Britische BSkyB kurz vor Übernahme von Sky Deutschland?

Der britische Bezahlsender BSkyB will Sky Deutschland übernehmen. Das Unternehmen wird zu 40 Prozent vom US-Medienzar Rupert Murdoch kontrolliert. Murdoch war mit seinem Unternehmen Fox vergangene Woche mit einem Übernahme-Angebot an Time Warner für 80 Milliarden Dollar gescheitert.

Der Medienzar Rupert Murdoch steht Medienberichte zufolge offenbar kurz vor einer engeren Verknüpfung seiner europäischen Pay-TV-Aktivitäten. Der britische Bezahlsender BSkyB könnte laut Sunday Times in den nächsten zwei Wochen eine Vereinbarung über eine Übernahme der Bezahlsender Sky Deutschland und Sky Italia treffen. Der Vorgang sei bislang auf den Widerstand von Minderheitsaktionären gestoßen, schreibt die britische Zeitung ohne nähere Angabe von Quellen. Auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete, der Coup stehe offenbar kurz bevor. Im Frankfurter Frühhandel legten Sky-Deutschland-Aktien fast drei Prozent zu.

Murdochs Bezahlsender BSkyB hatte bereits im Mai bestätigt, mit Murdochs Dachgesellschaft 21st Century Fox Gespräche über eine mögliche Übernahme der Bezahlsender Sky Deutschland und Sky Italia zu führen. Sollte BSkyB die Sky-Deutschland-Anteile übernehmen, müsste der Konzern den übrigen Aktionären ein Übernahmeangebot machen. Das britische Unternehmen hatte bereits erklärt, dabei aber nur den gesetzlich geforderten Mindestpreis und keinen Aufschlag zahlen zu wollen.

Überlegungen zum Umbau der europäischen Pay-TV-Aktivitäten hatte es in Murdochs Konzern in der Vergangenheit immer wieder gegeben. Sky Italia gehört Murdoch komplett, an Sky Deutschland hält er eine Mehrheit. Nur das britische Geschäft hat der Medienzar nicht voll unter Kontrolle, hier beträgt der Anteil von 21st Century Fox knapp 40 Prozent.

Time Warner-Deal in den USA vorerst geplatzt

Eine Übernahme des US-Medienkonzerns Time Warner durch Rupert Murdoch ist vergangene Woche geplatzt. Aktionäre des CNN- und Warner Bros-Eigners fordern mehr als die bislang gebotenen 80 Milliarden Dollar und auch einen hören Bargeld-Anteil. „Rupert muss einen Weg finden, wie er mehr Cash auf den Tisch legen kann“, sagte etwa Mario Gabelli vom Finanzinvestor Gamco, der Aktien von Time Warner und von Murdochs Medienkonzern 21st Century Fox besitzt. Der 83-jährige Murdoch bietet via Fox 85 Dollar je Time Warner-Aktie und will den Preis zu 60 Prozent mit Fox-Aktien und zu 40 Prozent in bar bezahlen. Das Management von Time Warner hatte die Offerte aber abgelehnt und erklärt, der Konzern sollte unabhängig bleiben.

Der Kauf wäre der bisher zweitteuerste der Medienbranche überhaupt, nach der Übernahme von Time Warner durch AOL für gut 180 Milliarden Dollar im Jahr 2001. Damals allerdings wurden Preise gezahlt, die aus heutiger Sicht als völlig überzogen bewertet werden.

Eine Fusion Fox/Time Warner würde die US-Medienlandschaft völlig neu ordnen, von den Kartellwächtern aber auch sehr genau geprüft werden. So gehört zu Time Warner der Nachrichtensender CNN, zu Fox der Konkurrent Fox News. In Medienberichten hatte es aber bereits geheißen, Fox wolle bei einer Fusion CNN verkaufen, um die Wettbewerbshüter milde zu stimmen.

„Wenn das Angebot bei 95 Dollar je Aktie liegt, könnte das Management von Time Warner die Offerte nur schwer ausschlagen“, sagte Portfoliomanager Mitch Zacks, dessen Investment-Firma ebenfalls Time-Warner-Aktien besitzt. Zu welchem Preis er verkaufen würde, sagte Zacks allerdings nicht.

Anleger erwarten nun einen neuen Spielzug von Murdoch: „Das ist eine Pokerpartie und Murdoch spielt nie seine beste Karte zuerst aus. Er hat immer noch eine in der Hinterhand“, sagte ein Manager eines institutionellen Time-Warner-Investors, der namentlich nicht genannt werden wollte. Auch er forderte eine höhere Bar-Komponente des Angebots. Denn man wisse nicht, wie sich Fox-Aktien nach der Übernahme entwickeln würden – Probleme bei der Zusammenführung oder bei der Umsetzung von Maßnahmen zur Senkung der Kosten könnten den Kurs ebenso belasten wie der Schuldenberg, die durch einen solchen Deal aufgebaut würde. „Cash ist Cash, man weiß genau, wieviel das wert ist“, sagte der Manager. In Medienberichten hatte es geheißen, Murdoch erwarte durch einen Zusammenschluss Einsparungen von mindestens einer Milliarde Dollar, vor allem durch die Streichung von Stellen.

Bei mit dem Deal vertrauten Personen hatte es geheißen, Murdoch könnte seine Offerte noch aufstocken. Der Unternehmer sei unbeirrt, hatte auch die New York Times berichtet.

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  1. Harbbauer sagt:

    Ich frage mich immer, wenn ich so alte Knochen sehe, die noch immer ihren Hals nicht voll bekommen, ob die nicht bemerken, wie sich die Würmer schon die Servietten umbinden, wenn sie über einen Friedhof gehen.