Nachfrage noch verstärkt hat. Im Ergebnis stürzt die Einschätzung der aktuellen Ertragslage der Unternehmen auf einen Saldo von +1 Punkt nach +7 Punkten im Vorquartal ab.

Dieser Wert ist der niedrigste seit dem Ende der Akutphase der Großen Rezession Anfang 2010. Bei zyklustypischem Verlauf müsste dieses Ergebnis für sich genommen erwarten lassen, dass das Ende der konjunkturellen Erholung bevorsteht. An der jüngsten Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung beteiligten sich 398 Unternehmen mit rund 255.000 Beschäftigten.

Kommentare

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  1. hugin sagt:

    VON NUNAN GEHTS BERGAB !
    Durch verfehlte Gesetzte, Sanktionen gegen Russland – nach dem Willen der USA, ständig steigende Besteuerung, Unfähigkeit der Polit-Gaukler, muss die Wirtschaft stagnieren. Trotzdem täuschen die Politiker Euphorie und Optimissmus vor. Die Vorraussage des Wirtschaftswachstums muss immer nach unten revidiert werden, allein die Voraussage auf Zehntel-Prozen ist schon unseriös.
    Es wird der Bevölkerung immer ein Wirtschaftswachstum vorgegaukelt, bei einem Rückgang ist es eben ein „Minuswachstum“ !
    Wie lange lassen wir uns von diesen Figuren noch zum Narren halten, anlügen und über Steuern ausplündern ?

  2. Halmstan sagt:

    Hier in Österreich haben wir eine Staatsquote von 51%, eine Abgabenquote von 43% und die weltweit höchsten Transferleistungen. Der Spitzensteuersatz auf Einkommen wird ab einem Jahreseinkommen von € 60.000 erhoben. Der Eingangssteuersatz liegt bei 36,5%.

    Noch Fragen?

  3. Ogolius sagt:

    Wer soll das bezahlen – wer hat soviel Geld…. Bestellrückgänge waren zu erwarten, die Inlandsnachfrage ist eingebrochen, renomierte Mittelbetriebe (regionale Traditionsbetriebe) kämpfen ums Überleben und stehen am Abgrund. In meinem nahen Umfeld sind in den letzten Monaten mehrer Betriebe am Zusperren und weitere können die Löhne nicht mehr zahlen. Die Banken sitzen auf ihren Geldern anstelle mutig eine helfende Hand zu reichen – obwohl die EZB gerade für solche Situationen die Druckmaschinen antreibt und auch die entsprechenden Parolen ausgegeben hat. Wir dürfen uns glücklich schätzen, eines der höchsten Steuerländer in der EU sein zu dürfen! Wenn dem Staatsbürger nix im Börserl bleibt und der monatliche Kampf um’s monetäre Durchbeissen latent geworden ist, dann müssen Neuanschaffungen und anfallende Reparaturen warten oder landen zur Gänze auf den Müll. Der gesellschaftliche Verfall ist für jeden Einzelnen ein persönlicher Verlust – wenn kein Geld für die dringende Anschaffung eines neuen Kühlschranks, Waschmaschine oder Herd nicht mehr leistbar ist, Heizungs- oder Wasserleitungsschäden nicht mehr Instand gesetzt werden können, weil dieser Umstand bereits existenzbedrohend ist. Nun – noch haben wir Sommer, aber ganz interessant wird der heurige Winter, wenn viele Öfen kalt bleiben werden – viele werden sich auch die Heizkosten nicht mehr leisten können. Sich’s leisten können – es lebe die Gier einzelner, der dringende Solidaritätsausgleich lässt weiter auf sich warten …..