IWF warnt: Deutschland braucht mehr staatliche Investitionen

Deutschland hat Spielraum für 14 Milliarden Euro an zusätzlichen Investitionen jedes Jahr. Der IWF fordert die Bundesregierung dazu auf, dieses Potenzial auch zu nutzen. Das Wachstumspotenzial der deutschen Wirtschaft sei „mittelfristig bescheiden“. Die Bundesbank redet von Stagnation.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hält trotz besserer Wachstumsaussichten in Deutschland erheblich mehr staatliche Investitionen für nötig. Der IWF lobte Deutschland ausdrücklich für seine Finanz- und Wirtschaftspolitik. Angesichts der mittelfristig allerdings relativ bescheidenen Wachstumsperspektiven rät er zu mehr Investitionen. Ohne Vereinbarungen zu verletzten, könnte der Staat dafür jährlich zusätzlich ein halbes Prozent der Wirtschaftsleistung – also rund 14 Milliarden Euro – ausgeben.

Finanzpolitisch stehe Deutschland stark da, die Arbeitslosigkeit sei niedrig und auch der Bankensektor habe sich Schritt für Schritt stabilisiert, so der IWF. „Deutschland könnte aber mehr tun, um sein Wachstum zu fördern und seine Rolle als Zugpferd im Euro-Raum auszubauen.“

Die Bundesbank geht davon aus, dass die deutsche Wirtschaft im Frühjahr eine Wachstumspause eingelegt hat. Sie sieht das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Vierteljahr lediglich auf dem Niveau des Vorquartals, wie ihre Volkswirte im neuen Monatsbericht schrieben. Im Zeitraum von Januar bis März war dank des milden Winters mit 0,8 Prozent das stärkste Plus seit drei Jahren erzielt worden.

Die IWF-Experten sehen Handlungsbedarf auf mehreren Ebenen. So fordern sie, angesichts der anhaltend niedrigen Zinsen die Entwicklungen am Immobilienmarkt und bei den Lebensversicherern wachsam zu verfolgen. Für den Immobilienmarkt sieht zum Beispiel Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, wie er gerade wieder in einem Handelsblatt-Interview sagte, die Gefahr von spekulativen Preisblasen (mehr hier).

Für die Lebensversicherer haben Bundestag und Bundesrat gerade ein Maßnahmenpaket beschlossen, um diese zu stabilisieren. Ihnen fällt es immer schwerer, die den Kunden versprochenen Renditen am Kapitalmarkt zu erzielen (hier).

Auf Deutschland kommen laut IWF gleich mehrere Probleme zu – die Demografie sowie womöglich auch stark steigende Energiepreise (mehr hier). Dadurch seien die Wachstumsaussichten mittelfristig bescheiden. Der IWF rät zu höheren Investitionen des Staates, etwa in den Ausbau von Straßen sowie Bildung und Forschung. Deutschland sollte den Spielraum nutzen, den es hierfür habe.

Kommentare

Dieser Artikel hat 4 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Gerdi sagt:

    Die Finanzwirtschaft will dass Europa neue Schulden macht. Für die der Steuerzahler haftet. Bessere Bürgen gibt es für die Banken ja gar nicht! Und Deutschland soll vorangehen! Endlich weiter Schulden machen. Damit alle anderen EU-Staaten nachziehen können!

  2. Ja und nein sagt:

    Typisch Deutschland, erst alles über Steuern und Zwangsabgaben weg nehmen und dann staatlich wieder „investieren“. Wie gnädig!

    Die Gammelstrassen und sonstige Infrastruktur gehört aber zu recht saniert und vor allem nicht wie z.B. die Wasserversorgung an ausländische Geiergesellschaften vertickt!

  3. Max sagt:

    Deutschlands Infrastruktur, Strassen, Brücken, Wasserwege, Schienenwege, öffentliche Grbäude, Schulen und Universitäten sind teilweise marode und entsprechen nicht mehr den Anforderungen von heute. Es ist dringend geboten Investitionen in die Zukunft zu tätigen, um unsere wirtschaftliche Spitzenposition zu halten. Hierzu müssen dringend hohe Milliardensummen ausgegeben werden. Das Geld dafür wäre vorhanden. Der Bundeshaushalt müsste umgeschichtet werden und einige Ausgaben müssten reduziert werden, um Gelder für Zukunftsinvestitionen frei zu machen. Es bräuchte bei vernünftiger Haushaltsplanung weder neue Schulden, noch neue Steuern hierfür. Nur einige Wohltaten, die Politiker gerne ausgeben um die Wiederwahl zu sichern, müssten reduziert werden.

  4. Wernr sagt:

    „…IWF warnt: Deutschland braucht mehr staatliche Investitionen …“

    Ich aber warne , der deutsche Staat muss zuerst seinen Schuldenberg zurückzahlen !
    Und auch keine Strassen-Steuer für durch die KFZ-Steuer schon längst bezahlte Strassen kassieren wollen !!

    mfg. Werner